Die Flughafen Bremen GmbH befindet sich in einer angespannten wirtschaftlichen Lage, die nach internen Analysen bei ausbleibenden Gegenmaßnahmen mittelfristig in ein Insolvenzverfahren münden könnte.
Wie aus Berichten des Regionalsenders Buten un Binnen hervorgeht, hat die von der Betreibergesellschaft beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bereits im Juni 2026 vor drohenden Liquiditätsengpässen gewarnt. Im negativsten der im Aufsichtsrat erörterten Szenarien zeichne sich eine Zahlungsunfähigkeit bis Mitte 2027 ab. Als Hauptursachen für das strukturelle Defizit, das nach Angaben aus dem Aufsichtsrat die Marke von 13 Millionen Euro überschritten hat, gelten eine Kombination aus rückläufigen Fluggastzahlen, gestiegenen behördlichen Abgaben und Entgelten, anziehenden Personalkosten sowie einer schwachen Konjunktur im regionalen Umfeld. Zur Konsolidierung der Finanzen berät das Gremium über strukturelle Sparmaßnahmen, organisatorische Anpassungen sowie die Berufung einer externen Interims-Geschäftsführung.
Analyse der finanziellen Kennzahlen und strukturelle Ursachen
Die wirtschaftlichen Probleme des Hansestadt-Airports bilden sich seit längerer Zeit in den Bilanzen des Unternehmens ab. Während der Flughafen im Jahr 2019 noch mehr als 2,5 Millionen Passagiere verzeichnete, lag das Passagieraufkommen in den Folgejahren deutlich unter diesem Niveau. Zwar erholte sich der internationale Flugverkehr nach den Jahren der Pandemie stellenweise, doch der Standort Bremen verzeichnet im Vergleich zu anderen deutschen Regionalflughäfen eine schleppende Rückkehr der Streckenkapazitäten.
Das strukturelle Defizit beläuft sich nach internen Schätzungen auf über 13 Millionen Euro pro Jahr. Für diesen Fehlbetrag machen die Verantwortlichen verschiedene externe Rahmenbedingungen verantwortlich. Auf der Einnahmenseite wiegt der Rückzug wichtiger Verbindungen schwer. Insbesondere die Einstellung der traditionsreichen Zubringerstrecke nach Frankfurt am Main durch die Deutsche Lufthansa AG im Herbst 2023 traf den Standort empfindlich, da dadurch ein bedeutender Teil des Umsteigerverkehrs und der geschäftlich veranlassten Reisen wegfiel.
Parallel dazu sind die Standortkosten im deutschen Luftverkehr stark angestiegen. Erhöhungen der nationalen Luftverkehrsteuer sowie steigende Gebühren für die Luftsicherheitskontrollen verteuern die Abfertigung an deutschen Verkehrsflughäfen im internationalen Vergleich. Hinzu kommen gestiegene Aufwendungen für Energie und Material sowie Personalkostensteigerungen infolge jüngster Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst und im Luftfahrtsektor.
Geltendes Beihilferecht und Handlungsspielraum der Freien Hansestadt Bremen
Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Europäischen Union schränken die Möglichkeiten der öffentlichen Hand ein, den Verlust der Betreibergesellschaft direkt aus dem Landeshaushalt auszugleichen. Nach den EU-Leitlinien für staatliche Beihilfen an Flughäfen und Luftverkehrsgesellschaften ist eine dauerhafte Betriebskostenförderung für Regionalflughäfen dieser Größenordnung grundsätzlich untersagt. Zuschüsse müssen strengen Auflagen genügen und dürfen nicht zu Marktverzerrungen im europäischen Wettbewerb führen.
Kai Stührenberg, zuständiger Staatsrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft, bestätigte auf Anfrage des Senders die angespannten wirtschaftlichen Verhältnisse, verwies jedoch auf das laufende Verfahren und verzichtete auf die Nennung einzelner Detailzahlen. Das Land Bremen steht vor der Herausforderung, den Flughafen als Teil der regionalen Verkehrsinfrastruktur zu erhalten, ohne gegen das europäische Beihilferecht zu verstoßen. Ein einfacher Verlustausgleich durch Steuermittel ist vor diesem Hintergrund rechtlich unzulässig.
Das Konsolidierungsprogramm BreStart und bisherige Sparmaßnahmen
Um der drohenden Zahlungsunfähigkeit entgegenzuwirken, hat die Flughafengesellschaft bereits vor mehreren Monaten das interne Restrukturierungsprogramm BreStart ins Leben gerufen. Nach Angaben von Staatsrat Stührenberg konnten über dieses Programm bisher rund 4,1 Millionen Euro an jährlichen Kosten eingespart werden. Weitere Maßnahmen wurden durch die Gremien beschlossen oder befinden sich in der Umsetzung.
Zu den Bausteinen der Konsolidierung gehört der Verkauf von nicht betriebsnotwendigen Grundstücksflächen auf dem Areal des Flughafens. Zudem wird geprüft, ob die Organisation der Luftsicherheitskontrollen, die derzeit im Aufgabenbereich des Bundes liegt, künftig in die Eigenregie des Landes Bremen überführt werden kann, um Effizienzreserven zu heben.
In Bezug auf das Personal umfasst die Flughafengesellschaft derzeit rund 500 Beschäftigte. Direkte betriebsbedingte Kündigungen seien nach Aussage Stührenbergs im aktuellen Stadium zwar nicht vorgesehen, frei werdende Stellen würden jedoch nicht mehr automatisch nachbesetzt, sondern im Einzelfall auf ihre betriebliche Notwendigkeit geprüft. Im Aufsichtsrat wird zudem diskutiert, Teilbereiche der Abfertigung oder der Infrastruktur an externe Dienstleister auszulagern, um die Fixkostenbasis dauerhaft zu senken.
Optionen für die künftige Unternehmensstruktur und Verhandlungen
In den Beratungen des Aufsichtsrats nimmt die künftige Führung und Struktur der Gesellschaft breiten Raum ein. Die Berufung eines externen Interims-Geschäftsführers wird erwogen, um die Umsetzung des Sparprogramms unparteiisch und mit der notwendigen Konsequenz voranzutreiben.
Innerhalb des Aufsichtsrats wird eine Insolvenz in Eigenregie inzwischen als eine denkbare Option gehandelt. Ein solches Sanierungsverfahren nach dem Insolvenzrecht würde dem Unternehmen die Möglichkeit bieten, sich unter gerichtlicher Aufsicht von belastenden Altverträgen zu lösen, Personalkosten strukturell anzupassen und den Betrieb ohne Unterbrechung fortzuführen. Befürworter eines solchen Schrittes sehen darin ein Instrument, um die Handlungsfähigkeit des Standorts langfristig wiederherzustellen.
Gleichzeitig setzt die Leitung des Flughafens auf Gespräche mit der Fluggesellschaft Lufthansa, um eine Wiederaufnahme der Zubringerverbindung nach Frankfurt zu erreichen. Eine Anbindung an das Drehkreuz Frankfurt gilt als wesentliche Voraussetzung, um die Auslastung der Terminals zu steigern und für Geschäftskunden der Region Attraktivität zurückzugewinnen. Ob und unter welchen wirtschaftlichen Bedingungen eine Rückkehr der Linie realisierbar ist, bleibt angesichts der bundesweiten Kapazitätsüberprüfungen der Fluggesellschaften unklar.