Die Vereinigten Bühnen Wien (VBW), ein Betrieb der kommunalen Wien Holding, eröffnen die Spielzeit 2026/27 im sanierten Stammhaus an der Linken Wienzeile mit Francesco Cavallis Barockoper „La Calisto“.
Die Neuinszenierung von Intendant Stefan Herheim ist vom 16. bis zum 28. September 2026 im Theater an der Wien angesetzt. Das 1651 in Venedig uraufgeführte Werk verknüpft mythologische Stoffe aus Ovids Metamorphosen mit Fragen zu Machtmissbrauch, gesellschaftlichen Geschlechterrollen und ethischen Normen. Die musikalische Leitung der Produktion übernimmt die Dirigentin Christina Pluhar gemeinsam mit dem Spezialensemble L’Arpeggiata.
Mit der Produktion nimmt der städtische Theaterbetrieb nach einer mehrjährigen und kostenintensiven Generalsanierung des historischen Gebäudes den regulären Spielbetrieb am Traditionsstandort wieder auf. Die Wiedereröffnung des 1798 gegründeten Hauses stand im Vorfeld im Fokus kommunalpolitischer Debatten über Budgetüberschreitungen und zeitliche Verzögerungen im Bauablauf. Das Haus soll künftig wieder als spezialisiertes Opernhaus für Barockoper, Klassik und modernes Musiktheater im Portfolio der Wien Holding positioniert werden.
In der Besetzung der Hauptrollen stehen die Sopranistin Vera-Lotte Boecker als Calisto sowie Milan Siljanov, Giuseppina Bridelli, Marcel Beekman und Jake Arditti auf der Bühne. Die Inszenierung integriert choreografische Elemente als festen Bestandteil der Szenendramaturgie, um den barocken Originalkontext mit modernen Sehgewohnheiten zu verbinden. Die Vorstellungen finden an sechs Abenden statt. Der Kartenvorkauf wird über die zentralen Vertriebskanäle der städtischen Wien-Ticket-Gruppe abgewickelt.
Kulturkritiker und Theaterbeobachter verweisen darauf, dass die Wiedereröffnung des Stammhauses unter erhöhtem wirtschaftlichen Vorstellungsdruck steht. Die Vereinigten Bühnen Wien müssen nach den hohen Investitionskosten der Gebäudesanierung eine verlässliche Auslastung im gehobenen Preissegment nachweisen. Die Wahl einer anspruchsvollen Barockoper zum Saisonauftakt fordert dabei das Premierenpublikum heraus und muss sich an den Erwartungen messen lassen, das Haus nachhaltig im internationalen Opernbetrieb zu etablieren.