Boeing 767 (Foto: Jan Gruber).
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Wie eine Frau ohne Ticket von New York nach Paris flog

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Ein Vorfall von besonderer Brisanz erschütterte Ende November 2024 den internationalen Luftverkehr: Einer Frau gelang es, ohne Flugticket und Ausweispapiere an Bord eines Delta-Air-Lines-Fluges von New York nach Paris zu gelangen.

Die russische Staatsbürgerin und in den Vereinigten Staaten lebende Svetlana Dali nutzte offenbar das erhöhte Passagieraufkommen während der Thanksgiving-Reisezeit, um unbemerkt mehrere Sicherheitskontrollen am John-F.-Kennedy-Flughafen (JFK) zu umgehen. Der Fall wirft ernste Fragen zur Flughafensicherheit und den Kontrollmechanismen im internationalen Luftverkehr auf.

Durch Lücke im System an Bord gelangt

Am 26. November 2024 näherte sich Dali zunächst einer normalen Sicherheitskontrolle, wurde jedoch abgewiesen, da sie keine gültigen Reisedokumente vorweisen konnte. Wenige Minuten später kehrte sie zurück und nutzte eine Kontrollspur für Flugpersonal. Laut Angaben der zuständigen Sicherheitskräfte schloß sie sich einer Gruppe von Air-Europa-Mitarbeitern an, die offenbar keinen Verdacht schöpften. Sie passierte die Sicherheitslinie, ohne erneut kontrolliert zu werden.

Sobald sie Zugang zum Sicherheitsbereich erhalten hatte, begab sich Dali zu einem Gate, an dem ein Delta-Flug nach Paris abgefertigt wurde. Dort stellte sie sich zu einer grösseren Reisegruppe – vermutlich einer Familie – und gelangte so, ohne ein Ticket vorzuzeigen, in das Flugzeug.

Auffälliges Verhalten an Bord

Während des Fluges fiel Dali durch ihr Verhalten auf. Mitglieder der Kabinenbesatzung bemerkten, daß sie sich wiederholt in den Toiletten aufhielt und zwischen diesen hin- und herwechselte. Nach Rücksprache mit dem Flugkapitän entschied man sich, die Behörden am Zielflughafen Charles-de-Gaulle in Paris zu informieren.

Nach der Landung wurden die Passagiere angewiesen, auf ihren Plätzen zu bleiben. Französische Sicherheitskräfte betraten die Maschine und nahmen Dali fest. Nach ersten Ermittlungen stellte sich heraus, daß die Frau weder über ein Flugticket noch über einen Reisepaß verfügte. Es folgte eine erste Vernehmung in Paris, ehe man die Rückführung in die Vereinigten Staaten plante.

Rückflug mit Hindernissen

Die Rückführung Dalis in die USA verlief nicht reibungslos. Sie wurde an Bord einer Passagiermaschine gesetzt, mußte das Flugzeug jedoch wieder verlassen, da sie sich auffällig und unkooperativ verhielt. Ein späterer Rückflug gelang schliesslich, und Dali wurde in New York erneut festgenommen.

Vor einem US-amerikanischen Bundesgericht räumte sie ein, wissentlich und absichtlich ohne gültige Unterlagen gereist zu sein. Laut Angaben der Anklagebehörde drohen ihr bis zu fünf Jahre Haft. Das Gericht ordnete zudem eine psychiatrische Begutachtung an, da Dali in der Vergangenheit mehrfach durch verwirrende Aussagen aufgefallen sei. Unter anderem habe sie behauptet, in Hotels vergiftet und von Geheimdiensten verfolgt worden zu sein.

Behörden reagieren mit Nachdruck

Delta Air Lines äußerte sich zum Vorfall und sprach von einer „unerklärlichen Abweichung“ von den Sicherheitsverfahren. Man arbeite eng mit den Behörden zusammen, um die Vorgänge aufzuklären und Lehren daraus zu ziehen. Die Transportsicherheitsbehörde TSA teilte mit, daß dieser Fall sehr ernst genommen werde. Es handle sich um einen äußerst seltenen Vorfall, gerade angesichts der Tatsache, daß täglich Millionen von Passagieren die Flughafenkontrollen durchlaufen.

Experten bemängeln jedoch, daß sich Passagiergruppen oder Uniformen offenbar leicht zum Umgehen von Kontrollen nutzen liessen. Gerade in Reisezeiten mit erhöhtem Passagieraufkommen – wie etwa Thanksgiving – bestehe die Gefahr, daß Kontrollmechanismen zu stark belastet würden.

Eine Serie von Zwischenfällen?

Der Vorfall ist nicht der erste seiner Art. Bereits im Dezember desselben Jahres versuchte eine andere Frau, ohne Ticket von Seattle nach Honolulu zu gelangen. Sie wurde jedoch noch vor dem Start entdeckt. Dennoch wurde dieselbe Person wenige Tage später erneut am Flughafen aufgegriffen, als sie dort angeblich ihre Schwester abholen wollte – auch diesmal ohne gültige Unterlagen.

Derartige Vorfälle bleiben zwar Einzelfälle, zeigen jedoch auf, daß Sicherheitsmaßnahmen – trotz hochtechnisierter Kontrollsysteme – menschliche Schwächen nicht vollständig ausschalten können. Die Sicherheitsbehörden kündigten an, künftig besonders auf die Authentizität von Crew-Zugängen und Gruppenreisen zu achten.

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