Die Ciao App, eine gemeinsame Entwicklung des Verkehrsverbunds Ost-Region (VOR), der Wiener Linien und der Wiener Lokalbahnen (WLB), festigt ihre Position als zentrales Instrument für den digitalen Fahrscheinkauf in Ostösterreich. Die im Februar 2025 gestartete Check-in/Check-out-Lösung hat kürzlich zwei bedeutende neue Funktionen erhalten, welche die Nutzung des öffentlichen Nah- und Regionalverkehrs im gesamten VOR-Kernverbundgebiet noch flexibler und benutzerfreundlicher gestalten. Neu ist die umfassende Hinterlegungsmöglichkeit fast aller VOR-Zeitkarten sowie die innovative Funktion „Zahlung durch Dritte“, die es Nutzern erlaubt, Mobilitätsguthaben für andere Personen bereitzustellen.
Die Ciao App steht für ein modernes, tagesbasiertes und transparentes Abrechnungsmodell. Statt Einzelfahrkarten am Schalter oder Automaten zu erwerben, genügt ein Klick zum Check-in beim Fahrtantritt und ein Klick zum Check-out am Ziel. Die App ermittelt im Anschluss automatisch den besten Tarif für den jeweiligen Tag, wobei mehrere Einzelfahrten automatisch zur günstigeren Tageskarte zusammengefasst werden. Mit den aktuellen Funktionserweiterungen unterstreichen die Betreiber ihre Absicht, die Komplexität der Tarifsysteme für die Fahrgäste weiter zu reduzieren und die Mobilität zwischen Wien, Niederösterreich und dem Burgenland zu vereinfachen.
Intelligentes Ticketing: Automatischer Bestpreis und umfassende Zeitkarten-Integration
Die Kernfunktionalität der Ciao App basiert auf dem Prinzip des Bestpreis-Modells, das den Fahrgästen verspricht, immer den günstigsten verfügbaren Tarif für die tatsächlich zurückgelegte Strecke zu verrechnen. Dies funktioniert durch die GPS- und Bluetooth-gestützte Erfassung der Fahrstrecke. Fahrgäste müssen sich keine Gedanken über Tarifzonen, Verbundgrenzen oder die Zusammenfassung von Einzelfahrten machen.
Volle Integration aller VOR-Zeitkarten
Ein wesentlicher Schritt zur Steigerung des Fahrgastkomforts ist die Erweiterung der Zeitkarten-Hinterlegung. Bereits seit dem Start im Februar 2025 konnten Fahrgäste Zeitkarten der Wiener Linien in der App speichern. Ab sofort ist diese Funktion auf nahezu alle im VOR gültigen Zeitkarten ausgeweitet worden. Dies umfasst Wochen-, Monats- und Jahresstreckenkarten sowie das VOR KlimaTicket. Ausgenommen von der digitalen Hinterlegung bleiben lediglich Tageskarten.
Diese Erweiterung ist besonders relevant für Pendler und Gelegenheitsfahrer, die regelmäßig Verbundgrenzen überschreiten. Beispielsweise wird für Inhaber einer Wiener Jahreskarte oder eines VOR KlimaTickets Region, die über ihren Geltungsbereich hinaus in andere VOR-Gebiete in Niederösterreich oder dem Burgenland fahren, nur der Teil der Fahrt berechnet, der nicht durch das bestehende Abonnement abgedeckt ist. Der automatische Abgleich mit der hinterlegten Zeitkarte eliminiert die Notwendigkeit, vor der Fahrt zusätzliche Zonen- oder Ergänzungstickets zu lösen. Die Geschäftsführer des VOR, Karin Zipperer und Alexander Schierhuber, betonen, dass diese Bündelung von Expertise „neue Maßstäbe im digitalen Ticketing“ setze.
Bundländerübergreifende Vereinfachung
Die Wiener Stadträtin für Mobilität, Ulli Sima, hob die Bedeutung dieser Entwicklung für das Reisen in der Ostregion hervor: „Die Ciao App ist ein wichtiger Schritt in Richtung Digitalisierung des Ticketsystems. Sie macht das bundesländerübergreifende Reisen in der Ostregion einfacher und zukunftsgerecht.“ Das VOR-Gebiet, das die Bundesländer Wien, Niederösterreich und das Burgenland umfasst, ist in seiner Größe und Komplexität einzigartig in Österreich, weshalb die Automatisierung der Tarifberechnung einen substanziellen Mehrwert für die tägliche Nutzung darstellt.
Soziale Komponente: Mobilitätsguthaben für Dritte
Die zweite große Neuerung ist die Funktion „Zahlung durch Dritte“, die eine innovative soziale und gemeinschaftliche Komponente in die Mobilitätsnutzung einführt. Diese Funktion ermöglicht es Nutzern mit einem Ciao-Konto, Mobilitätsguthaben für andere Personen bereitzustellen.
Niederösterreichs Verkehrslandesrat Udo Landbauer erklärte dazu, dass Eltern nun ihren Kindern oder Angehörigen ein definiertes Guthaben zur Verfügung stellen könnten, wodurch die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im gesamten VOR-Gebiet alltagstauglich unterstützt werde. Die Funktion ist jedoch nicht auf Familien beschränkt, sondern kann für Freunde, Bekannte oder Gäste genutzt werden.
Einfache Handhabung und transparente Abrechnung
Das Prinzip der Guthabenverwaltung ist denkbar einfach: Der Guthabengebende legt einen bestimmten Betrag sowie einen Zeitraum fest, in dem das Guthaben genutzt werden darf. Die empfangende Person, die ebenfalls ein Ciao-Profil besitzen muss, kann das Guthaben sofort für beliebige Fahrten innerhalb der Ostregion verwenden. Die Abrechnung der tatsächlich gefahrenen Strecken erfolgt weiterhin tagesbasiert und wird anschließend der Person in Rechnung gestellt, die das Guthaben bereitgestellt hat.
Burgenlands Verkehrslandesrat Heinrich Dorner hob ergänzend die bereits bestehende Gruppenfunktion hervor, bei der mit nur einem Account Tickets für bis zu zwölf Personen erworben werden können, und stellte fest: „Die Ciao App bietet neben ihrer Einfachheit eine Funktion, die den öffentlichen Verkehr noch familien- und gruppenfreundlicher macht.“
Die Verbindung zwischen den Konten lässt sich von beiden Parteien jederzeit trennen, selbst wenn das bereitgestellte Guthaben noch nicht vollständig aufgebraucht wurde, was eine hohe Flexibilität und Kontrolle gewährleistet.
Technologie und operative Abwicklung
Die Ciao App basiert auf der Check-in/Check-out-Technologie des Softwareentwicklers Mentz, dessen Lösungen bereits in anderen europäischen Verkehrsverbünden, wie in Nordrhein-Westfalen und in München (als MVVswipe), erfolgreich eingesetzt werden. Die App erfasst die Fahrtstrecke automatisch durch GPS-Daten sowie über Bluetooth in unterirdischen Bereichen, wie den Wiener U-Bahnen. Die automatische Erfassung der Fahrt sorgt dafür, dass sich der Fahrgast während des Umstiegs oder der Fahrt nicht mehr aktiv um den Ticketkauf kümmern muss.
Ein wesentliches Merkmal der operativen Abwicklung ist die Abrechnung im Nachhinein (post-paid), wodurch der Fahrgast beim Fahrtantritt lediglich das Smartphone und einen aktiven Check-in benötigt. Das hinterlegte Zahlungsmittel (Kredit- oder Debitkarte) wird erst nach Abschluss aller Fahrten und der Bestpreis-Berechnung belastet. Um die korrekte Ticketerfassung zu gewährleisten, ist es lediglich notwendig, den Check-in vor dem Passieren von Entwertersperren oder beim Einstieg in den Bus vorzunehmen. Eine automatische Erinnerungsfunktion soll den Fahrgast vor dem Vergessen des Check-outs bewahren, um fehlerhafte oder überhöhte Abrechnungen zu verhindern.
Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Ciao App, die ursprünglich mit der Unterstützung von Wiener Linien Zeitkarten startete und nun nahezu alle VOR-Tickets integriert, signalisiert die strategische Bedeutung des digitalen Ticketing für die Zukunft des öffentlichen Verkehrs in der Ostregion. Die App stellt damit ein wichtiges Instrument dar, um die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel über die Grenzen der einzelnen Bundesländer hinweg zu vereinfachen und das Angebot zukunftsgerecht zu gestalten.