Der österreichisch-deutsche Fernsehfilm „Single Bells“ aus dem Jahre 1997, welcher sich in der Alpenrepublik über die Jahre hinweg zu einem festen Bestandteil des alljährlichen Weihnachtsprogrammes entwickelt hat, wird als Bühnenstück adaptiert. Unter dem Titel „Single Bells – Wenn das der Papale noch seh’n könnt…“ bringt die JTH Jubel Trubel Heiterkeit GmbH (Julia Sobieszek und Thomas Tröbinger) die chaotischen Weihnachtsfeiertage der Familie Moor auf die Theaterbährne.
Die Inszenierung, welche ihre Premiere am 11. November 2025 im Theater Akzent in Wien erleben soll und anschliessend zahlreiche Aufführungen, unter anderem im Globe Wien, absolviren wird, verspricht eine werkgetreue Umsetzung des beliebten Stoffes, der mit bissigem Humor die Tücken des Festes der Liebe seziert.
Die Essenz des Weihnachtswahnsinns als Bühnenereignis
Die Geschichte des Filmes von Ulli und Xaver Schwarzenberger hat in Österreich einen Kultstatus erreicht, der oft mit demjenigen des deutschen Klassikers „Dinner for One“ verglichen wird. Die anhaltende Popularität rührt von der schonungslosen, aber treffsicheren Darstellung des Familien-Weihnachtswahnsinns her. Im Zentrum steht die erfolgreiche Werbefrau Kati, deren kurzfristiger Kinderwunsch und Heiratsantrag bei ihrem Freund Jonas auf Ablehnung stößt. Anstatt des geplanten Luxusurlaubes auf Mauritius sieht sich Kati gezwungen, Heiligabend bei ihrer Schwester Luiserl und deren Familie am Lande zu verbringen.
Dort treffen die gespannte Erwartung an ein idyllisches Fest und die harte Realität der Familienbande aufeinander. Luiserls Ehemann Hansi ist der leidtragende Mann im Haus, hin und her gerissen zwischen seiner Ehefrau, der nörgelnden Omama und der eleganten, egozentrischen Schwiegermutter Lilibet. Die Versuche der Omama, das Weihnachtsfest im Alleingang nach nostalgischen Vorstellungen zu gestalten, der verzweifelte Rückzug Luiserls in den Alkohol und Hansis Resignation („Eine Erniedrigung folgt der nächsten.“) sind nur einige der Höhepunkte der satirischen Komödie. Der Film zeichnet sich durch seine legendären Zitate aus, die in Österreich längst in den täglichen Sprachgebrauch übergegangen sind, und die gnadenlos die Diskrepanz zwischen festlicher Scheinwelt und innerfamiliärem Kleinkrieg entlarven.
Theater-Adaption und Starbesetzung
Für die Bühnenfassung „Single Bells – Wenn das der Papale noch seh’n könnt…“ zeichnet Matthias Bauer verantwortlich, der sowohl das Buch auf Grundlage des Original-Drehbuchs von Ulli Schwarzenberger adaptierte als auch die Regie übernimmt. Die Herausforderung besteht darin, die Pointen und die Situationskomik des Films in das Medium Theater zu übertragen, wobei die Vorlage selbst bereits eine stark dialoggetriebene Komödie darstellt.
Die Produktion hat für die Umsetzung namhafte Darsteller verpflichten können. In den Hauptrollen sind unter anderem Verena Scheitz als Lilibet und Kristina Sprenger als Luiserl zu sehen. Gregor Seberg schlüpft in die Rolle des geplagten Familienvaters Hansi. Bei einem Presseevent im Juli 2025 übergab der ursprüngliche Filmdarsteller des Vaters, Erwin Steinhauer, demonstrativ eine Säge an seinen Bühnennachfolger Seberg, womit die symbolische Staffelübergabe und die Verbundenheit zum Originalwerk unterstrichen wurde. Die Rolle der Omama, im Film unvergesslich verkörpert von der 2002 verstorbenen Inge Konradi, übernimmt Inge Maux. Sie betonte, die Figur nicht kopieren zu wollen, sondern ihr eine eigene Nuance zu verleihen. Julia Jelinek spielt die Hauptfigur Kati.

Die anhaltende Faszination des Stoffes
Der Film „Single Bells“ wurde erstmals am 20. Dezember 1997 im ORF ausgestrahlt und entwickelte sich schnell zum Quotenrenner. Die Kritiker lobten die bissige Satire, die den Festtagskonsum und die familiären Spannungen schonungslos auf die Schippe nahm. Die Fortsetzung „O Palmenbaum“ folgte im Jahre 2000. Der anhaltende Erfolg des Werkes wird häufig darin gesehen, daß es das Publikum in die Lage versetzt, sich mit den überzogenen, aber im Kern wiedererkennbaren Problemen der gezeigten Familie zu identifiziren.
Das Bühnenstück verspricht, alle bekannten Elemente des Filmgeschehens aufzugreifen: von der Suche nach dem Majoran, dem übermässigen Eierlikör-Konsum der Kinder, dem Karpfen in der Badewanne, dem verschwundenen „Ratz“ (der Ratte) bis hin zum brennenden Christbaum. Die Produzenten der JTH Jubel Trubel Heiterkeit GmbH zielen darauf ab, dem Publikum einen Abend des Lachens, des Kopfschüttelns und des Wiedererkennens zu bereiten. Die zahlreichen Vorstellungen, welche sich über die Weihnachtszeit der Jahre 2025 und 2026 erstrecken, unterstreichen das Vertrauen der Veranstalter in die Zugkraft des Kultklassikers als Live-Erlebnis.
Termine und Erwartungen
Nach der Premiere im Theater Akzent am 11. November 2025 folgten Vorstellungen im selben Haus sowie eine lange Serie von Auftritten im Globe Wien – Marx Halle. Die Termine sind bis in den Jänner 2026 und darüber hinaus in das Weihnachtsgeschäft 2026 angesetzt. Die Tatsache, daß bereits im Vorfeld der Premiere eine beträchtliche Anzahl von Eintrittskarten verkauft wurde, zeugt von der ungebrochenen Anziehungskraft des Themas und der prominenten Besetzung.
Das Stück ist als musikalische Theaterproduktion konzipiert, was eine weitere Dimension zum bekannten Filmstoff hinzufügt. Es bleibt abzuwarten, wie die Theaterfassung die Atmosphäre und den Witz des Originals auf der Bühne einfangen und das Publikum, welches die Vorlage oftmals auswendig kennt, begeistern wird.