Airbus A321 (Foto: 4300streetcar).
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Wiederkehrendes Sicherheitsproblem: American-Airlines-Flug nach Los Angeles wegen toxischer Dämpfe umgeleitet

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Ein Vorfall mit toxischen Dämpfen an Bord eines Airbus A321-200 von American Airlines hat erneut die Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit der Kabinenluftqualität in Flugzeugen der A320-Familie in den Fokus gerückt. Der Flug AA274, ursprünglich von Los Angeles (LAX) nach New York (JFK) geplant, musste am 14. Oktober 2025 kurz nach dem Start umkehren und zum Ausgangsflughafen zurückkehren.

Sieben Passagiere klagten über Unwohlsein und einen metallischen Geschmack im Mund, was typische Symptome von sogenannten Fume Events sind. Während niemand stationär behandelt werden musste, führte der Vorfall zur Stilllegung des betroffenen elf Jahre alten Flugzeugs und zu einer Verzögerung von rund acht Stunden für die Passagiere. Die Piloten und das Kabinenpersonal mussten aufgrund der Geruchsentwicklung im Cockpit und in der Kabine Sauerstoffmasken anlegen, was das Ausmaß der wahrgenommenen Gefahr unterstreicht und einen Eingriff in die Flugsicherheit darstellt.

Der Vorfall bei American Airlines reiht sich in eine wachsende Zahl von Ereignissen ein, bei denen verunreinigte Kabinenluft in Verkehrsflugzeugen gemeldet wird. Insbesondere die Airbus-A320-Familie, die einen wesentlichen Teil der Kurz- und Mittelstreckenflotten weltweit ausmacht, steht im Zentrum dieser Debatte. Die Vorkommnisse werfen grundsätzliche Fragen über das etablierte Belüftungssystem der meisten modernen Verkehrsflugzeuge, die Risiken für die Gesundheit von Besatzung und Passagieren sowie die Reaktionsgeschwindigkeit der Luftfahrtindustrie und Regulierungsbehörden auf.

Der Zwischenfall im Detail und die Stilllegung des Flugzeugs

Der betroffene American-Airlines-Airbus mit der Registrierung N587UW startete planmäßig von LAX, musste aber nur etwa 15 Minuten nach dem Abheben den Rückflug antreten. Berichten zufolge bemerkten die Flugbesatzung und das Kabinenpersonal in einer Höhe von 5.000 Fuß die Dämpfe, woraufhin die vorgeschriebenen Notfallprotokolle ausgelöst wurden. Die sieben betroffenen Passagiere wurden nach der sicheren Landung in Los Angeles medizinisch untersucht, bevor sie mit einem Ersatzflugzeug ihren Weg nach New York fortsetzen konnten.

Das Flugzeug selbst, ein A321-200, wurde stillgelegt und befindet sich seither am Boden des Flughafens Los Angeles. Das 11 Jahre alte Flugzeug weist eine beachtliche Historie mit fast 35.000 Flugstunden und über 14.400 Flugzyklen auf (Stand: Juli 2025). American Airlines verfügt über eine große Flotte dieses Typs, mit insgesamt 218 A321-200, deren Durchschnittsalter bei 13,2 Jahren liegt. Die Stilllegung ist eine Standardmaßnahme, um eine gründliche technische Untersuchung der Ursache für das Eindringen der Dämpfe zu ermöglichen und die Wiederholungsgefahr auszuschließen.

Systemisches Problem: Fume Events in der A320-Familie

Der Vorfall bei American Airlines ist kein Einzelfall, sondern fügt sich in ein weithin bekanntes Problem der Luftfahrtindustrie ein, das in Fachkreisen als „Fume Events“ bezeichnet wird. Diese Ereignisse werden maßgeblich mit dem sogenannten Zapfluftsystem („bleed air“) in Verbindung gebracht, das in nahezu allen modernen Verkehrsflugzeugen, mit Ausnahme des Boeing 787 Dreamliner, zur Klimatisierung der Kabine verwendet wird. Bei diesem System wird die Atemluft für Passagiere und Besatzung direkt aus den Verdichterstufen der Haupttriebwerke oder der Hilfsgasturbine (APU) entnommen.

Die Kontamination der Kabinenluft entsteht, wenn Schmieröl oder Hydraulikflüssigkeiten aus undichten Dichtungen in diese Zapfluft gelangen und unter hohen Temperaturen neurotoxische Verbindungen freisetzen. Die Betroffenen beschreiben den Geruch häufig als metallisch oder wie „alte Socken“. Ein im September 2025 veröffentlichter Untersuchungsbericht der Presse beleuchtete die Zunahme dieser Vorfälle und stellte fest, dass die Probleme insbesondere bei der Airbus-A320-Familie gehäuft auftreten.

Die gesundheitlichen Implikationen sind weitreichend und umstritten. Neurologische Experten, die sich auf die Behandlung von Flugpersonal spezialisiert haben, berichten von möglichen chronischen Gesundheitsschäden, darunter neurologische Beeinträchtigungen wie Gedächtnisverlust und Taubheitsgefühle. Die Langzeitwirkungen sind noch nicht abschließend wissenschaftlich geklärt, jedoch hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in früheren Studien auf mögliche Langzeitrisiken für das Flugpersonal hingewiesen, auch wenn die Auswirkungen auf die Flugsicherheit in der Regel als gering eingestuft wurden. Der Verdacht auf ein „Aerotoxisches Syndrom“ ist zwar nicht als offizielles Krankheitsbild anerkannt, wird aber von Interessensverbänden von Piloten und Flugbegleitern vehement vertreten.

Reaktionen der Industrie: Das Beispiel Delta Air Lines

Die Problematik der Kabinenluftqualität hat einige Fluggesellschaften zu proaktiven, kostspieligen Maßnahmen veranlasst, was auf eine wachsende Anerkennung der Risiken hindeutet.

Ein prominentes Beispiel ist Delta Air Lines, die sich entschlossen hat, die Hilfsgasturbinen (APUs) ihrer gesamten Flotte der Airbus-A320-Familie – mehr als 300 Flugzeuge – auszutauschen. Die APU, ein kleines Strahltriebwerk im Heck des Flugzeugs, liefert Strom und Druckluft, vor allem am Boden und beim Start. Sie wurde als eine primäre Quelle für Leckagen identifiziert, da auch ihr Zapfluftsystem Ölnebel in die Kabinenluft leiten kann.

Das 2022 begonnene Austauschprogramm von Delta Air Lines, dessen Kosten nicht offengelegt wurden, signalisiert einen signifikanten Schritt zur Risikominderung. Berichten zufolge ist das Programm bereits zu über 90 Prozent abgeschlossen. Der Austausch der APUs ist eine kostspielige und logistisch anspruchsvolle Entscheidung, die das interne Bewusstsein bei Delta für die potenziellen Gesundheitsrisiken unterstreicht. Im Gegensatz zu dieser offensiven Strategie konzentrieren sich andere Betreiber auf günstigere, aber möglicherweise weniger umfassende Lösungen, wie den Austausch von Dichtungen.

Die Luftfahrtindustrie steht unter dem Druck von Gewerkschaften und Berichten über eine signifikante Zunahme der Fume Events in den letzten Jahren, wie aus Statistiken der US-Luftfahrtbehörden hervorgeht. Während ein Teil des Anstiegs auf verschärfte Meldepflichten zurückzuführen sein mag, deutet die Häufung der Vorfälle auf eine technische Herausforderung hin, die noch nicht branchenweit und abschließend gelöst wurde. Die fehlende einheitliche Messpflicht von Schadstoffen in der Kabinenluft und die unklaren wissenschaftlichen Standards für die gesundheitliche Bewertung der Exposition stellen weiterhin eine Herausforderung für Passagiere, Besatzung und Aufsichtsbehörden dar.

Der jüngste Vorfall bei American Airlines bestätigt die anhaltende Relevanz des Themas und unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden und möglicherweise systemischen Überprüfung des „Bleed-Air“-Konzepts in der gesamten Flotte von Schmalrumpfflugzeugen, die den Großteil des weltweiten Flugverkehrs ausmachen.

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