Walsh: “Wizz Air im Umgang mit Gewerkschaften aggressiver als Ryanair”

Willie Walsh (Foto: IATA).
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Walsh: “Wizz Air im Umgang mit Gewerkschaften aggressiver als Ryanair”

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IATA-Chef Willie Walsh sieht den Fokus vieler EU-Staaten auf die Eisenbahn kritisch, denn seiner Meinung nach müssten „Millionen Kilometer Bahnstrecken neu verlegt werden“. Er geht davon aus, dass dies zu Protesten führen würde.

Im Gespräch mit der Luzerner Zeitung weist der ehemalige IAG-Generaldirektor darauf hin, dass die Bahn einen „enormen Landverschleiß“ verursachen würde und nur dann sauber ist, „wenn sie mit grünem Strom betrieben wird“. Die Realität ist aber, dass weltweit gesehen die überwiegende Mehrheit des Eisenbahnverkehrs mit Dieselmotoren unterwegs ist und auch in europäischen Ländern haben diese oftmals keine Partikelfilter. Bei Elektrolokomotiven wird oftmals aus Kohlekraft gewonnener Strom genutzt, so dass es lediglich zu einer örtlichen Verschiebung des Kohlenstoffdioxis-Ausstoßes kommt. Insofern ist die Aussage des Willie Walsh, dass die Bahn nur dann grün ist, wenn die notwendige Energie aus „grünen Quellen“ (beispielsweise: Wasser- oder Windkraft) stammt, korrekt.

Der IATA-Präsident ist der Ansicht, dass ein Verbot von Kurzstreckenflügen innerhalb Europas dazu führen würde, dass „Hunderttausende, wenn nicht Millionen Kilometer Bahnstrecken neu verlegt“ werden müssen. Er rechnet damit, dass solche Bauvorhaben so Protesten in der Bevölkerung führen würden.

„Wizz Air ist aggressiver im Umgang mit Gewerkschaften als Ryanair“

Konfrontiert damit, dass manche Fluggesellschaften Flüge nach Palma de Mallorca unter 20 Euro verkaufen würden, antwortete der Manager gegenüber der Luzerner Zeitung, dass man so Nachfrage generieren würde. Weiters: „Aber viele Airlines, die solche Tickets anbieten, sind sehr profitabel. Es gibt sowieso kaum je nur einen Preis für einen Flug. Unter dem Strich war die Deregulierung der Aviatik in Europa aus Sicht der Konsumenten äußerst positiv. Nehmen Sie Michael O’Leary, meinen irischen Landsmann und Chef von Ryanair. Er gab Menschen Zugang zu Reisen, die früher keinen hatten.“

Die Fluggesellschaft Ryanair nahm Walsh anschließend regelrecht in Schutz und behauptet, dass Michael O’Leary „seine Meinung zu Gewerkschaften geändert habe“. Möglicherweise wäre dies auch „durch externen Druck“ geschehen. „Wizz Air ist beispielsweise viel aggressiver im Umgang mit Gewerkschaften als Ryanair“, so der IATA-Chef gegenüber der Luzerner Zeitung. Generell rechnet er aber mit steigenden Ticketpreisen, denn die SAF-Treibstoffe wären teurer als das herkömmliche Kerosin.

Als BA-Chef hätte Walsh die Impfpflicht eingeführt

Wenig überraschend übt Willie Walsh gegenüber der Luzerner Zeitung abermals Kritik an den Reiseregeln der 27 EU-Staaten. Die Regierungen hätten ihre Chance den Vorteil der Mitgliedschaft in der Europäischen Union aufzuzeigen völlig vergeigt. „Das ist meine grösste Enttäuschung. Nach dem Brexit hoffte ich, dass die EU diese Chance nutzen würde, um zu zeigen, welchen Nutzen sie haben kann mit einheitlichen Reiseregeln. Aber sie hat es nicht geschafft. Es gab 27 unterschiedliche Regeln“, so der Manager.

Auch fordert Willie Walsh die Abschaffung von Coronatests, die im Zuge der Einreise vorgezeigt werden müssen. Man sollte sich klar und deutlich auf Impfungen fokussieren. „Und Omikron scheint deutlich weniger schädlich zu sein als Delta“, so der IATA-Präsident gegenüber der Luzerner Zeitung.

Darauf angesprochen, ob Flüge, die ausschließlich Geimpfte nutzen dürfen, die Lösung des Problems wären, winkte der Manager ab: „Noch immer gibt es Länder, die zu wenig Impfstoffe haben. Aber man könnte unterschiedliche Regeln einführen. Dass Ungeimpfte sich weiterhin testen lassen müssen vor einem Flug“.

Zur Einführung einer Impfpflicht für das fliegende Personal wollte er als IATA-Vorstand keine klare Empfehlung aussprechen. Dies müssten die Fluggesellschaften selbst entscheiden, aber wenn er noch an der Spitze der IAG bzw. British Airways stehen würde, hätte er sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eingeführt, sagte Walsh gegenüber der Luzerner Zeitung.

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Amely Mizzi ist Executive Assistant bei Aviation Direct Malta in San Pawl il-Baħar. Zuvor war sie im Bereich Aircraft and Vessel Financing bei einem Bankkonzern tätig. Sie gilt als sprachliches Talent und spricht sieben Sprachen fließend. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in Österreich auf der Schipiste und im Sommer an Mittelmeerstränden quasi vor der Haustür auf Gozo.

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