Der europäische Luftverkehr hat im Sommer 2025 eine verbesserte Leistung bei der Pünktlichkeit gezeigt. Laut der europäischen Organisation zur Sicherung der Luftfahrt, Eurocontrol, ist die Zahl der Streckenverspätungen von Juni bis September um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, obwohl das Verkehrsaufkommen um 3,3 Prozent zugenommen hat. Die Ankunftspünktlichkeit stieg auf 71,6 Prozent, was einer Verbesserung um 6,4 Prozentpunkte entspricht. Trotz dieser Fortschritte spricht Eurocontrol von einem weiterhin unzureichenden Ergebnis. Strukturelle Engpässe wie der anhaltende Mangel an Fluglotsen, eine veraltete Luftraumstruktur und häufige Streiks, insbesondere in Frankreich, stellen weiterhin eine erhebliche Belastung für das gesamteuropäische System dar und führen dazu, dass die angestrebten Pünktlichkeitsziele der Europäischen Union verfehlt werden.
Die europäische Luftfahrt blickt auf einen Sommer 2025 zurück, der zwar besser verlief, als von vielen Experten befürchtet, aber immer noch weit von einer stabilen Betriebslage entfernt ist. Die Anstrengungen von Eurocontrol und den nationalen Flugsicherungsdienstleistern zur Verbesserung der Netzwerkkoordination haben messbare Ergebnisse gezeigt: Die Minuten an Flugverkehrsmanagement (ATFM) bedingten Verspätungen pro Flug sanken im Juli 2025 im Vergleich zum Juli 2024 um 25 Prozent, wie aus Eurocontrol-Daten hervorgeht. Die Gesamtpünktlichkeit bei der Ankunft (Flüge, die innerhalb von 15 Minuten nach der planmäßigen Zeit landen) verbesserte sich im Juni bis August auf 71 Prozent, ein Anstieg von 6,5 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.
Der anhaltende Engpass: Personal und Struktur
Trotz der erfolgreichen Reduzierung der Gesamtverspätungsminuten liegt die Hauptursache für die anhaltenden Probleme in strukturellen Defiziten des europäischen Flugverkehrsmanagementsystems. Der Mangel an qualifizierten Fluglotsen bleibt in vielen europäischen Ländern eine chronische Herausforderung. Bereits vor dem Sommer 2025 hatten Gewerkschaften und Branchenvertreter vor einem drohenden „Flugchaos“ gewarnt, da das Personalniveau nicht mit dem rasch steigenden Verkehrsaufkommen Schritt halten konnte. Angaben von Eurocontrol zufolge ging die durch Personalmangel verursachte ATFM-Verspätung pro Flug im Sommer 2025 zwar um 19 Prozent (im Juli) zurück, bleibt aber ein Haupttreiber für die systemische Belastung.
Die Problematik wird durch eine veraltete und zunehmend überlastete Luftraumstruktur verschärft. Der europäische Luftraum ist historisch fragmentiert, wobei jedes Land für seinen eigenen Luftraum verantwortlich ist. Dies erfordert häufige Übergaben zwischen Fluglotsen und Systemen an den Landesgrenzen, was zu Ineffizienzen führt und die Kapazität des Gesamtnetzwerks begrenzt. Das europäische Projekt des „einheitlichen europäischen Luftraums“ (Single European Sky – SES) wurde ursprünglich gestartet, um diese Fragmentierung zu überwinden und die Effizienz zu steigern. Die langsame Umsetzung dieser Reformen hindert jedoch die Flugsicherungsdienstleister daran, schnell auf die wachsende Verkehrsnachfrage zu reagieren und Kapazitätsengpässe nachhaltig zu beseitigen.
Frankreich als chronischer Hotspot
Innerhalb des europäischen Netzwerks sticht Frankreich als besonderer Problemfall hervor. Die Berichte von Eurocontrol bestätigen, dass die französische Flugsicherung (DSNA) einer der größten Verspätungsverursacher in Europa bleibt. Während die Gesamtzahl der Verzögerungen im europäischen Streckenflug rückläufig war, stieg sie in Frankreich angeblich um 50 Prozent.
Ein wesentlicher Faktor für die Instabilität im französischen Luftraum sind die häufigen Streiks der Fluglotsen. Allein im Sommer 2025 führten mehrere Streikwellen, unter anderem im Juni und Juli, zu Tausenden von Flugausfällen und massiven Verspätungen, die weit über die französischen Grenzen hinaus reichten. Fluggesellschaften wie Ryanair, die stark von Überflügen durch den französischen Luftraum abhängig sind, werden durch diese Arbeitsniederlegungen besonders hart getroffen. Die französische Flugsicherung allein war laut der europäischen Lobbyorganisation Airlines for Europe (A4E) in der Vergangenheit für bis zu einem Drittel der Verzögerungen bei der Abfertigung im europäischen Luftraum verantwortlich.
Zusätzlich zu Arbeitskonflikten kämpft Frankreich auch mit anhaltenden Kapazitäts– und Personalproblemen. Daten des Eurocontrol Special Flash Briefing für den Sommer 2025 zeigen, dass die DSNA mit 3,6 Minuten ATFM-Verspätung pro Flug einen der höchsten Werte in Europa aufweist, wobei Kapazitäts– und Personalengpässe mehr als die Hälfte dieser Verzögerungen ausmachten. Die Instabilität in Frankreich zwingt Eurocontrol und benachbarte Flugsicherungen, den Verkehr umzuleiten, was zu einer zusätzlichen Belastung in anderen Regionen führt.
Der Weg zu besserer Stabilität
Die Eurocontrol-Bilanz deutet darauf hin, dass die Verbesserungen im Sommer 2025 eher das Ergebnis einer intensivierten Koordination und besserer operativer Planung als einer nachhaltigen Lösung der strukturellen Mängel sind. Gemeinsame Prioritäten wie die Einhaltung realistischer Abfertigungszeiten durch die Fluggesellschaften und die Priorisierung der ersten Flugrotation des Tages haben geholfen, Folgeverspätungen einzudämmen. Die Organisation betont, dass die engere Zusammenarbeit mit den nationalen Flugsicherungsdienstleistern und der Einsatz digitaler Werkzeuge zur Verkehrssteuerung positive Effekte zeigten.
Für den Sommer 2026 kündigt Eurocontrol eine Fortsetzung der Anstrengungen an. Der Fokus liegt auf der weiteren Erhöhung der Kapazität durch zusätzliche Einstellungen von Fluglotsen und optimierte Dienstpläne. Auch die technische Modernisierung der Verkehrslenkung und die beschleunigte Einführung von digitalen Systemen stehen auf der Agenda. Die Anpassung von Luftraumsektoren und die Entwicklung neuer Verfahren sollen die Widerstandsfähigkeit des Netzwerks gegenüber unvorhergesehenen Störungen – sei es durch Wetter (wetterbedingte Verspätungen gingen im Vergleich zum Vorjahr um 41 Prozent zurück) oder geopolitische Faktoren – erhöhen. Die Herausforderungbleibt, kurzfristige operative Erfolge in eine langfristige strukturelle Stabilität zu überführen. Ohne eine entschiedene und beschleunigte Umsetzung der SES-Reformen und ausreichende Investitionen in Personal und Infrastruktur auf nationaler Ebene drohen die aktuellen Fortschritte bei einem weiter steigenden Verkehrsaufkommen schnell zunichte gemacht zu werden.