Die Dominanz der Billigfluggesellschaften am Wiener Flughafen bröckelt. Nach der Ankündigung des Ryanair-Konkurrenten Wizz Air, seine Basis in Wien komplett zu schließen und alle fünf dort stationierten Flugzeuge abzuziehen, hat nun auch Ryanair eine drastische Reduzierung seiner Kapazitäten bekanntgegeben. Die Fluggesellschaft wird drei ihrer 19 in Wien stationierten Flugzeuge abziehen, was den Wegfall von rund 100 Arbeitsplätzen zur Folge hat.
Als Hauptgründe für den Rückzug nennen beide Airlines die „exorbitante“ österreichische Luftverkehrssteuer in Höhe von zwölf Euro pro Passagier sowie deutlich gestiegene Flughafen- und Abfertigungsgebühren. Die Entscheidungen der Fluggesellschaften verdeutlichen den hohen Kostendruck im europäischen Luftverkehr und haben eine Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Wien ausgelöst.
Die Gründe für den Rückzug: Steuern und Gebühren
Die Ankündigung von Ryanair, drei Flugzeuge von der Basis Wien abzuziehen, bestätigt einen Trend, der sich bereits mit der Entscheidung von Wizz Air abzeichnete. Beide Airlines begründen ihren Schritt mit den hohen Kosten am Flughafen Wien. Die österreichische Luftverkehrssteuer von zwölf Euro pro Passagier sei, so Ryanair, „exorbitant“ und mache im Durchschnitt rund ein Drittel der bei den Airlines anfallenden Kosten pro Passagier aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in Europa und den stark wachsenden Luftfahrtmärkten in Asien und dem Nahen Osten, die solche Zusatzbelastungen nicht kennen, sei dies ein entscheidender Wettbewerbsnachteil.
Der Flughafen Wien selbst, der die Entscheidungen der Fluggesellschaften bedauert, sieht darin einen weiteren Beleg für die Notwendigkeit, die staatliche Flugabgabe abzuschaffen oder zumindest zu reduzieren. Um den Fluggesellschaften entgegenzukommen, kündigte der Flughafen an, seine Entgelte zum 1. Januar 2026 um bis zu fünf Prozent zu senken. Trotz dieser Reduktion und der Tatsache, daß die Entgelte durchschnittlich dem Niveau von 2015 entsprechen, scheinen die von den Airlines genannten zusätzlichen Belastungen ausschlaggebend zu sein.
Der Rückzug von Wizz Air, die ihre Basis in Wien komplett schließen, und die Kapazitätsreduktion von Ryanair werden die Passagierentwicklung am Flughafen Wien im Jahr 2026 negativ beeinflussen. Der Flughafen versucht, die negativen Auswirkungen durch ein Effizienzsteigerungs- und Kostensenkungsprogramm abzufedern.
Ein verlustreicher Kampf um Marktanteile
Die beiden Billigfluggesellschaften Ryanair und Wizz Air kamen 2018 nach Wien, um die Marktlücke zu füllen, die durch die Insolvenz der Air-Berlin-Tochter Niki entstanden war. Ryanair übernahm dazu die von Niki Lauda gegründete Nachfolge-Airline Laudamotion. Aus dieser ist Lauda Europe mit maltesischer Lizenz hervorgegangen. Was folgte, war ein verlustreicher und aggressiver Kampf um Marktanteile, der den Passagieren zeitweise sehr günstige Tickets bescherte.
Dieser Kampf führte zu einem Überangebot an Sitzplätzen auf vielen Strecken und drückte die Ticketpreise auf ein Niveau, das für die Fluggesellschaften kaum profitabel war. Die Strategie war darauf ausgelegt, die Konkurrenz aus dem Markt zu drängen und sich eine dominierende Stellung zu sichern. Die hohen Steuern und Gebühren in Wien, kombiniert mit den internen Verlusten durch den Preiskampf, haben die Profitabilität der Wiener Basen beider Fluggesellschaften nun offenbar unhaltbar gemacht.
Auswirkungen auf Passagiere und den Standort Wien
Die Reduzierung der Kapazitäten und die Einstellung von Strecken werden sich direkt auf die Passagiere auswirken. Ryanair stellt im Winterflugplan 2025/26 die Verbindungen nach Billund, Santander und Tallinn komplett ein. Auch andere Strecken werden ausgedünnt, was die Auswahl für Reisende einschränken und möglicherweise zu höheren Ticketpreisen auf den verbleibenden Strecken führen könnte.
Für den Wirtschaftsstandort Wien sind die Entscheidungen von Ryanair und Wizz Air eine schlechte Nachricht. Die Luftfahrtindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftsmotor, und der Abzug von Arbeitsplätzen und Flugzeugen schwächt die Position des Flughafens. Während der Flughafen Wien die Ankündigung von Austrian Airlines begrüßt, ihre Kapazitäten im Sommer 2026 um mindestens zwei Kurzstreckenflugzeuge zu erweitern, können diese zusätzlichen Kapazitäten den Rückzug der Billigfluggesellschaften kaum kompensieren. Die Entwicklung zeigt, daß staatliche Abgaben und hohe Flughafengebühren in einem globalisierten und hart umkämpften Markt entscheidende Standortfaktoren sind. Der Flughafen Wien und die österreichische Politik stehen nun vor der Herausforderung, die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu sichern, um eine weitere Abwanderung von Fluggesellschaften zu verhindern.