Die traditionell vom Wintersport geprägten französischen Alpenregionen bauen ihr Angebot für die Sommermonate gezielt aus.
Vor dem Hintergrund sich verändernder Reisebedürfnisse und saisonaler Nachfrageschwankungen setzen Destinationen wie Les Menuires und Pralognan-la-Vanoise im Departement Savoie auf eine Diversifizierung ihrer Outdoor-Aktivitäten. Das Spektrum reicht von der Erweiterung des Mountainbike-Streckennetzes bis hin zu geführten Hochgebirgswanderungen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Auslastung der touristischen Infrastruktur auch außerhalb der schneereichen Monate zu sichern und neue Zielgruppen wie Familien sowie Aktivsportler anzusprechen.
In Les Menuires, Teil des umfangreichen Skigebiets Les Trois Vallées, liegt der Schwerpunkt der Sommeraktivitäten auf dem Ausbau des Radsportangebots. Neben drei neuen Downhill-Strecken und einer Technikzone in Val Thorens werden E-Mountainbike-Routen angeboten, die sportliche Betätigung mit regionaler Kultur und Naturkunde verbinden. Zudem spricht die Region Rennradfahrer mit der Befahrung des Col de Tougnète an, der mit knapp 2.000 Höhenmetern zu den anspruchsvollen Passstraßen Frankreichs zählt. Ergänzend sollen gestaffelte Tarife für die Nutzung der Bergbahnen und betreute Jugendprogramme die Attraktivität für Familien erhöhen.
Das weiter südöstlich im Tarentaise-Tal gelegene Bergdorf Pralognan-la-Vanoise nutzt dagegen seine Lage am Rande des Nationalparks Vanoise für klassische Bergsportangebote. Der Ort, der das Gütesiegel „Terre d’Alpinisme“ trägt, fokussiert sich auf traditionelles Gletscherwandern und Alpinismus. Angebote wie geführte Zweitages-Touren zur 3.212 Meter hohen Pointe de la Réchasse richten sich auch an Einsteiger ab zehn Jahren, die unter Anleitung von Bergführern Erste Erfahrungen im Hochgebirge sammeln. Als zentraler Stützpunkt dient dabei die bereits 1902 errichtete Schutzhütte Refuge du Col de la Vanoise, die nach Modernisierungsarbeiten als Ausgangspunkt für Touren im Massiv der Grande Casse genutzt wird.
Branchenbeobachter werten die Transformation klassischer Wintersportorte zu Ganzjahresdestinationen als wirtschaftliche Notwendigkeit, da der Sommertourismus in den Mittel- und Hochgebirgen zunimmt. Dennoch bleibt der Sommerbetrieb mit betriebswirtschaftlichen Herausforderungen verbunden, da die Erlöse pro Gast in der Regel unter den Einnahmen der Wintersaison liegen. Die Aufrechterhaltung von Seilbahnanlagen, Wegenetzen und Sicherheitsinfrastrukturen erfordert auch im Sommer erhebliche Investitionen der Gemeinden und Betreibergesellschaften.