Boeing 787-9 (Foto: Jan Gruber).
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Verhandlungen über Flottenaufbau bei Etihad Airways im Vorfeld der Luftfahrtmesse in Farnborough

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Die staatliche Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, Etihad Airways, steht Branchenberichten zufolge vor dem Abschluss einer neuen Bestellung über Langstreckenflugzeuge des amerikanischen Herstellers Boeing. Branchenkreisen zufolge verhandelt das Unternehmen mit Sitz in Abu Dhabi über den Kauf von zehn zusätzlichen Großraumflugzeugen aus der Baureihe Boeing 787 Dreamliner.

Eine offizielle Bekanntgabe des Geschäfts wird im Rahmen der bevorstehenden Farnborough International Airshow in Großbritannien erwartet, die vom 20. Juli bis zum 24. Juli 2026 stattfindet. Diese geplante Investition folgt auf eine Phase erheblicher operativer und geopolitischer Herausforderungen für die Fluggesellschaften im Nahen Osten, die zu Beginn des Jahres durch regionale Konflikte zu Flugplanstreichungen und Routenanpassungen gezwungen waren. Der angestrebte Ausbau der Flottenkapazitäten verdeutlicht das Bestreben der Fluggesellschaft, trotz kurzfristiger wirtschaftlicher Unsicherheiten an ihren langfristigen Wachstumszielen und der Stärkung des Drehkreuzes Abu Dhabi festzuhalten.

Geopolitische Spannungen und die Erholung des Luftverkehrs im Nahen Osten

Das laufende Jahr brachte für Etihad Airways sowie für die regionalen Mitbewerber im Raum des Persischen Golfs erhebliche operative Einschränkungen mit sich. Bewaffnete Auseinandersetzungen im Nahen Osten und die damit verbundenen Luftraumsperrungen im Frühjahr führten zu massiven Störungen des internationalen Linienverkehrs. Fluggesellschaften mussten ihre Netzwerke verkleinern, jenseits der etablierten Routen umständliche Umwege fliegen und mit volatilen Kerosinpreisen kalkulieren. Diese Rahmenbedingungen dämpften das Wachstum der regionalen Luftfahrtbranche im ersten Halbjahr spürbar.

Dennoch zeichnet sich im Vorfeld der wichtigen Branchenmesse in Farnborough eine Konsolidierung ab. Marktanalysen des europäischen Konkurrenten Airbus bestätigen, dass sich die Passagierströme über den Golf-Drehkreuzen nach einer Stabilisierung der Lage rasch normalisieren. Etihad Airways nutzt diese Phase der Markterholung, um die Kapazitäten für die kommenden Jahre abzusichern. Der Vorstandsvorsitzende der Fluggesellschaft, Antonoaldo Neves, hatte bereits im Juni angedeutet, dass das Unternehmen die Beschaffung einer zweistelligen Anzahl von Großraumflugzeugen prüfe, um dem prognostizierten Passagieraufkommen und den Ausbauplänen des Streckennetzes gerecht zu werden.

Die bestehende Dreamliner-Flotte und ihre operative Integration

Die Entscheidung für den Ausbau der Boeing-787-Flotte basiert auf einer gewachsenen Infrastruktur innerhalb der Fluggesellschaft. Etihad Airways betreibt gegenwärtig eine Flotte von insgesamt 47 Flugzeugen dieser Serie, womit der Typ das Rückgrat der Langstreckenoperation darstellt. Den größeren Teil bildet hierbei die mittlere Variante 787-9 mit 37 aktiven Maschinen, die ein durchschnittliches Alter von 7,6 Jahren aufweisen. Die verbleibenden zehn Flugzeuge entfallen auf die gestreckte Version 787-10 mit einem Durchschnittsalter von rund sieben Jahren. Beide Teilflotten liegen damit unter dem Gesamtdurchschnittsalter der Fluggesellschaft, das aktuell mit 9,7 Jahren beziffert wird.

Über die spekulierte neue Bestellung hinaus verfügt Etihad bereits über feste Auftragszusagen für weitere 23 Flugzeuge dieses Typs, aufgeteilt in vier Maschinen der Variante 787-9 und 19 Einheiten der größeren Version 787-10. Zudem besteht aus früheren Verpflichtungen eine Vereinbarung, die auch Flugzeuge des Typs Boeing 777X umfasst, deren Auslieferung ab dem Jahr 2028 vorgesehen ist. Die hohe Kontinuität bei der Flottenzusammensetzung reduziert den Aufwand für die Pilotenschulung und die Wartungsinfrastruktur, da die technischen Abläufe am Drehkreuz in Abu Dhabi etabliert sind.

Einsatzbereiche und Konfigurationen im internationalen Streckennetz

Die Detailplanung von Etihad Airways für den laufenden Monat zeigt eine intensive Nutzung der vorhandenen Kapazitäten. Die größere Variante 787-10 wird in einer einheitlichen Kabinenkonfiguration mit 32 Sitzen in der Business-Klasse und 295 Plätzen in der Economy-Klasse betrieben. Für diesen Flugzeugtyp sind im Juli 2026 insgesamt 312 Abflüge vom internationalen Flughafen Abu Dhabi eingeplant. Zu den wichtigsten Destinationen gehört Mailand mit 42 monatlichen Verbindungen, gefolgt von täglichen Flügen nach Peking, Hanoi und Madrid.

Für die kleinere Version 787-9 stehen im selben Zeitraum 1.154 Flüge im Flugplan. Dieses Modell wird in drei unterschiedlichen Kabinenkonfigurationen eingesetzt, darunter auch Versionen mit einer First-Class-Kabine für den Premium-Markt. Zu den am stärksten frequentierten Zielen zählen Chicago, Frankfurt und Malé, die jeweils zweimal täglich bedient werden. Weitere wichtige Routen führen nach Kuala Lumpur, München, Phuket und Rom. Diese Ausrichtung unterstreicht die Rolle des Flugzeugtyps bei der Verbindung von Point-to-Point-Märkten mit mittlerem bis hohem Passagieraufkommen.

Wirtschaftliche Risiken und der Wettbewerb der Flugzeugzeughersteller

Trotz des optimistischen Ausblicks birgt das geplante Geschäft Risiken für beide Vertragsparteien. Der amerikanische Flugzeugbauer Boeing steht seit längerer Zeit unter genauer Beobachtung der Luftfahrtbehörden und kämpft mit Produktionsengpässen sowie Qualitätskontrollen in seinen Werken. Verzögerungen bei der Auslieferung von Großraumflugzeugen sind in der Branche keine Seltenheit und könnten die Expansionspläne von Etihad Airways zeitlich zurückwerfen. Für Boeing stellt ein potenzieller Vertragsabschluss in Farnborough wiederum einen wichtigen Erfolg im intensiven Wettbewerb mit dem europäischen Rivalen Airbus dar, insbesondere da der Markt für Großraumflugzeuge hart umkämpft ist.

Darüber hinaus muss sich Etihad Airways in einem Marktumfeld bewähren, das von aggressivem Kapazitätswachstum anderer staatlicher Fluggesellschaften in der Region geprägt ist. Die ambitionierten Pläne zur Erweiterung des Streckennetzes und zur Erhöhung der Passagierkapazitäten erfordern erhebliche finanzielle Vorleistungen. Ob das Drehkreuz Abu Dhabi im globalen Transitverkehr die notwendigen Marktanteile sichern kann, um eine Flotte von weit über 70 Dreamlinern profitabel zu betreiben, bleibt eine der zentralen Fragen für die wirtschaftliche Entwicklung des Luftfahrtunternehmens in den kommenden Jahren.

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