Im Herzen des Waldviertels, einer Region, die oft als „österreichisch Sibirien“ bezeichnet wurde, spannen sich eiserne Bänder, die von einer längst vergangenen Zeit künden. Die Waldviertler Schmalspurbahnen, einstmals die Lebensadern für eine landwirtschaftlich geprägte und entlegene Region, haben eine bewegte Geschichte hinter sich, die von Aufschwung und Niedergang, von wirtschaftlicher Notwendigkeit und leidenschaftlicher Bewahrung erzählt.
Ihre Geschichte ist ein Spiegelbild der technologischen Entwicklung und des Wandels in der Gesellschaft, beginnend mit dem Bahnbau im späten 19. Jahrhundert, über die wechselnden Betreiber von den Niederösterreichischen Landesbahnen bis zu den Österreichischen Bundesbahnen, bis hin zur heutigen Renaissance als rollendes Museum unter der Obhut des Landes Niederösterreich.
Einst waren Dampflokomotiven die einzige Möglichkeit, um Züge in Bewegung zu bringen und zu halten. Über viele Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts war diese Technologie das Rückgrat bei den meisten Eisenbahngesellschaften, aber mittlerweile sind die Nachfolger Diesel und Elektro omnipräsent und die vergleichsweise extrem seltenen Dampftraktionen ein wahrer Hingucker geworden.
Die Waldviertler Schmalspurbahnen haben eine äußerst langjährige und bewegte Geschichte. Es handelt sich auch um die letzten Routen, auf denen die Österreichischen Bundesbahnen planmäßig mit Dampflokomotiven bespannte Züge im regulären Verkehr eingesetzt hat. Das ist jedoch schon lange Geschichte, denn die ÖBB haben sich aus dem Betrieb und Besitz derartiger Nebenbahnen in Niederösterreich komplett zurückgezogen. Das Land Niederösterreich ist über die NÖVOG Betreiber und Infrastrukturbesitzer geworden. Wäre die öffentliche Hand nicht eingesprungen, so hätte den Waldviertler Schmalspurbahnen wohl jenes Schicksal, das beispielsweise von der Bregenzerwaldbahn bekannt ist, geblüht: Komplette Stilllegung und Abbau von Schienen und sonstiger Infrastruktur.

Waldviertelbahn (Foto: Jan Gruber). 
Jausenwagen (Foto: Jan Gruber). 
Waldviertelbahn (Foto: Jan Gruber). 
Bahnhof der Waldviertelbahn in Gmünd (Foto: Jan Gruber). 
während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
Toilette (Foto: Jan Gruber). 
Toilette (Foto: Jan Gruber). 
Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber).
ÖBB wollten nicht mehr, Land Niederösterreich sprang ein
Unter dem Dach der dem Land Niederösterreich gehörenden NÖVOG werden einige Eisenbahnstrecken, die einst reguläre Routen der Österreichischen Bundesbahnen waren, geführt. Leider – mit wenigen Ausnahmen – nicht mehr als regulärer, in Verkehrsverbünde integrierte, Linien, sondern als touristische Bahnstrecken. Das ist auch der Grund dafür, dass zum Beispiel auf der Waldviertler Schmalspurstrecke von Gmünd nach Groß Geras sowie Litschau an ausgewählten Tagen so genannte Nostalgiefahrten mit Dampflokomotiven angeboten werden. Klimatickets, Monatskarten des Verkehrsverbund Ostregion und so weiter sind nicht gültig. Ein eigener Fahrschein, der online, an den Schaltern der Waldviertelbahn sowie direkt bei den Zugbegleitern erhältlich sind, ist erforderlich. Gmünd-Groß Gerungs-Gmünd kostet unter Dampf 36 Euro pro erwachsener Person. Es gibt für bestimmte Personengruppen wie Kinder und Pensionisten Vergünstigungen.
Ein Familienausflug mit den Dampfzügen der Waldviertelbahn ist also nicht gerade günstig, aber man muss der Fairness halber entgegenhalten, dass Erhalt und Betrieb der historischen Dampflokomotiven ausgesprochen kostenintensiv ist. Die Betriebsstunde ist um etwa das 4,5-fache teurer als jene eines Schmalspur-Dieseltriebwagens. Das liegt – sehr vereinfacht dargestellt – daran, dass es erheblich mehr Wartung und Pflege, Vorbereitung auf die Fahrten, Personal und Betriebsmaterialien wie Kohle und Wasser bedarf. Während bei einem Dieseltriebwagen zumeist nur der Zündschlüssel umgedreht werden muss, ist es bei Dampflokomotiven notwendig, dass diese mehrere Stunden vor dem Einsatz vorgeheizt werden müssen. Und nach der Fahrt? Einfach Abstellen ist nicht möglich.
Der Aufwand, den die NÖVOG betreibt damit die Nostalgie-Fahrten unter Dampf überhaupt durchgeführt werden können, ist enorm. Zum Beispiel wurde die 125-jährige „Mh. 1“ per LKW nach Meiningen in Deutschland gebracht und bekam dort ein Rundum-Service. Die Hauptuntersuchung ist sehr zeitintensiv, da die nostalgische Dampflok (Baujahr 1906) dabei in ihre Einzelteile zerlegt wird, um alle Bestandteile hinsichtlich Sicherheit überprüfen zu können. Vor dem neuerlichen Zusammenbau der Mh.1 wurden die Rauch- und Heizrohre, die Feuerbox und die Lager ausgetauscht sowie das Fahrwerk und der Tender aufgearbeitet. Das „Service“ wurde erst heuer durchgeführt und die Mh. 1 steht erst seit 1. Juni 2025 wieder im Dienst. Angesichts des 125-jährigen Jubiläums hat man die Dampflokomotive auch optisch in besten Zustand versetzt.

Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
Kohletender (Foto: Jan Gruber). 
Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber). 
Lokomotive Mh. 1 während der Fahrt (Foto: Jan Gruber).
Nostalgie-Erlebnis pur
Geboten wird den Fahrgästen so einiges, denn Fahrten mit dampfbespannten Zügen sind mittlerweile eine Seltenheit. Dazu kommen die historischen Waggons, die früher auf diesen Routen ab Gmünd im regulären Liniendienst gestanden haben. Modernisiert wurden diese nur sehr behutsam, so dass der historische Charme erhalten geblieben ist. All dies macht eine Fahrt mit den Dampfzügen der Waldviertelbahn zu einem besonderen Erlebnis. Für das leibliche Wohl sorgt der so genannte „Jausenwagen“, wo kleine Snacks, Getränke und Andenken zu moderaten Preisen gekauft werden können.
Während der Fahrt von Gmünd nach Groß Gerungs (und zurück) gibt es an im Fahrplan gekennzeichneten Haltestellen die Möglichkeit so einiges zu erleben. Sei es Fotos vom Zug machen oder aber Ausstellungen (kleine Eisenbahnmuseen) zu besichtigen. Auch kann beobachtet werden wie der Dampflokomotive Wasser nachgefüllt wird. Das ist aus betrieblichen Gründen notwendig. Wenn gerade Zeit ist, stehen Lokführer und Heizer besonders in Gmünd und Groß Gerungs gerne persönlich für Fragen zur Verfügung. Auch kann man diesen bei kleineren Wartungsaufgaben wie beispielsweise Schmierung der Antriebsstangen zuschauen.
Im Zug selbst ist ein omnipräsenter Schaffner immer für die Fahrgäste da, aber ermahnt diese auch, wenn Sicherheitsregeln nicht eingehalten werden. Ein besonderes Auge hat man darauf, dass das Rauchverbot, das auch auf den offenen Plattformen gilt, ausnahmslos eingehalten wird. Dies hängt auch mit Waldbrandgefahr zusammen.

Waldviertelbahn (Foto: Jan Gruber). 
Eigentümer-Schild (Foto: Jan Gruber). 
Jausenwagen (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Heizhaus in Groß Gerungs (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Waggon (Foto: Jan Gruber). 
offener Übergang (Foto: Jan Gruber). 
Waldviertelbahn (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber).
Fazit: Klare Empfehlung für ein besonderes Erlebnis
Die Fahrt mit den Dampfzügen der NÖVOG-Waldviertelbahn ist in jedem Fall ein besonderes Erlebnis. Auch für Passanten ist der Zug ein wahrer Hingucker, denn so gut wie jeder bleibt stehen und beobachtet fasziniert den vorbeifahrenden Zug. Es wird gewunken, freudig gegrüßt und offensichtlich ist jeder stolz darauf, dass es diesen Dampfzug überhaupt noch gibt. Das ist definitiv nicht selbstverständlich, denn wäre das Land Niederösterreich nicht eingesprungen, hätten die ÖBB die Schmalspurbahnen mit hoher Wahrscheinlichkeit endgültig dicht gemacht und abgebaut. Dieses Risiko war sehr real und ein Beispiel wie nicht mit historischem Eisenbahnerbe umgegangen werden sollte, findet sich zum Beispiel auf der nicht mehr existierenden Bregenzerwaldbahn. Das ist nur eines von vielen, vielen Beispielen – allein in Österreich.
Die NÖVOG bietet neben dem Dampfzug, der in der Sommerzeit jeweils am ersten und dritten Samstag des Monats von Gmünd nach Groß Gerungs (und zurück) und am ersten und dritten Sonntag des Monats von Gmünd nach Litschau (und zurück) angeboten wird, auch preiswertere Alternativen an. Zum Beispiel den historischen dieselbespannten Zug sowie die Dieseltriebwägen. Es bedarf wohl keiner Rede, dass diese dem Dampfzug nicht das Wasser reichen können, aber diese tragen die Hauptlast des touristischen Verkehrs. Wer sich die wenigen Dampf-Ausfahrten nicht entgehen lassen möchte, sollte möglichst rasch reservieren, denn die Nachfrage ist enorm hoch und nicht gerade wenige Menschen reisen von sehr weit an, um ein einziges Mal unter Dampf mit der Waldviertelbahn fahren zu können.
Alles in allem bietet die NÖVOG ein tolles Erlebnis, das generationsübergreifend für Faszination sorgt, an. Es handelt sich um originale historische Lokomotiven und Waggons und selbstverständlich werden die alten Dampfrösser mit Kohle befeuert. Der einzige Kritikpunkt ist, dass das Angebot im Jausenwagerl hinsichtlich Auswahl und Qualität optimiert werden könnte. Dass es die NÖVOG wesentlich besser und authentischer kann, zeigt sie sogar und zwar im Heurigenwagen des Reblaus-Express, der ab Retz verkehrt. Aber: Gehört die selbstgemachte Jause nicht auch zu einem Ausflug mit einem dampfbespannten Zug? Früher gab es auf Nebenstrecken sowieso keine Speisewägen und schon allein aus Kostengründen hatte man seine eigene Jause dabei…
Wer noch nie etwas von der Waldviertelbahn gehört hat, kann sich nachstehend über deren Geschichte und besonderes eine ausgewählte historische Dampflokomotive, die mit ihren mittlerweile 125 Jahren noch immer im aktiven Dienst steht und erst im Jahr 2025 generalüberholt wurde, um die nächsten 125 Jahre angehen zu können.
Die Anfänge: Eine Bahngesellschaft für das Waldviertel
Die Geschichte der Waldviertler Schmalspurbahnen beginnt im Jahr 1898 mit der Erteilung der Konzession für den Bau und Betrieb der Strecke Gmünd – Litschau und der Abzweigung nach Heidenreichstein. Federführend bei diesem Projekt war die Niederösterreichische Waldviertelbahn Aktiengesellschaft (N.Ö. Waldviertelbahn AG), eine private Gesellschaft, die sich der Erschließung der Region verschrieben hatte. Im selben Jahr wurde auch die Konzession für die Strecke von Gmünd nach Groß Gerungs erteilt. Diese Bahnen wurden mit einer Spurweite von 760 Millimetern, der sogenannten bosnischen Spur, errichtet, da diese eine kostengünstigere Trassenführung in der topographisch anspruchsvollen Landschaft ermöglichte.
Die Eröffnungen der einzelnen Streckenabschnitte zwischen 1898 und 1903 markierten einen Wendepunkt für das Waldviertel. Die Bahnlinien wurden zu einem entscheidenden Faktor für die lokale Wirtschaft, indem sie den Transport von Holz, Granit, landwirtschaftlichen Erzeugnissen und den Produkten der aufstrebenden Textil- und Glasindustrie erheblich erleichterten. Die Niederösterreichische Waldviertelbahn AG betrieb die Strecken in den ersten Jahren mit eigenen Lokomotiven und Waggons und trug maßgeblich zum Aufschwung der Dörfer und Städte entlang der Trassen bei.

Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber). 
Waggons (Foto: Jan Gruber). 
Waggons (Foto: Jan Gruber). 
Fahrgastraum (Foto: Jan Gruber). 
Fahrgastraum (Foto: Jan Gruber). 
Dampflokomotive Mh. 1 (Foto: Jan Gruber).
Verstaatlichung und der Wandel unter den Niederösterreichischen Landesbahnen
Im Jahr 1907 wurden die Strecken der Niederösterreichischen Waldviertelbahn AG mitsamt den Fahrzeugen von den Niederösterreichischen Landesbahnen (NÖLB) übernommen. Dieser Schritt war Teil einer umfassenderen Verstaatlichungspolitik, die darauf abzielte, die Kontrolle über die regionalen Eisenbahnnetze zu zentralisieren und die Wirtschaft im ganzen Bundesland zu fördern. Unter der Ägide der NÖLB erlebten die Waldviertler Schmalspurbahnen eine Periode der Stabilität und des Wachstums. Die Strecken wurden weiter ausgebaut, und die Bahnen spielten eine entscheidende Rolle im Personen- und Güterverkehr der Region.
Dieser Zustand währte jedoch nicht ewig. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall der Donaumonarchie wurden die Niederösterreichischen Landesbahnen im Jahr 1921 aufgelöst und deren Strecken, so auch die Waldviertler Schmalspurbahnen, wurden von der neu gegründeten Österreichischen Bundesbahnen (BBÖ) übernommen, die später in die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) umbenannt wurden.
Der lange Niedergang unter den Österreichischen Bundesbahnen
Unter der Verwaltung der ÖBB setzte zunächst der reguläre Betrieb fort, doch die Vorzeichen des Wandels waren bereits erkennbar. Ab den 1960er Jahren machten die zunehmende Motorisierung und der Ausbau des Straßennetzes den Schmalspurbahnen zunehmend zu schaffen. Die langsameren Schienenverbindungen konnten mit dem Komfort und der Geschwindigkeit des Individualverkehrs nicht mehr mithalten. Dies führte zu einem stetigen Rückgang der Passagierzahlen und des Güteraufkommens, was die Wirtschaftlichkeit der Strecken in Frage stellte.
Die Gründe für die Einstellung des Betriebes waren vielschichtig. Zum einen war die Infrastruktur der Schmalspurbahnen, die zum Teil noch aus der Gründerzeit stammte, stark sanierungsbedürftig. Hohe Investitionen in die Gleise, Brücken und Bahnhöfe wären notwendig gewesen, um einen modernen Betrieb aufrechtzuerhalten. Zum anderen waren die Betriebskosten der Schmalspurbahnen im Vergleich zum sinkenden Aufkommen zu hoch. Die ÖBB, die zunehmend unter wirtschaftlichem Druck standen, sahen sich gezwungen, unrentable Strecken stillzulegen. Trotz des Widerstandes der lokalen Bevölkerung und von Eisenbahnfreunden fielen immer mehr Abschnitte dem Rotstift zum Opfer. Der reguläre Betrieb wurde schrittweise reduziert und schließlich im Jahr 2001 vollständig eingestellt. Die Ära der Waldviertler Schmalspurbahnen schien zu Ende zu sein.
Eine neue Aufgabe: Wiedergeburt als touristisches Erbe
Das drohende Ende der Waldviertler Schmalspurbahnen rief das Land Niederösterreich auf den Plan. Im Bewusstsein des unschätzbaren kulturellen und touristischen Wertes der Bahnen, die ein lebendiges Denkmal der regionalen Industriegeschichte darstellten, wurde beschlossen, die Strecken zu retten. Im Jahr 2001 übernahm die Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖVOG) die Verantwortung für die historischen Bahnen. Die Strecken Gmünd – Litschau und Gmünd – Groß Gerungs wurden revitalisiert und als touristische Museumsstrecken wieder in Betrieb genommen.
Die Übernahme durch das Land Niederösterreich war ein Meilenstein in der Geschichte der Waldviertler Schmalspurbahnen. Aus einem unrentablen Transportmittel wurden die Bahnen zu einem lebendigen Kultur- und Tourismusprojekt. Die Züge, oft von historischen Dampf- und Diesellokomotiven gezogen, bieten den Fahrgästen heute eine authentische Zeitreise durch die malerische Landschaft des Waldviertels. Sie sind nicht mehr primär für den Transport von Gütern und Pendlern da, sondern dienen der Erholung und dem Erleben. Sie tragen zur regionalen Wertschöpfung bei, indem sie Touristen anziehen und die lokale Gastronomie und Hotellerie beleben.
Die Königin der Schmalspur: Die Geschichte der Dampflokomotive Mh1
Im Herzen der Waldviertler Schmalspurbahnen schlägt das historische Herz der Dampflokomotive Mh1. Die Mh1, eine sogenannte Heissdampflokomotive, wurde 1906 von der Lokomotivfabrik Krauss in Linz gebaut und war ursprünglich für die anspruchsvolle Bergstrecke der Mariazellerbahn konzipiert. Sie gehört zur Baureihe Mh, die für ihre Stärke und Zuverlässigkeit bekannt war. Mit ihrer Leistung von über 400 PS konnte sie auch schwere Züge über steile Streckenabschnitte befördern.
Nachdem die Mariazellerbahn elektrifiziert wurde, fand die Mh1 ihren Weg auf andere Schmalspurstrecken, darunter auch ins Waldviertel. Dort war sie jahrzehntelang im regulären Einsatz, bevor sie in den 1970er Jahren ausgemustert und zur Verschrottung vorgesehen wurde. Doch dank des unermüdlichen Engagements von Eisenbahnfreunden, insbesondere des Vereins „Nostalgiebahnen in Kärnten“, konnte die Mh1 gerettet und in den 1980er Jahren restauriert werden. Sie wurde zu einem gefragten Gast auf Museumsbahnen in ganz Österreich. Seit 2011 ist sie wieder im Waldviertel beheimatet, wo sie nach einer umfassenden Kesselsanierung die historischen Züge über die Gleise zieht. Die majestätische Dampflokomotive ist zu einem unverwechselbaren Markenzeichen der Waldviertelbahn geworden und verkörpert die Leidenschaft und den Einsatz, die es brauchte, um dieses Kulturgut für die Nachwelt zu erhalten.
Die Waldviertler Schmalspurbahnen sind heute ein lebendiges Zeugnis der Vergangenheit, das die Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart schlägt. Eine Fahrt auf den schmalen Gleisen ist mehr als eine Bahnfahrt; es ist eine Reise in die Geschichte einer Region, die durch die Bahn erst ihren Weg in die moderne Zeit gefunden hat.