Die globale Luftfahrtindustrie verzeichnet eine bedeutende Rückkehr auf der Langstrecke: China Southern Airlines wird ab Ende März 2026 die direkte Flugverbindung zwischen dem Flughafen Peking-Daxing und dem Flughafen Helsinki wieder aufnehmen.
Damit wird eine Route reaktiviert, die aufgrund der weltweiten Pandemie und der nachfolgenden Komplikationen im internationalen Luftraum vor fünf Jahren eingestellt wurde. Die Verbindung startet zunächst mit drei wöchentlichen Umläufen und soll bereits im Juni auf einen täglichen Rhythmus hochgestuft werden. Diese Entscheidung unterstreicht die wachsende Bedeutung des Großflughafens Daxing als internationales Drehkreuz und stärkt die Konnektivität zwischen Nordeuropa und Ostasien. Für den finnischen Flughafenbetreiber Finavia bedeutet dieser Schritt den ersten direkten Zugang zum nordchinesischen Markt seit Jahren, während China Southern Airlines ihre Präsenz im skandinavischen Raum massiv ausbaut. Neben dem Passagierverkehr wird der Einsatz von modernen Großraumflugzeugen des Typs Boeing 787-9 zudem erhebliche Kapazitäten für den zeitkritischen Frachtverkehr zwischen den Industriezentren beider Nationen schaffen.
Strategische Bedeutung für den Flughafen Peking-Daxing
Der im Jahr 2019 eröffnete Mega-Flughafen Peking-Daxing gilt als eines der ambitioniertesten Infrastrukturprojekte Chinas. Trotz seiner hochmodernen Architektur und enormen Kapazitäten stand der Standort in den ersten Betriebsjahren vor der Herausforderung, ein stabiles internationales Streckennetz aufzubauen. Die nun angekündigte Helsinki-Route markiert einen Wendepunkt, da sie die erste Nonstop-Verbindung von Daxing nach Nordeuropa darstellt. China Southern Airlines fungiert am Standort Daxing als Ankergesellschaft und treibt die Internationalisierung des Flughafens konsequent voran.
Zwar bedient die Fluggesellschaft bereits europäische Metropolen wie Paris, Amsterdam, London, Frankfurt und Rom, doch die Verbindung nach Helsinki schließt eine geografische Lücke im Norden. Die Flugzeit von etwas mehr als neun Stunden macht diese Route zu einer der effizientesten Verbindungen zwischen Nordchina und Skandinavien. Petri Vuori, Senior Vice President für Routenentwicklung bei Finavia, betonte die hohe Nachfrage nach dieser Verbindung, die nach der fünfjährigen Unterbrechung nun erstmals von China Southern bedient wird. Dies signalisiert ein wachsendes Vertrauen in das Passagieraufkommen und die wirtschaftliche Relevanz der Region.
Verschiebungen im nordisch-asiatischen Luftverkehrsmarkt
Die Markteinführung dieser Route erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Wettbewerbssituation zwischen den nordischen und asiatischen Fluggesellschaften grundlegend gewandelt hat. Traditionell war die finnische Nationalgesellschaft Finnair die dominierende Kraft auf den Strecken zwischen Finnland und China. Aufgrund der Sperrung des russischen Luftraums sieht sich Finnair jedoch mit massiven operativen Herausforderungen konfrontiert, die zu einer drastischen Reduzierung des Angebots führten. Aktuell betreibt der finnische Flagcarrier lediglich zwei wöchentliche Winterflüge nach Shanghai – ein Bruchteil des Volumens vor 2020.
China Southern Airlines nutzt dieses Kapazitätsvakuum. Während Juneyao Airlines derzeit Flüge nach Shanghai und Zhengzhou anbietet, wird China Southern die einzige Fluggesellschaft sein, die eine Direktverbindung von der finnischen Hauptstadt in die chinesische Metropole Peking anbietet. Für Reisende entstehen dadurch umfangreiche Anschlussmöglichkeiten: Von Daxing aus können Passagiere in Dutzende chinesische Inlandsstädte sowie zu regionalen Hubs wie Seoul, Tokio, Hongkong und Dhaka umsteigen. Helsinki wiederum dient als kompakter Transferknoten für Weiterflüge nach Skandinavien, in das Baltikum und nach Westeuropa.
Operative Details und Flottenplanung
Der Flugplan sieht vor, dass der Dienst am 29. März 2026 unter der Flugnummer CZ609 startet. Die Abflüge in Peking sind für Dienstags, Donnerstags und Sonntags um 14:20 Uhr Ortszeit geplant, mit einer Ankunft in Helsinki um 18:35 Uhr. Der Rückflug startet um 20:35 Uhr in Finnland und landet am nächsten Morgen in Peking. Ab dem 20. Juni 2026 wird die Frequenz auf tägliche Rotationen erhöht, um der steigenden Nachfrage während der Sommersaison gerecht zu werden.
Zum Einsatz kommt die Boeing 787-9 Dreamliner, ein Flugzeugtyp, der für seine Effizienz auf langen Strecken bekannt ist. Das Flugzeug wird in einer Drei-Klassen-Konfiguration betrieben und bietet Platz für rund 290 Passagiere. Die Wahl dieses Modells ermöglicht es der Airline, flexibel auf Schwankungen im Passagieraufkommen zu reagieren und gleichzeitig die Betriebskosten durch geringen Treibstoffverbrauch pro Sitzplatzkilometer zu optimieren.
Wirtschaftliche Impulse durch Frachtkapazitäten
Neben dem Tourismus und dem Geschäftsreiseverkehr wird die neue Verbindung voraussichtlich erhebliche Vorteile für die exportorientierte Wirtschaft Finnlands bringen. Finnische Sektoren wie die Technologiebranche, die Forstwirtschaft und der Maschinenbau sind stark auf Luftfracht angewiesen, um zeitkritische Sendungen nach Asien zu transportieren. Die Boeing 787-9 bietet eine Beiladekapazität von bis zu 15 Tonnen Fracht pro Flug.
Diese Kapazität ermöglicht finnischen Exporteuren den direkten Zugang zum industriellen Kernland Nordchinas am selben Tag und bietet eine attraktive Alternative zur Verschiffung über bereits überlastete europäische Logistikzentren. Die direkte Anbindung an Peking-Daxing erleichtert zudem die Verteilung von Gütern über das dichte Schienen- und Straßennetz, das den Flughafen mit den umliegenden Wirtschaftszonen verbindet.
Touristische Perspektiven und bilaterale Beziehungen
Die Wiederaufnahme der Flüge ist auch ein Indikator für das wachsende Interesse an touristischem Austausch. Historisch gesehen zeigen chinesische Urlauber ein starkes Interesse an finnischen Destinationen, insbesondere an den Winterangeboten in Lappland. Umgekehrt bleibt China ein wichtiger Markt für finnische Unternehmen, die in Fernost investieren. Die tägliche Verbindung ab Juni 2026 schafft die notwendige Planungssicherheit für Reiseveranstalter und Firmenkunden.