Die staatliche Fluggesellschaft Vietnam Airlines sieht sich gezwungen, ab dem 1. April 2026 ihr Flugangebot massiv einzuschränken. Wie die vietnamesische Luftfahrtbehörde CAAV mitteilte, werden insgesamt 23 Flüge pro Woche auf verschiedenen Inlandsrouten gestrichen.
Besonders betroffen sind Verbindungen vom wirtschaftlichen Zentrum Ho-Chi-Minh-Stadt in andere Landesteile. Hintergrund dieser drastischen Maßnahme sind akute Kerosinengpässe, die unmittelbar auf Lieferunterbrechungen infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten zurückzuführen sind. Da Vietnam seinen Bedarf an Flugkraftstoff zu einem überwältigenden Anteil durch Importe deckt, reagiert der nationale Luftverkehrssektor hochsensibel auf Instabilitäten in den globalen Lieferketten.
Zusätzliche Recherchen zur regionalen Versorgungslage verdeutlichen die Komplexität der Krise: Wichtige Lieferanten wie China und Thailand haben ihre Kerosinexporte nach Vietnam bereits vor einiger Zeit eingestellt. Grund hierfür sind die Auswirkungen des Krieges im Iran, der die Transportwege und Produktionskapazitäten in der gesamten Region belastet. Die vietnamesische Regierung prüft derzeit Möglichkeiten zur Diversifizierung der Importquellen, doch kurzfristig bleibt die Treibstoffverfügbarkeit stark eingeschränkt. Branchenexperten weisen darauf hin, dass neben Vietnam Airlines auch andere lokale Fluggesellschaften wie Vietjet Air und Bamboo Airways unter dem Druck steigender Beschaffungskosten und versiegender Kraftstoffquellen stehen, was die Stabilität des gesamten Binnenmarktes gefährdet.
Parallel zur Ausdünnung des Flugplans bereiten die vietnamesischen Luftfahrtunternehmen die Einführung von Treibstoffzuschlägen für internationale Flugstrecken vor. Diese sollen ebenfalls Anfang April 2026 in Kraft treten, um die explodierenden Kosten für Kerosin auf dem Weltmarkt abzufedern. Die CAAV koordiniert diesen Prozess, um eine einheitliche Preisgestaltung und die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Carrier sicherzustellen. Analysten befürchten, dass die Kombination aus reduziertem Angebot im Inland und höheren Ticketpreisen für Auslandsverbindungen das Wirtschaftswachstum Vietnams beeinträchtigen könnte, da der Tourismus und der Geschäftsreiseverkehr wesentliche Säulen der nationalen Ökonomie darstellen.
Die logistischen Herausforderungen werden durch die begrenzte Lagerkapazität für Treibstoff in Vietnam verschärft. Während das Land bemüht ist, seine eigenen Raffineriekapazitäten, wie etwa in Nghi Son, auszubauen, bleibt die Abhängigkeit von verarbeitetem Kerosin aus dem Ausland bestehen. Militärische Spannungen im Persischen Golf und die damit verbundene Unsicherheit auf den Seewegen haben die Versicherungsprämien für Öltanker steigen lassen, was die Importpreise zusätzlich in die Höhe treibt. Das Verkehrsministerium in Hanoi hat bereits Notfallpläne aktiviert, um die Versorgung kritischer Infrastrukturen sicherzustellen, während Passagiere im Inlandsverkehr mit weiteren Annullierungen und Umbuchungen rechnen müssen.