Der Luftverkehr zwischen dem Elsass und Bayern erfährt eine strategische Neuausrichtung. Die spanische Fluggesellschaft Volotea hat die offizielle Ausschreibung für einen öffentlichen Dienstleistungsauftrag gewonnen, der die Flugverbindung zwischen dem Flughafen Straßburg-Entzheim und dem internationalen Drehkreuz München für die kommenden zwei Jahre garantiert. Wie aus Branchenkreisen und offiziellen Stellungnahmen hervorgeht, zielt dieser Vertrag darauf ab, die territoriale Anbindung der europäischen Metropole Straßburg an das weltweite Streckennetz der Lufthansa-Zentrale in München zu verstetigen.
Ab dem 9. April 2026 wird die Fluggesellschaft die Route zweimal wöchentlich bedienen. Dieser Schritt ist insbesondere für die politische und wirtschaftliche Infrastruktur der Region von Bedeutung, da er eine Lücke füllt, die durch den Rückzug anderer Anbieter entstanden war. Durch den Einsatz von Airbus-Großraumgerät wird eine Kapazität geschaffen, die sowohl den Anforderungen von Geschäftsreisenden als auch den Bedürfnissen des parlamentarischen Betriebs in Straßburg gerecht werden soll.
Die strategische Bedeutung der territorialen Kontinuität
Hinter der Vergabe des öffentlichen Dienstleistungsauftrags steht ein komplexes Finanzierungsmodell, bei dem staatliche Stellen die Rentabilität einer Flugverbindung sicherstellen, die für das Gemeinwohl oder die wirtschaftliche Entwicklung einer Region als essenziell erachtet wird. Im Falle von Straßburg ist die Anbindung an München weit mehr als eine rein touristische Verbindung. Gilles Tellier, Direktor des Flughafens Straßburg, betonte in einer ersten Reaktion auf den Zuschlag, dass die Route eine Schlüsselrolle für die Mobilität der Parlamentarier des Europäischen Parlaments spielt. Straßburg beherbergt als einer der Hauptsitze der europäischen Legislative monatlich tausende Delegierte, Mitarbeiter und Interessenvertreter.
München fungiert hierbei als eines der bedeutendsten internationalen Luftfahrt-Drehkreuze in Mitteleuropa. Durch die Anbindung an den Flughafen Franz Josef Strauß erhalten Reisende aus dem Elsass Zugang zu hunderten Anschlussverbindungen nach Nordamerika, Asien und Osteuropa. Die territoriale Anbindung, die durch den neuen Vertrag mit Volotea gesichert wird, verhindert eine Isolation der Region und stärkt die Attraktivität Straßburgs als Standort für internationale Institutionen und exportorientierte Unternehmen.
Operative Details und Flugplanstruktur
Volotea wird den Flugbetrieb am 9. April 2026 aufnehmen. Der vorläufige Flugplan sieht zwei Rotationen pro Woche vor, die jeweils am Montag und am Donnerstag durchgeführt werden. Diese Taktung ist präzise auf die Anforderungen des Geschäftsreiseverkehrs abgestimmt. Während der Montag den Start in die Arbeitswoche ermöglicht, erlaubt der Donnerstag eine Rückkehr vor dem Wochenende oder, für touristische Zwecke, den Beginn eines verlängerten Wochenendaufenthalts. Als Fluggerät kommt ein Airbus A320 zum Einsatz, der über eine Standardkonfiguration von etwa 180 Sitzplätzen verfügt.
Die Wahl des Airbus A320 ist ein Indiz für das Vertrauen in die Auslastung der Strecke. In der Vergangenheit wurden Regionalverbindungen dieser Art oft mit kleineren Turboprop-Maschinen bedient. Volotea setzt jedoch auf Skaleneffekte innerhalb ihrer Flotte, die am Standort Straßburg fest verwurzelt ist. Die Basis in Straßburg umfasst derzeit zwei permanent stationierte Flugzeuge desselben Typs, was die betriebliche Zuverlässigkeit und die Wartungsabläufe erheblich vereinfacht. Durch die Stationierung vor Ort können Verspätungen minimiert werden, da die Besatzungen und das technische Personal direkt an der Basis ansässig sind.
Voloteas Expansion im französischen Markt
Der Gewinn der Ausschreibung fügt sich nahtlos in die Wachstumsstrategie von Volotea ein, die sich zunehmend als dominierende Kraft an französischen Regionalflughäfen positioniert. Für das Jahr 2026 hat das Unternehmen ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: Insgesamt sollen 950.000 Sitzplätze ab Straßburg angeboten werden. Mit aktuell 27 Destinationen in sieben Ländern deckt die Fluggesellschaft ein breites Spektrum ab, das von klassischen Urlaubszielen im Mittelmeerraum bis hin zu strategischen Städteverbindungen innerhalb Europas reicht.
Die Konzentration auf Nischenmärkte, die von den großen Netzwerk-Carriern oft vernachlässigt werden, hat Volotea zu einem wichtigen Partner für regionale Gebietskörperschaften gemacht. Der Vertrag über zwei Jahre bietet der Fluggesellschaft eine kalkulierbare Einnahmequelle und gleichzeitig die Möglichkeit, die Marke in Deutschland weiter bekannt zu machen. München ist für Volotea ein strategisch wichtiger Zielort, da der Flughafen über eine erstklassige Bahnanbindung und ein kaufkräftiges Einzugsgebiet verfügt, das auch für Reisende in Richtung Elsass von hohem Interesse ist.
Wirtschaftliche Impulse für das Elsass und Bayern
Die Wiederaufnahme der Verbindung wird voraussichtlich auch positive Effekte auf die bilaterale Wirtschaft zwischen dem Elsass und Bayern haben. Zahlreiche Unternehmen in der Region Oberrhein unterhalten enge Geschäftsbeziehungen zu Partnern im süddeutschen Raum. Ein Direktflug reduziert die Reisezeit im Vergleich zur Bahn oder dem Pkw erheblich, was die Effizienz für Dienstleistungssektoren und die Industrie steigert. Zudem wird erwartet, dass die Frequenzen im Laufe des Vertragszeitraums evaluiert werden. Sollte die Nachfrage die Kapazitäten des Airbus A320 regelmäßig übersteigen, besteht die Option, die Frequenzen zu erhöhen oder größere Flugzeugtypen einzusetzen.
Der öffentliche Dienstleistungsauftrag stellt sicher, dass die Flugpreise in einem vertretbaren Rahmen bleiben, da das unternehmerische Risiko teilweise durch die öffentliche Hand abgefedert wird. Dies ist ein entscheidender Faktor für die Kontinuität der Verbindung, die in der Vergangenheit oft durch schwankende Kerosinpreise oder wechselnde Marktbedingungen gefährdet war. Mit Volotea hat Straßburg nun einen Partner gefunden, der über die notwendige Flexibilität und die infrastrukturelle Basis verfügt, um diese wichtige Brücke dauerhaft zu besetzen.