Die beiden führenden Flugzeughersteller Airbus und Boeing greifen aufgrund anhaltender Engpässe in ihren globalen Lieferketten verstärkt auf Notfalltransporte per Flugzeug zurück.
Wie Branchenmedien und Dokumente von US-Regulierungsbehörden belegen, chartern beide Konzerne Großraumfrachtflugzeuge vom Typ Antonow An-124 der ukrainischen Spezialfluggesellschaft Antonov Airlines. Ziel dieser teuren Lufttransporte ist es, großflächige Bauteile rasch zu den Endmontagelinien zu befördern. Normalerweise werden derart umfangreiche Flugzeugteile aus Kostengründen auf dem Seeweg oder per Schwertransport über Land befördert.
Aus den Unterlagen der US-Luftfahrtbehörde geht hervor, dass Boeing Sondergenehmigungen für Inlandsflüge innerhalb der USA beantragen musste. Antonov Airlines transportierte im Auftrag des US-Konzerns Rumpfbauteile für die Boeing 767 vom Zulieferer Daher Aerospace in Florida direkt zu den Produktionsstätten im Bundesstaat Washington. Flugverfolgungsdaten bestätigen entsprechende Einsätze der Maschine mit dem Kennzeichen UR-82072 Ende Juni und Anfang Juli 2026 von Melbourne nach Everett und Seattle. Auch der europäische Konkurrent Airbus nutzt die An-124 für Eiltransporte von Komponenten des Langstreckenmodells A350 zu seinen europäischen Werkstandorten, um Verzögerungen in der Fertigung abzufangen.
Der Rückgriff auf Charterflüge mit dem zweitgrößten Frachtflugzeugtyp der Welt verdeutlicht den enormen Zeit- und Kostendruck, unter dem die Flugzeugbauer derzeit stehen. Schwachstellen bei Zulieferern, Engpässe bei Rohstoffen sowie logistische Verzögerungen in den Häfen zwingen die Hersteller zu teuren Sondermaßnahmen, um einen Stillstand der Endmontagelinien zu verhindern. Während der Einsatz von Frachtchartern die Lieferzeiten verkürzt, erhöht das Verfahren die Produktionskosten pro Flugzeug deutlich.
Die aktuelle Situation unterstreicht zudem die weltweiten Kapazitätsgrenzen im Markt für Schwerlast-Luftfracht. Nach der Zerstörung der einzigen Antonow An-225 im Jahr 2022 ist die Flotte an einsatzbereiten An-124 weltweit stark limitiert. Dass zwei globale Konzerne zeitgleich auf dieselben Kapazitäten zurückgreifen müssen, zeigt, wie fragil die Logistikketten in der zivilen Luftfahrtindustrie weiterhin sind.