Erneute Eruptionen des Vulkanmassivs Ätna haben auf der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien erhebliche Beeinträchtigungen im zivilen Luftverkehr verursacht. Die Betreibergesellschaft SAC des Flughafens Catania-Fontanarossa sah sich am 26. September 2026 gezwungen, den gesamten Start- und Landebetrieb einzustellen.
Grund für diese Maßnahme war die anhaltende Emission von Vulkanasche in Kombination mit ungünstigen Windverhältnissen, welche die Flugsicherheit im süditalienischen Luftraum gefährdeten. Die Schließung betraf zentrale Luftraumsektoren und führte bei zahlreichen internationalen sowie nationalen Fluggesellschaften zu Stornierungen und Umleitungen. Von den Ausfällen waren Tausende Reisende betroffen, die teils auf Ausweichflughäfen umgeleitet oder auf Busverbindungen verwiesen werden mussten.
Schrittweise Einschränkungen und Schließung des Luftraums
Die betrieblichen Einschränkungen am Flughafen Catania begannen bereits vor der vollständigen Einstellung des Flugbetriebs. Zunächst reduzierte die Flugsicherung die Kapazität des Standorts schrittweise. Anstelle der üblichen zwölf Landungen pro Stunde wurden vorübergehend nur noch vier Anflüge genehmigt. Als sich die Aschewolke weiter dem Flughafengelände näherte, verschärfte die Betriebsleitung die Sicherheitsauflagen und verfügte schließlich einen kompletten Stopp aller Flugbewegungen.
Die Flughafengesellschaft SAC teilte mit, dass die Einstellung der Starts und Landungen am 26. September 2026 beschlossen wurde und zunächst bis zum 27. September 2026 um 12:00 Uhr Ortszeit aufrechterhalten bleibt. Im Rahmen dieser Sicherheitsmaßnahme wurden die Luftraumsektoren C1 und B3 für den zivilen Luftverkehr gesperrt. Die Koordinationsstelle des Flughafens begründete die Entscheidung mit der Notwendigkeit, Risiken für den Flugverkehr auszuschließen.
Flugumleitungen und organisatorische Reaktionen der Fluggesellschaften
Schon im Vorfeld der vollständigen Schließung wichen mehrere Fluggesellschaften auf alternative Ziele innerhalb Italiens aus. Nach Berichten italienischer Medien wurden mindestens zehn Flüge umgeleitet. Fünf dieser Verbindungen wurden zum Flughafen Palermo geleitet, drei Maschinen wichen nach Trapani aus, und zwei weitere Flüge landeten auf dem Flughafen Comiso.
Die Fluggesellschaft Aeroitalia verlegte ihre Verbindungen zwischen Rom und Catania vorübergehend nach Comiso, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Ein Transatlantikflug der US-amerikanischen Fluggesellschaft Delta Air Lines, der von New York nach Catania unterwegs war, wurde zum Flughafen Rom-Fiumicino umgeleitet. Durch diese Ausweichmaßnahmen konnte ein Teil der Passagiere sein Ziel mit Verzögerung erreichen, wenngleich erhebliche Umbuchungen und zusätzliche Bodentransporte erforderlich wurden.
Flugstreichungen und Auswirkungen auf den Passagierverkehr
Neben den Umleitungen führten mehrere Fluggesellschaften Annullierungen durch, da eine Ausweichlandung organisatorisch nicht durchführbar war. Die Fluggesellschaft KM Malta Airlines strich am 26. September 2026 die Flüge KM642 von Malta nach Catania sowie KM643 in der Gegenrichtung. Als Grund nannte das Unternehmen die behördlichen Einschränkungen am Zielflughafen.
Auch die belgische Fluggesellschaft Brussels Airlines sagte ihre für den 26. September 2026 angesetzte Verbindung zwischen Catania und Brüssel ab. Nach Angaben des Unternehmens waren davon etwa 140 Passagiere betroffen, deren Rückreise sich bis zum 27. September 2026 oder 28. September 2026 verzögerte. Eine weitere Maschine von Brussels Airlines wurde nach Palermo umgeleitet, von wo aus die Passagiere mit Bussen nach Catania weiterbefördert wurden. Ein ähnliches Verfahren wandte die Fluggesellschaft TUI fly Belgium an, deren Flug ebenfalls über Palermo umgeleitet wurde.
Vulkanologische Befunde und technische Risiken durch Vulkanasche
Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie Italiens (INGV) dokumentierte den Ausbruch am nordöstlichen Krater des Ätna. Die Eruptionssäule erreichte eine Höhe von etwa vier Kilometern über dem Meeresspiegel. Die Aschewolke bewegte sich aufgrund der vorherrschenden Windströmungen in südliche Richtung auf den Flughafen Catania zu. Als Reaktion auf die anhaltenden Ascheemissionen gaben die Geowissenschaftler eine Warnmeldung der höchsten Stufe (Volcano Observatory Notice for Aviation, VONA Rot) heraus.
Vulkanasche stellt für die Luftfahrt eine ernste Gefahr dar. Die Partikel bestehen aus feinem Gestein und Glasfragmenten, die bei den hohen Betriebstemperaturen im Inneren von Düsentriebwerken schmelzen können. Bei der anschließenden Abkühlung lagern sich diese Rückstände an den Turbinenschaufeln ab, was zu Triebwerksausfällen oder verringerter Leistung führen kann. Zudem können die abrasiven Partikel die Sichtscheiben des Cockpits beschädigen und die Instrumente zur Luftdruck- und Geschwindigkeitsmessung verstopfen. Aus diesen Gründen gelten bei Ascheflug strenge Sicherheitsvorgaben.
Perspektiven für die Wiederaufnahme des Flugbetriebs
Die Wiederaufnahme des regulären Flugbetriebs hängt von der weiteren Entwicklung der vulkanischen Aktivität, der Windrichtung sowie der Freigabe des Luftraums ab. Selbst nach einer behördlichen Öffnung des Flughafens benötigen die Fluggesellschaften zusätzliche Zeit, um Flugzeuge und Besatzungen neu zu positionieren und den durch die Schließung unterbrochenen Flugplan schrittweise wieder zu normalisieren.
Die wiederholten Beeinträchtigungen im Sommer 2026 Verdeutlichen die Anfälligkeit der Verkehrsinfrastruktur auf Sizilien gegenüber Naturereignissen. Da der Ätna zu den aktivsten Vulkanen Europas gehört, stellen witterungsbedingte Ascheverwehungen das regionale Behören und Fluggesellschaften regelmäßig vor logistische Herausforderungen bei der Abwicklung des Personenverkehrs.