Ein erneuter Ausbruch des Vulkans Ätna auf Sizilien sorgt mitten in der Sommerhochfahrzeit für erhebliche Beeinträchtigungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr. Seit Beginn der Eruptionsphase speit der mit über 3.300 Metern höchste aktive Vulkan Europas große Mengen Vulkanasche sowie glühendes Gestein aus.
Das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) registrierte mehrere aktive Schlote, darunter eine neu geöffnete Spalte auf rund 1.900 Metern Höhe sowie anhaltende Lavaströme. Wegen der dichten Aschewolken verhängten die Luftfahrtbehörden für die Region um den Flughafen Catania-Fontanarossa die höchste flugbetriebliche Warnstufe Rot.
Der Flugbetrieb am betriebsamen Inselflughafen Catania musste zeitweise fast vollständig eingestellt werden, da aufgewirbelte Aschepartikel erhebliche Risiken für die Triebwerke und Flugzeugsysteme darstellen. Über 200 Flüge wurden bis Mitte August gestrichen oder zu regionalen Flughäfen wie Palermo, Trapani oder Comiso umgeleitet. Am Boden bemühen sich Wartungsteams, die auf dem Rollfeld geparkten Maschinen mit Abdeckungen vor dem feinen Ascheregen zu schützen und die Start- und Landebahnen fortlaufend zu reinigen. Dennoch konnten über Tage hinweg nur vereinzelt Inlandsflüge abheben, während der Anflugverkehr weitgehend ausgesetzt blieb.
Die Unterbrechungen führen zu einer prekären Lage für schätzungsweise 30.000 betroffene Passagiere und Urlauber. Da Ausweichflüge sowie Bahnverbindungen zum italienischen Festland im August nahezu komplett ausgebucht sind, sitzen Tausende Reisende im Terminalgebiet oder in rasch organisierten Notunterkünften fest. Das Flughafenpersonal steht angesichts der Überlastung und kurzfristiger Flugplanänderungen unter starkem Druck. Reiseveranstalter und Fluggesellschaften organisieren schrittweise Ersatzbeförderungen, wobei Ausweichrouten über den Landweg erhebliche Zeitverzögerungen nach sich ziehen.
Vulkanologen überwachen die seismische Aktivität des Vulkans kontinuierlich, da die Dauer der Eruptionen und die Ausbreitung der Aschewolke stark von den wechselnden Windverhältnissen abhängen. Für die betroffenen Fluggesellschaften bedeuten die ständigen Fahrplananpassungen und Umleitungen hohe logistische und finanzielle Aufwände. Auch wenn der Betrieb stufenweise wieder aufgenommen wird, rechnen Branchenbeobachter noch über Tage hinweg mit Folgestörungen im europäischen Flugnetz, bis die aufgestauten Passagierströme abgearbeitet sind.