Die europäische Luftfahrtbranche blickt auf ein turbulentes, aber für Billigfluggesellschaften überaus erfolgreiches Jahr 2025 zurück. In diesem Marktumfeld konnte Wizz Air seine Position durch eine massive Flottenexpansion und eine gezielte Optimierung der betrieblichen Abläufe festigen. Mit über 68 Millionen beförderten Passagieren und einer deutlichen Steigerung der Pünktlichkeit hat das Unternehmen das vergangene Kalenderjahr als Phase des Wachstums und der Konsolidierung abgeschlossen. Aus Österreich zieht man sich demnächst zurück.
Während die Fluggesellschaft international expandiert und Hunderte neue Strecken eröffnet hat, zeigt sich am Standort Österreich eine differenzierte Entwicklung, die von hohen operativen Standards, aber auch von strategischen Rückzügen geprägt ist. Für das Jahr 2026 plant die Konzernleitung eine weitere Beschleunigung des Wachstums in Mittel- und Osteuropa sowie die Erschließung bislang unterversorgter Märkte, um die Marke von 80 Millionen Reisenden zu erreichen.
Wachstumskurs und Flottenmodernisierung
Das Jahr 2025 markierte für Wizz Air einen Meilenstein in der Kapazitätserweiterung. Insgesamt wurden 42 neue Flugzeuge in Dienst gestellt, was die Gesamtzahl der Maschinen signifikant erhöhte und das Durchschnittsalter der Flotte weiter senkte. Diese Investitionen ermöglichten es der Fluggesellschaft, ihr Streckennetz um mehr als 320 neue Routen zu erweitern. Insgesamt führte das Unternehmen im vergangenen Jahr fast 335.000 Linienflüge durch. Die Passagiernachfrage stieg parallel dazu auf 68,6 Millionen Personen, was einem Zuwachs von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg war die Integration moderner Flugzeugtypen wie des Airbus A321neo und die Vorbereitung auf den Einsatz des A321XLR. Diese Modelle erlauben es der Airline, längere Strecken effizienter zu bedienen und somit neue Zielgebiete zu erschließen, die zuvor für klassische Billigflieger schwer erreichbar waren. Besonders im Fokus stehen dabei Verbindungen zwischen Westeuropa und den dynamisch wachsenden Märkten im Osten, wobei das Unternehmen bestrebt ist, seinen Vorsprung gegenüber Hauptkonkurrenten wie Ryanair in Osteuropa zu verteidigen.
Operative Exzellenz und Zuverlässigkeit im Fokus
Neben der reinen Expansion legte Wizz Air im Jahr 2025 einen Schwerpunkt auf die Verbesserung der operativen Zuverlässigkeit. Gezielte Initiativen in den Bereichen Wartung, Bodenabfertigung und Besatzungsplanung führten zu einer Abschlussrate von 99,61 Prozent. Damit belegt die Fluggesellschaft den zweiten Platz unter den großen europäischen Carriern in Bezug auf die Durchführung geplanter Flüge. Auch die Pünktlichkeit, gemessen an Abflügen und Ankünften innerhalb eines 15-Minuten-Fensters, verbesserte sich stetig. Mit einer Pünktlichkeitsrate von über 73 Prozent bei Abflügen und fast 78 Prozent bei Ankünften rangiert Wizz Air nun unter den zehn leistungsstärksten Airlines in Europa.
Diese Steigerung der Effizienz ist das Ergebnis umfassender Prozessoptimierungen in der Betriebskontrolle. Durch digitale Werkzeuge und eine verbesserte Koordination mit den Flughafendienstleistern konnten Verspätungsketten minimiert werden. Diese Stabilisierung des Flugbetriebs ist für das Geschäftsmodell essenziell, da eine hohe Flugzeugauslastung und kurze Bodenzeiten die Grundlage für die wettbewerbsfähige Preisgestaltung bilden.
Entwicklungen am österreichischen Markt
In Österreich blickt Wizz Air auf ein Jahr mit Licht und Schatten zurück. Die operative Leistung am Flughafen Wien-Schwechat war im Jahr 2025 überdurchschnittlich hoch. Von den insgesamt 9.214 durchgeführten Flügen konnten 99,56 Prozent planmäßig absolviert werden. Die Pünktlichkeit bei den Abflügen stieg um 13,5 Prozent auf 72,26 Prozent, während die Ankunftspünktlichkeit bei 76 Prozent lag. Insgesamt nutzten knapp zwei Millionen Passagiere das Angebot von Wizz Air von und nach Österreich.
Trotz dieser positiven operativen Kennzahlen sieht sich das Unternehmen am Standort Wien mit Herausforderungen konfrontiert. Hohe Standortkosten und regulatorische Rahmenbedingungen wie die Flugabgabe haben dazu geführt, dass Wizz Air – ähnlich wie Mitbewerber Ryanair – seine Kapazitäten in Wien für das kommende Jahr neu bewertet hat. Bei Wizz Air bedeutet das, dass man Ende März 2026 aus Wien raus sein wird und damit keinerlei reguläre Flüge von/nach Österreich mehr anbieten wird. Der Konkurrent Ryanair zieht aus Wien fünf von Malta Air betriebene Boeing 737 ab, so dass 14 Airbus A320 von Lauda Europe verbleiben. In Klagenfurt streicht man die Alicante-Strecke.
Strategische Ausrichtung für das Jahr 2026
Für das laufende Jahr 2026 hat die Konzernführung klare Ziele formuliert. Das Hauptaugenmerk liegt auf der weiteren Durchdringung der Kernmärkte in Mittel- und Osteuropa. Hier sieht das Unternehmen nach wie vor erhebliches Potenzial in Regionen, die durch den klassischen Linienverkehr unterversorgt sind. Durch die Eröffnung neuer Basen, wie zuletzt in Bratislava, Warschau oder Eriwan, will Wizz Air nicht nur die bestehende Nachfrage bedienen, sondern durch niedrige Einstiegspreise neue Reiseströme generieren. Die Basis in der slowakischen Hauptstadt ersetzt defacto jene, die man bislang in Wien hat. Aus Salzburg, wo man nie Flugzeuge stationiert hatte, hat man sich bereits zurückgezogen und im März 2026 soll der vorerst letzte Wizz-Flug in Wien starten. Anschließend ist Österreich aus der Streckennetzkarte des Billigfliegers getilgt.
Ein wichtiger Baustein der künftigen Strategie ist die Einführung neuer Langstreckenoptionen mit dem Airbus A321XLR. Erste Routen, etwa von London nach Saudi-Arabien, wurden bereits initiiert. Es gibt zudem Bestrebungen, durch die Beantragung von Verkehrsrechten für den transatlantischen Raum, künftig auch Ziele in Nordamerika wie Washington, Newark oder Toronto anzufliegen. Damit würde Wizz Air das traditionelle Billigflugsegment verlassen und in direkte Konkurrenz zu etablierten Netzwerk-Carriern auf der Langstrecke treten. Allerdings scheint die Strategie auch nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein, denn die XLR-Order wurde massiv reduziert und erst vor wenigen Tagen nochmals zurückgeschraubt.
Herausforderungen und wirtschaftliches Umfeld
Trotz der positiven Passagierentwicklung bleibt das wirtschaftliche Umfeld für Billigfluggesellschaften anspruchsvoll. Steigende Wartungskosten und die Notwendigkeit kontinuierlicher Flottenerneuerungen belasten die Bilanzen. Wizz Air meldete für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres zwar einen verringerten Nettoverlust, muss aber weiterhin an der Kosteneffizienz arbeiten, um die Profitabilität nachhaltig zu sichern. Der Wettbewerbsdruck, insbesondere durch Ryanair, zwingt das Unternehmen zu einer aggressiven Preispolitik bei gleichzeitiger Optimierung der Nebeneinnahmen durch Zusatzleistungen.