Flughafen Graz (Foto: Andreas Knoll).
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Vernetzung im Süden Österreichs: Flughafen Graz festigt seine Rolle als internationaler Anbindungsknoten

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Der Flughafen Graz hat im Wettbewerb der österreichischen Regionalflughäfen etwas erreicht, das zum Beispiel Linz oder Klagenfurt nicht mehr haben. Während andere Standorte mit dem Rückzug großer Fluggesellschaften und dem Verlust wichtiger Drehkreuzverbindungen kämpfen, setzt die steirische Flughafengesellschaft konsequent auf eine Ausweitung ihrer Hub-Strategie. Mit aktuell sechs direkten Anbindungen an internationale Großflughäfen bietet Graz seinen Passagieren Zugang zu einem weltweiten Streckennetz von über 200 Destinationen.

Die Geschäftsführung, bestehend aus Wolfgang Grimus und Jürgen Löschnig, sieht in dieser hohen Konnektivität den entscheidenden Standortvorteil für die Wirtschaft und den Tourismus der gesamten Region. Besonders die jüngste Aufnahme der Verbindung nach London-Gatwick durch British Airways sowie die stabile Partnerschaft mit der Lufthansa-Gruppe unterstreichen die Bedeutung des Flughafens als wichtigstes Tor der Steiermark zur Welt. In einem Marktumfeld, das von Konsolidierung und operativem Druck geprägt ist, hebt sich Graz damit deutlich von Mitbewerbern wie Linz, Salzburg oder Innsbruck ab.

Die Säulen der Grazer Hub-Anbindung

Das Fundament der Grazer Luftverkehrsstrategie bildet die umfassende Kooperation mit der Lufthansa-Gruppe. Graz ist einer der wenigen Regionalflughäfen in Europa, der alle vier zentralen Drehkreuze des Konzerns gleichzeitig bedient. Die nationale Anbindung nach Wien erfolgt durch Austrian Airlines, während die strategisch wichtigen deutschen Hubs Frankfurt und München durch Air Dolomiti bedient werden. Hinzu kommt die für Geschäftsreisende essenzielle Verbindung nach Zürich, die von Swiss durchgeführt wird. Diese vier Achsen garantieren nicht nur eine hohe Frequenz für Pendler, sondern ermöglichen durch abgestimmte Umsteigezeiten den Zugang zu den globalen Langstreckennetzen der jeweiligen Airlines.

Ergänzt wird dieses Angebot durch Verbindungen, die gezielt unterschiedliche Marktsegmente ansprechen. Die Anbindung nach Düsseldorf durch Eurowings bedient primär den wirtschaftlich bedeutenden Raum Nordrhein-Westfalen. Im Bereich der interkontinentalen Anschlüsse nach Osten spielt Pegasus Airlines eine wichtige Rolle, die Graz mit dem Flughafen Istanbul Sabiha Gökçen verbindet und damit den Weg in den Nahen Osten und nach Asien ebnet. Der jüngste Erfolg der Flughafendirektion ist die Akquise von British Airways Euroflyer. Seit November 2025 verbindet die britische Fluggesellschaft Graz mit London-Gatwick, was die globale Erreichbarkeit für Fluggäste aus dem Süden Österreichs nochmals signifikant gesteigert hat.

Wettbewerbsvorteil durch Kontinuität und Auslastung

Die positive Entwicklung in Graz steht in scharfem Kontrast zur Situation an anderen österreichischen Standorten. Besonders deutlich wird dies beim Vergleich mit dem Flughafen Linz. Der oberösterreichische Standort musste im November 2025 einen herben Rückschlag hinnehmen, als die letzte verbliebene Hub-Verbindung nach Frankfurt aufgrund mangelnder Auslastung eingestellt wurde. Damit verlor Linz den direkten Anschluss an eines der wichtigsten Luftfahrt-Drehkreuze der Welt. In Graz hingegen zeigt sich, dass die Kombination aus einem starken wirtschaftlichen Einzugsgebiet und einer gezielten Akquise von Fluggesellschaften zu stabilen Passagierströmen führt, die den Fortbestand solcher Linien rechtfertigen.

Auch gegenüber den Flughäfen Salzburg und Innsbruck kann Graz seine Sonderstellung behaupten. Während die beiden westösterreichischen Flughäfen stark vom saisonalen Tourismus, insbesondere dem Wintertourismus, abhängig sind und dementsprechend schwankende Flugpläne aufweisen, verfügt Graz über eine ganzjährig stabile Linienstruktur. Die Fokussierung auf die sechs Hub-Anbindungen sorgt für eine kontinuierliche Auslastung durch Geschäftsreisende und Urlauber gleichermaßen. Dies schafft Planungssicherheit für die Airlines und macht den Standort Graz für weitere Investitionen im Bereich der Luftfahrtinfrastruktur attraktiv.

Wirtschaftliche Bedeutung für die Region Steiermark

Für die steirische Wirtschaft ist die hohe Dichte an Hub-Anbindungen ein unverzichtbarer Faktor. Viele in der Region ansässige Unternehmen agieren auf globalen Märkten und sind auf schnelle, unkomplizierte Reiseverbindungen angewiesen. Die Möglichkeit, mit nur einem Umstieg mehr als 200 Ziele weltweit zu erreichen, reduziert Reisezeiten und logistischen Aufwand erheblich. Wolfgang Grimus betonte in diesem Zusammenhang, dass die Konnektivität eines Flughafens direkt mit der Attraktivität des Wirtschaftsstandorts korreliere. Ein Regionalflughafen, der international so gut vernetzt ist wie Graz, fungiere als Katalysator für Betriebsansiedlungen und internationale Kooperationen.

Zusätzlich zur Funktion als Wirtschaftsmotor profitiert auch der ausgehende Tourismus. Die Grazer Bevölkerung und Bewohner der angrenzenden Bundesländer sowie aus Slowenien nutzen den Flughafen zunehmend als Startpunkt für Fernreisen. Die Hub-Strategie ermöglicht es, Destinationen in Nordamerika, Asien oder Afrika zu buchen, ohne die mühsame Anreise zu den großen Hauptstadthäfen per Bahn oder PKW in Kauf nehmen zu müssen. Die hohe Frequenz auf den Zubringerflügen nach Frankfurt, München und Istanbul sorgt zudem für wettbewerbsfähige Preise durch ein breites Angebot an Anschlussflügen.

Infrastruktur und operative Exzellenz

Um die Anforderungen der internationalen Drehkreuze und deren Zubringerflüge zu erfüllen, hat der Flughafen Graz in den vergangenen Jahren kontinuierlich in seine operative Infrastruktur investiert. Kurze Wege, effiziente Check-in-Prozesse und eine hohe Pünktlichkeitsrate sind Parameter, auf die Airlines bei der Auswahl ihrer Destinationen achten. Jürgen Löschnig wies darauf hin, dass die Qualität der Bodenabfertigung und die Flexibilität des Standorts wesentliche Argumente in den Verhandlungen mit Fluggesellschaften wie British Airways oder der Lufthansa-Gruppe seien.

Die Herausforderung für die Zukunft wird darin bestehen, das hohe Niveau der Anbindungen trotz der volatilen Lage in der europäischen Luftfahrtindustrie zu halten. Kostendruck bei den Airlines und Kapazitätsengpässe an den großen Hubs führen oft dazu, dass Regionalverbindungen auf den Prüfstand gestellt werden. Graz begegnet diesem Risiko durch eine aktive Marktbearbeitung und eine enge Abstimmung mit den Partnern. Die Diversifizierung der angebotenen Hubs – von der klassischen Netzwerk-Airline bis zum Low-Cost-Segment – bietet zudem eine gewisse Absicherung gegen Marktschwankungen einzelner Anbieter.

Ausblick auf die weitere Netzentwicklung

Die Strategie des Flughafens Graz sieht vor, die bestehenden Verbindungen weiter zu festigen und dort auszubauen, wo Marktpotenziale erkennbar sind. Das Ziel bleibt eine lückenlose Erreichbarkeit der wichtigsten globalen Wirtschaftszentren. Die erfolgreiche Etablierung der London-Route im Winter 2025/2026 dient dabei als Blaupause für mögliche weitere Direktverbindungen zu europäischen Metropolen, die gleichzeitig als Umsteigepunkte fungieren könnten. Die Geschäftsführung zeigt sich zuversichtlich, dass Graz seine Position als führender österreichischer Regionalflughafen in Sachen Konnektivität weiter ausbauen kann.

In einer Zeit, in der Mobilität und globale Vernetzung grundlegende Anforderungen an eine moderne Infrastruktur sind, hat der Flughafen Graz die richtigen Weichen gestellt. Durch die konsequente Fokussierung auf Hub-Anbindungen wurde ein Angebot geschaffen, das weit über die reine Beförderung von Passagieren hinausgeht. Es ist ein strategisches Asset für die gesamte Region, das die Steiermark fest in der internationalen Luftverkehrslandkarte verankert. Die Sonderstellung unter den österreichischen Regionalflughäfen ist somit kein Zufall, sondern das Ergebnis einer zielgerichteten und marktorientierten Unternehmensführung.

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