Joint (Foto: Elsa Olofsson/Unsplash).
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Vier Stunden Verspätung wegen einem Joint: Ein Vorfall an Bord und die harten Konsequenzen für Piloten

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Ein scheinbar harmloser Akt eines Reisenden führte am 5. August auf dem Flug UA1679 von United Airlines zu einer massiven Verzögerung. Ein Passagier, der in einer Toilette des Flugzeugs Marihuana konsumierte, verursachte eine vierstündige Verspätung, die zur Auswechslung der gesamten Besatzung und zur Ausquartierung aller Passagiere führte.

Was auf den ersten Blick wie eine Überreaktion der Airline erscheinen mag, wirft in Wahrheit ein Schlaglicht auf die strikten Sicherheitsvorschriften in der Luftfahrt und die schwerwiegenden rechtlichen Konsequenzen, denen Piloten und Flugbegleiter ausgesetzt sind. Der Vorfall unterstreicht, daß die Autorität des Kapitäns und die Nulltoleranz-Politik der US-Luftfahrtbehörde FAA gegenüber berauschenden Substanzen keine Kompromisse dulden. Die Konsequenzen dieses unverantwortlichen Verhaltens erstreckten sich weit über den Verursacher hinaus und trafen Hunderte von Reisenden.

Ein vermeintlich harmloser Akt: Das Missverständnis von staatlichem und föderalem Recht

Die Reise von Flug UA1679 begann am San Francisco International Airport (SFO), einem Bundesstaat, in dem der Freizeitkonsum von Marihuana legal ist. Doch was an Land erlaubt sein mag, ändert sich fundamental, sobald man eine Bundes- oder Staatengrenze überschreitet – und gewiß auch, sobald man eine Fluggesellschaft betritt. Flughäfen, Flugzeuge und der gesamte Luftraum unterliegen dem föderalen Recht der Vereinigten Staaten, das den Konsum und Besitz von Marihuana nach wie vor als Straftat betrachtet.

Während die Transportsicherheitsbehörde (TSA) nicht aktiv nach geringfügigen Mengen der Substanz in Passagier-Gepäckstücken sucht, wird jeder erkannte Verstoß geahndet. Im vorliegenden Fall ging der Passagier sogar noch einen Schritt weiter, indem er die Substanz an Bord eines kommerziellen Flugzeugs konsumierte und dabei nicht nur ein uraltes Flugverbot mißachtete, sondern auch die Sicherheit der Besatzung und der anderen Reisenden gefährdete.

Die unnachgiebigen Regeln: Das strikte Drogen- und Alkoholtestprogramm der FAA

Der Kern der Problematik, die zur stundenlangen Verspätung führte, lag in der Exposition der Flugzeugbesatzung gegenüber dem Passivrauch des Marihuanas. Die US-Luftfahrtbehörde (FAA) hat ein unnachgiebiges und umfassendes Drogen- und Alkoholtestprogramm für Piloten und anderes sicherheitsrelevantes Personal. Es umfaßt nicht nur präventive Stichproben, sondern auch Tests nach Unfällen oder bei begründetem Verdacht. Ein positives Ergebnis, sei es durch Alkoholkonsum, illegale Drogen oder sogar bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente, führt in der Regel zu einer sofortigen Kündigung und zum unwiderruflichen Entzug der Fluglizenz.

Diese Nulltoleranz-Politik ist das Fundament der strengen Sicherheitsstandards in der Luftfahrt. Wie ein Flieger mit 30 Jahren Berufserfahrung auf Reddit schrieb, zitiert er den Kapitän des besagten Fluges mit den Worten: „Ich habe 30 Jahre meiner Karriere bei United vor mir, ich bin nicht bereit, das Risiko eines Drogentests einzugehen, wenn ich in Houston ankomme.“ Es braucht Jahre der Ausbildung, Tausende von Flugstunden und erhebliche finanzielle Investitionen, um eine Berufspilotenlizenz zu erlangen. Das Risiko, die gesamte Existenzgrundlage aufgrund des unbedachten Verhaltens eines anderen zu verlieren, ist eine sehr reale und existenzielle Bedrohung. Der Pilot von Flug UA1679 handelte somit nicht übertrieben, sondern mit einem Höchstmaß an beruflicher Vorsicht.

Die Verantwortung des Kapitäns: Warum die Entscheidung keineswegs eine Überreaktion war

Die endgültige Entscheidung über den Start eines Flugzeugs liegt allein beim „Pilot in Command“. Dieses rechtliche Konzept, verankert im Föderalen Luftverkehrsgesetz, stattet den Kapitän mit der uneingeschränkten Autorität über die Sicherheit des Flugzeugs, der Besatzung und aller Passagiere an Bord aus. Der Kapitän hat die Pflicht und das Recht, einen Flug zu verweigern, wenn er der Ansicht ist, daß die Sicherheit auch nur im geringsten gefährdet ist. In diesem Fall war die Sorge des Piloten, sich unfreiwillig einem Drogentest auszusetzen, der seine Karriere beenden könnte, vollkommen berechtigt. Die FAA-Regularien sehen keine „mildernden Umstände“ bei einem positiven Testergebnis vor. Dies, zusammen mit dem jahrzehntelangen Rauchverbot an Bord von Flugzeugen, macht die Entscheidung des Kapitäns verständlich. Er wählte den sichersten Weg, um seine Karriere und die höchsten Sicherheitsstandards der Luftfahrt zu schützen.

Der Vorfall auf Flug UA1679 ist leider kein Einzelfall. Die FAA hat als Reaktion auf eine Zunahme von Vorfällen mit undisziplinierten Passagieren eine Nulltoleranz-Politik eingeführt. Personen, die sich an Bord eines Flugzeugs fehlverhalten, drohen hohe Geldstrafen und strafrechtliche Verfolgung.

Weitreichende Folgen für alle Beteiligten: Von Reisenden bis zur Fluggesellschaft

Die Konsequenzen des Vorfalls waren für alle Beteiligten spürbar. Der Flug nach Cancún, der ursprünglich um 8:30 Uhr morgens starten sollte, hob erst vier Stunden später ab. Für die Passagiere, von denen viele ihre Reise nach Mexiko antreten wollten, bedeutete dies lange Wartezeiten, verpasste Anschlüsse und verschobene Reisepläne. United Airlines stellte den betroffenen Passagieren lediglich einen 15-Dollar-Gutschein für Speisen zur Verfügung, was im Angesicht der massiven Verspätung bei vielen für Unmut sorgte.

Aus Sicht der Fluggesellschaft war der Vorfall jedoch durch das Verhalten eines Einzelnen verursacht worden. Die Fluggesellschaften sind rechtlich nicht verpflichtet, für Unannehmlichkeiten zu entschädigen, die durch einen nicht im Verschulden der Airline liegenden Vorfall entstehen. Der größte finanzielle Schaden entstand für das Unternehmen durch die Betriebskosten der vierstündigen Verspätung und die Kosten für die Ersatzbesatzung. Am Ende ist jedoch der verantwortungslose Passagier der Hauptschuldige an diesem „Reise-Albtraum“.

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