Die Deutsche Lufthansa AG und die Flughafen München GmbH haben die konkreten Planungen für ein umfassendes Ausbauprojekt am zweitgrößten deutschen Drehkreuz aufgenommen. Im Mittelpunkt der Vorhaben steht eine bauliche Ergänzung des bestehenden Terminal 2 sowie dessen Satellitengebäudes durch ein Bauwerk, das unter der Bezeichnung T-Stiel geführt wird.
Ziel des gemeinsamen Unterfangens ist die Erhöhung der jährlichen Passagierkapazität um bis zu zehn Millionen Fluggäste bei einer angestrebten Fertigstellung im Jahr 2035. Die geschätzten Investitionskosten belaufen sich auf rund zwei Milliarden Euro. Neben dem Gebäudeausbau ist die Stationierung von mindestens zehn weiteren Langstreckenflugzeugen der Lufthansa am Standort München vorgesehen. Die Verantwortlichen betonen, dass das Vorhaben im Rahmen des bestehenden Start- und Landesystems ohne die Errichtung einer dritten Startbahn umgesetzt werden soll.
Hintergründe der Partnerschaft und historische Entwicklung der Infrastruktur
Die Basis für die geplante Baumaßnahme bildet die seit dem Jahr 2003 bestehende Kooperation zwischen dem Flughafenbetreiber und der Fluggesellschaft. In Form eines Gemeinschaftsunternehmens halten die Flughafen München GmbH 60 Prozent und die Lufthansa 40 Prozent der Anteile am Betrieb des Terminal 2. Diese Form der direkten Beteiligung einer Fluggesellschaft an einem Flughafenterminal gilt in der europäischen Luftfahrtbranche als seltenes Modell. Im Jahr 2016 wurde die Anlage bereits durch ein Satellitengebäude ergänzt, das die Abfertigungskapazitäten erheblich erweiterte.
Erste Überlegungen für eine weitergehende Vergrößerung der Gebäudeinfrastruktur existierten bereits vor dem Jahr 2020. Die weltweiten Verwerfungen im Luftverkehr infolge der Corona-Pandemie führten jedoch zu einer vorübergehenden Aussetzung aller diesbezüglichen Planungen. Mit der im Frühjahr 2026 beschlossenen Verlängerung der Partnerschaftsverträge bis zum Jahr 2056 wurden die Voraussetzungen geschaffen, das Vorhaben erneut aufzugreifen und in die Detailplanung zu überführen.
Architektonische Konzeption und bauliche Einbindung des T-Stiels
Das geplante Bauwerk soll im rechten Winkel im östlichen Bereich an das bestehende Satellitengebäude angebunden werden. Durch diese Anordnung entsteht in der Aufsicht eine T-förmige Struktur, die dem Projekt seinen Namen gibt. Die Länge des Anbaus wird mit etwa 550 Metern beziffert. Nach der Fertigstellung stehen zusätzliche Abstell- und Abfertigungspositionen für wahlweise 12 Großraumflugzeuge oder 22 kleinere Maschinen zur Verfügung.
Die Anbindung der Passagiere an das Hauptgebäude von Terminal 2 erfolgt ausschließlich über das bereits existierende unterirdische, fahrerlose Transportsystem, welches das Terminal mit dem Satellitengebäude verbindet. Der Neubau ist primär auf die Bedürfnisse von Umsteigepassagieren im internationalen Flugverkehr ausgelegt. Vorgesehen sind neben zusätzlichen Flugsteigen auch neue Gastronomiebereiche und Aufenthaltszonen für Reisende.
Wirtschaftliche Aspekte, Beschäftigung und Flottenaufbau
Die angegebene Summe von zwei Milliarden Euro stellt eine vorläufige Kostenschätzung dar, da eine detaillierte Ausführungsplanung und Ausschreibung erst im weiteren Verlauf der Projektentwicklung erfolgen. Die Finanzierung soll durch das gemeinsame Tochterunternehmen von Flughafen und Lufthansa getragen werden.
Nach Angaben der Unternehmensführungen bringt die Erweiterung auch Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt mit sich. Es wird prognostiziert, dass durch den Betrieb der neuen Terminalinfrastruktur im Endausbau zwischen 8.000 und 9.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen könnten. Diese Zahl umfasst Tätigkeiten im Bodenabfertigungsdienst, in der Fluggastbetreuung, der Gastronomie sowie im Sicherheitsbereich.
Parallel zur baulichen Infrastruktur plant die Lufthansa den Ausbau ihrer in München stationierten Flugzeugflotte. Mindestens zehn zusätzliche Langstreckenmaschinen sollen am Standort beheimatet werden, um von Bayern aus neue Überseeziele anzusteuern und bestehende Verbindungen zu verdichten.
Entwicklung des Luftverkehrs und Branchenkontext
Die Entscheidung zur Kapazitätserweiterung fällt in eine Phase, in der die Luftfahrtbranche europaweit eine Erholung des Passagieraufkommens verzeichnet, während das Vor-Pandemie-Niveau in allen Teilbereichen noch nicht vollständig wiedererreicht wurde. Daten der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol verdeutlichen diesen Trend. Während im Jahr 2018 für das Jahr 2024 noch knapp 13 Millionen Flugbewegungen in Europa prognostiziert worden waren, lag die tatsächliche Zahl im Jahr 2024 bei etwa 11,1 Millionen Starts und Landungen.
Dennoch rechnen Branchenverbände und Flughafenbetreiber langfristig mit einer weiter steigenden Nachfrage im interkontinentalen Reiseverkehr. Das Münchner Ausbauprojekt reiht sich in eine Serie von Infrastrukturmaßnahmen an deutschen Luftverkehrsknotenpunkten ein. Bereits im Frühjahr 2026 wurde am Flughafen München ein Erweiterungsbau an Terminal 1 für sechs Millionen Passagiere in Betrieb genommen. Am Flughafen Frankfurt öffnete das Terminal 3 mit einer rechnerischen Kapazität für bis zu 19 Millionen Fluggäste.
Im Jahr 2025 verzeichnete der Flughafen München ein Gesamtaufkommen von gut 43 Millionen Passagieren. Der Abstand zum Branchenführer Frankfurt, der rund 20 Millionen Passagiere mehr abfertigte, blieb damit beträchtlich. Die geplante Zusatzkapazität von zehn Millionen Passagieren in München entspricht in ihrem Umfang etwa dem gesamten Jahresaufkommen des Flughafens Stuttgart im Jahr 2025.
Rahmenbedingungen, Anwohnerinteressen und kritische Würdigung
Ein zentraler Aspekt der Planungen betrifft die Nutzung des bestehenden Bahnsystems. Die Geschäftsführung der Flughafen München GmbH stellte heraus, dass der Ausbau des Terminals 2 ohne die Realisierung einer dritten Start- und Landebahn erfolgen kann. Für den Bau einer dritten Startbahn gilt in den umliegenden Gemeinden sowie auf politischer Ebene ein Moratorium, das von dem aktuellen Vorhaben unberührt bleibt. Die vorhandenen zwei Start- und Landebahnen sollen nach Einschätzung der Betreiber ausreichen, um das prognostizierte zusätzliche Verkehrsaufkommen abzuwickeln.
In den Umlandgemeinden und in Fachkreisen stößt das Projekt auf aufmerksame Beobachtung. Kritische Stimmen hinterfragen die Verlässlichkeit der langfristigen Wachstumsprognosen bis zum Jahr 2035 und verweisen auf die veränderten Rahmenbedingungen im globalen Reiseverkehr. Zudem wird auf bestehende Herausforderungen in der landseitigen Anbindung hingewiesen, beispielsweise bei der Zuverlässigkeit der Schienenanbindung des Flughafens an das regionale Nahverkehrsnetz sowie bei den Abfertigungszeiten der Gepäckinfrastruktur.
Der Erfolg der Milliardeninvestition wird im wesentlichen davon abhängen, ob die erwartete Steigerung der internationalen Umsteigerströme tatsächlich eintritt und wie flexibel der Standort München auf wirtschaftliche Schwankungen im globalen Markt reagieren kann.