Extremwetterereignisse haben in der Nacht auf Dienstag den Flugverkehr im Osten Österreichs weitgehend zum Erliegen gebracht. Infolge von gefrierendem Regen bildete sich auf den Start- und Landebahnen sowie den Rollwegen des Flughafens Wien-Schwechat eine massive Eisschicht, die einen sicheren Flugbetrieb unmöglich machte. Aus Sicherheitsgründen musste der Flughafenbetreiber den Betrieb in den Morgenstunden vorübergehend komplett einstellen. Die Sperre führte zu weitreichenden logistischen Herausforderungen in der gesamten Region.
Zahlreiche Langstreckenverbindungen und europäische Zubringerflüge konnten ihr Ziel nicht erreichen und mussten auf Ausweichflughäfen in Deutschland, Italien und Südösterreich umgeleitet werden. Besonders betroffen war der Flughafen Graz, der aufgrund seiner geografischen Lage und technischen Ausstattung als primärer Ausweichhafen fungierte und infolgedessen einen außergewöhnlichen Zuwachs an Großraumflugzeugen verzeichnete. Erst gegen Mittag konnte der Winterdienst in Wien die Flächen so weit präparieren, dass der Betrieb sukzessive wieder hochgefahren werden konnte, wenngleich Verspätungen und Folgestörungen den gesamten Tag prägten.
Herausfordernde Logistik am Ausweichflughafen Graz
Während am Wiener Flughafen der Winterdienst seit den Nachtstunden im Dauereinsatz stand, um die dicke Eisschicht mit schwerem Gerät und Enteisungsmitteln zu bekämpfen, herrschte am Flughafen Graz Hochbetrieb. Insgesamt sieben Maschinen, die ursprünglich für Wien geplant waren, setzten auf der Grazer Landebahn auf. Darunter befanden sich Flugzeugtypen, die im regulären Grazer Flugplan selten anzutreffen sind. Besonders hervorzuheben sind eine Boeing 767 der Austrian Airlines aus Washington sowie eine Boeing 787 Dreamliner aus Bangkok. Auch Maschinen aus Dubai, Barcelona, Athen, Sharjah und Bristol wichen nach Graz aus.
Die plötzliche Ankunft hunderter Fluggäste erforderte schnelle Entscheidungen der jeweiligen Fluggesellschaften und der Flughafenbehörden. Wolfgang Grimus, Geschäftsführer des Flughafens Graz, und Sprecherin Doris Pölt erläuterten die unterschiedlichen Herangehensweisen der Airlines. Während die Passagiere der Austrian Airlines die Flugzeuge verließen und mit eilig organisierten Bussen nach Wien weitertransportiert wurden, entschied sich die taiwanische Fluggesellschaft EVA Air dazu, ihre Fluggäste an Bord zu behalten. Rund 300 Passagiere mussten so mehrere Stunden im Flugzeug ausharren, bis der Wiener Flughafen die Freigabe erteilte und die Maschinen schließlich zur letzten kurzen Etappe ihrer Reise abheben konnten.
Meteorologische Ursachen für das Verkehrschaos
Hinter dem Phänomen des Blitzeises, das den Wiener Flughafen lahmlegte, steckt eine spezifische Wetterkonstellation. Meteorologen beschreiben den Vorgang als gefrierenden Regen, bei dem milde Luftmassen in mittleren Höhen von 1.000 bis 2.000 Metern über eine bodennahe Kaltluftschicht gleiten. Der Niederschlag taut in der warmen Schicht auf und wird zu Regen, der jedoch beim Auftreffen auf den gefrorenen Boden innerhalb von Sekundenbruchteilen gefriert. Dieser Prozess führt zur Bildung einer spiegelglatten Oberfläche, die herkömmliche Streumittel oft wirkungslos macht und spezialisierte chemische Enteisungsmittel erfordert.
Obwohl Graz von der extremen Glatteisbildung verschont blieb, betont die Flughafenleitung, dass man auf solche Szenarien vorbereitet sei. Die Mitarbeiter befinden sich bei entsprechenden Wetterprognosen in permanenter Rufbereitschaft, um Rollfelder zu räumen und Flugzeuge vor dem Start zu enteisen. Die Sicherheit im Flugverkehr genießt hierbei oberste Priorität, weshalb Sperren wie in Wien als unvermeidbare Präventivmaßnahme gelten, sobald die Bodenhaftung für die Fahrwerke nicht mehr garantiert werden kann.
Auswirkungen auf den Schienenverkehr und die ÖBB
Nicht nur der Luftverkehr war von der Wetterlage betroffen, auch der Schienenverkehr kämpfte mit den Auswirkungen der Vereisung. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sahen sich gezwungen, eine Reisewarnung für Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg aufrechtzuerhalten. Während die Schienenwege in der Steiermark weitgehend eisfrei blieben, führten Störungen in den nördlichen Bundesländern zu massiven Verspätungen im gesamten Netz.
Besonders Verbindungen von Linz oder Salzburg nach Graz waren von Verspätungen betroffen, da vereiste Oberleitungen oder Weichenstörungen in den Knotenpunkten den Taktverkehr unterbrachen. In der ÖBB-App wurden zeitweise auch Zugausfälle zwischen Wien und Graz gemeldet. Die Bundesbahnen baten die Fahrgäste, nicht dringende Reisen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Erst mit dem einsetzenden Tauwetter am Dienstagnachmittag entspannte sich die Lage auf den Schienen allmählich wieder.
Rückkehr zum Normalbetrieb und operative Nachsorge
Nach der Wiederaufnahme des Flugbetriebs am Flughafen Wien gegen 11:00 Uhr dauerte es noch mehrere Stunden, bis sich die Flugpläne stabilisierten. Die Flugzeuge, die in Graz und anderen Städten zwischengelandet waren, mussten nach und nach in den fließenden Verkehr integriert werden. Da viele Besatzungen durch die Umleitungen ihre gesetzlich vorgeschriebenen Dienstzeiten erreichten oder überschritten, kam es zu zusätzlichen Personalengpässen und weiteren Verspätungen bei nachfolgenden Flügen.
Die Betreiber der Flughäfen Wien und Graz ziehen aus den Ereignissen eine gemischte Bilanz. Einerseits konnte durch die schnelle Sperre und die professionelle Abwicklung der Umleitungen jegliche Gefahr für Passagiere und Gerät vermieden werden. Andererseits verdeutlicht der Vorfall die Sensibilität moderner Verkehrsinfrastruktur gegenüber plötzlichen meteorologischen Umschwüngen. Die Kooperation zwischen den Flughäfen funktionierte reibungslos, was als Beleg für die Wirksamkeit der regionalen Notfallpläne gewertet wird. Für die kommenden Tage bleibt die Lage aufgrund schwankender Temperaturen angespannt, doch die Einsatzteams an den Standorten bleiben in erhöhter Alarmbereitschaft.