Wien: Erhebliche Kürzungen und Streichungen im Deutschland-Verkehr

Terminal 3 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
Terminal 3 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).

Wien: Erhebliche Kürzungen und Streichungen im Deutschland-Verkehr

Terminal 3 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
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Der Umstand, dass Deutschland unter anderem das österreichische Bundesland zum Risikogebiet erklärt hat, führte zu massiven Kürzungen im Österreich-Deutschland-Verkehr. Austrian Airlines reduzierte die Frequenzen auf nahezu allen Routen, die in das Nachbarland führen und die Konzernschwester Eurowings setzt mit Ausnahme von Hamburg und Düsseldorf gar alle Strecken ab Wien bis Anfang Dezember 2020 aus.

Betroffen sind derzeit ausschließlich die Flugangebote ab Wien-Schwechat. In den Bundesländern sind teilweise sogar Aufstockungen angekündigt. Am Hauptstadt-Flughafen läuft es seit der deutschen Reisewarnung und der Ankündigung, die nun nicht morgen, sondern erst am 8. November 2020 in Kraft treten soll, dass Einreisende aus Risikogebieten auch mit negativem PCR-Test in Quarantäne müssen, so richtig mies. Die Auslastung bei den im Wien-Deutschland-Verkehr tätigen Fluggesellschaften Austrian Airlines, Lufthansa, Eurowings, Wizzair und Ryanair/Lauda ist nur mit dem Wort “katastrophal” zu beschreiben. So konnte Aviation Direct auf zahlreichen AUA-Flügen vor Ort feststellen, dass 76-sitzigen DHC Dash 8-400-Maschinen nicht einmal zur Hälfte besetzt waren. Teilweise waren sogar nur knapp über einem Dutzend Reisende an Bord, wobei die Beobachtungen auf zahlreichen Flügen von Aviation.Direct-Mitarbeitern wahrgenommen wurden. Bei der Konkurrenz läuft es keinesfalls besser, jedoch ist diese in einer verzwickten Lage, denn die Maschinen sind wesentlich größer und das ist bei geringer Nachfrage so ganz und gar kein Vorteil. Eurowings zog zwischenzeitlich die Notbremse und setzt ab Wien alle Strecken, mit Ausnahme von Hamburg und Düsseldorf, bis vorerst Anfang Dezember 2020 aus. Betroffen sind unter anderem die Ziele Köln/Bonn, Hannover und Stuttgart, die sich vor der Corona-Pandemie über rege Nachfrage erfreuen konnten und mehrmals täglich mit Maschinen der Typen Airbus A319 und A320 bedient wurden. Austrian Airlines kürzte derweil, bucht jedoch auf der Stuttgart-Strecke gelegentlich auch auf das Routing Wien-Graz-Stuttgart um. Überwiegend wird nicht mehr zweimal täglich, sondern maximal einmal pro Tag mit DHC Dash 8-400 geflogen. Nürnberg wird als Dreieck via Leipzig bedient. Auf den anderen Deutschland-Routen ab Wien wurde nachfragebedingt gekürzt.

Die Konkurrenz aus dem Lowcost-Segment dünnte aufgrund der enorm schwachen Nachfrage ihre Deutschland-Ziele ebenfalls sehr stark aus. Ryanair bedient ab Wien die deutschen Städte Dortmund und Köln/Bonn. Die vormals von Lauda angebotenen Ziele Münster/Osnabrück und Stuttgart wurden nach der Lockdown-Phase nie wieder aufgenommen. Dortmund wird derzeit maximal dreimal pro Woche angeboten, wobei nicht damit zu rechnen ist, dass der Carrier ab November – wie momentan auf der Homepage buchbar – wieder täglich fliegen wird. Diese ohnehin schwache Route wird nämlich auch von Mitbewerber Wizzair geflogen. Diese fuhr die Anzahl der wöchentlichen Dortmund-Flüge ebenfalls sehr stark zurück und fliegt vorerst maximal zweimal pro Woche. Mitte November will man zwar wieder aufstocken, jedoch will Deutschland mit 8. November 2020 harte Quarantänebestimmungen umsetzen, was der Nachfrage nochmals einen Dämpfer geben könnte. 

Köln/Bonn wird von Wizzair ebenfalls nur noch zweimal pro Woche angeflogen. Auf dieser Strecke lieferte man sich einen harten Wettbewerb mit Austrian Airlines, Ryanair und Eurowings. Die zuletzt genannte Fluggesellschaft zog sich bereits vorerst zurück. Ryanair bietet zwei bis drei Wien-Köln-Flüge pro Woche und auch hier erscheint die buchbare Aufstockung auf täglich ab November 2020 eher unrealistisch. Anzumerken ist noch, dass sich Ryanair und Wizzair auf dieser Route einen harten Preiskampf im einstelligen Eurobereich liefern, was angesichts der Gesamtsituation ein wenig absurd wirkt.

Die Destination Bremen ruht derzeit im Wizzair-Flugplan ab Wien. Mangelnde Nachfrage führte zur temporären Einstellung. Ob die angekündigte Wiederaufnahme am 17. November 2020 (2x wöchentlich) tatsächlich umgesetzt wird, erscheint aufgrund der bevorstehenden Zwangsquarantäne, die seitens der Bundesrepublik für den 8. November 2020 angekündigt ist, durchaus hinterfragenswert.

Easyjet bietet als einzige Deutschland-Route derzeit Berlin-Tegel an. Diese wurde “vor Corona” bis zu fünfmal täglich bedient und wurde nun neuerlich gekürzt. Maximal ein Flug pro Tag, wobei an einzelnen Verkehrstagen – beispielsweise an Samstagen – gar nicht mehr geflogen wird. Die Strecke nach Berlin-Schönefeld wurde bereits vor einiger Zeit komplett eingestellt. Easyjet bot vor der Reisewarnung der Deutschen zwei bis maximal drei Berlin-Flüge pro Tag an und setzte Maschinen der Typen Airbus A319 und A320 ein. Die Einstellung der Flüge nach Berlin-Tegel mit Ende des Monats hat allerdings einen komplett anderen Grund: Der Carrier verlegt das komplette Angebot auf den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg, der Ende Oktober 2020 mit jahrelanger Verspätung eröffnet wird. Wien ist unter den ersten Zielen, die Easyjet ab Berlin-Brandenburg anbietet. Ein wichtiger Hinweis: Mit Eröffnung des BER wird der orangefarbene Billigflieger das Terminal 1 und nicht mehr das Terminal 5 (“altes Schönefeld-Terminal”) nutzen.

Lufthansa, Austrian Airlines und Eurowings bedienen gemeinsam die meisten Wien-Deutschland-Strecken. Bei allen drei Konzernmitgliedern ist es zu Frequenzkürzungen auf allen angebotenen Strecken in die Bundesrepublik gekommen. Während Lufthansa lediglich im München- und Frankfurt-Verkehr aktiv ist, halten sich die Auswirkungen in sehr eng gesteckten Grenzen. Bei Eurowings wurden alle Ziele, mit Ausnahme von Düsseldorf und Hamburg, die vergleichsweise niederfrequent bedient werden, temporär eingestellt. Austrian Airlines dünnte den Flugplan aus, führt im Fall von Leipzig und Nürnberg Dreiecksflüge durch und setzt verstärkt das kleinste Fluggerät der Flotte, die DHC Dash 8-400, ein. Auch ist zu beobachten, dass Umbuchungen auf einzelnen Routen auch via Graz erfolgen, so dass das dortige Angebot unterstützt wird, aber die Passagiere am gleichen Tag noch an ihren Zielort kommen können. In der Regel entsteht dadurch keine Verspätung, lediglich muss man eben früher am Flughafen Wien sein, da ein Zubringerflug nach Graz zu absolvieren ist.

4 Comments

  • Altmetallflieger , 16. Oktober 2020 @ 02:57

    Gott sei Dank hat man die Dash8 noch in der Flotte,ich denke es ist ein Fehler die Maschinen auszuflotten . Die Maschinen sind zu Corona Zeiten ein ideales Gerät um Verbindungen bei geringem Aufkommen bedienen zu können.
    Jeder Jet in der Größe sei es eine CRJ oder E175 ist der Dash8/400 in jeder Hinsicht unterlegen,sei es beim Verbrauch,Lande und Überflugsgebühren und eben auch Landen auf Kurzen Pisten,wie Bozen zum Beispiel.
    Schade das man im Lufthansa Konzern eine Abneigung gegen Turboprops hat.
    Die Flugzeuge mit Turboprops werden eine Renaissance erleben vor allem ist es ersichtlich auf Regional Flughäfen,wie Bozen und Lübeck wo neue Airlines gegründet wurden.
    ATRs und Dash8 wären die Idealen Geräte um von den fünf österreichischen Regional Flughäfen aus Ziele im Umkreis von bis zu rund 1000km regelmäßig anzufliegen.
    Nur ist da noch niemand drauf gekommen.Die Preise für Flugscheine könnte man auch so anpassen, dass auch bei geringer Auslastung von 50% man keine Verluste macht, wäre mein Gedankengang

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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  • Altmetallflieger , 16. Oktober 2020 @ 02:57

    Gott sei Dank hat man die Dash8 noch in der Flotte,ich denke es ist ein Fehler die Maschinen auszuflotten . Die Maschinen sind zu Corona Zeiten ein ideales Gerät um Verbindungen bei geringem Aufkommen bedienen zu können.
    Jeder Jet in der Größe sei es eine CRJ oder E175 ist der Dash8/400 in jeder Hinsicht unterlegen,sei es beim Verbrauch,Lande und Überflugsgebühren und eben auch Landen auf Kurzen Pisten,wie Bozen zum Beispiel.
    Schade das man im Lufthansa Konzern eine Abneigung gegen Turboprops hat.
    Die Flugzeuge mit Turboprops werden eine Renaissance erleben vor allem ist es ersichtlich auf Regional Flughäfen,wie Bozen und Lübeck wo neue Airlines gegründet wurden.
    ATRs und Dash8 wären die Idealen Geräte um von den fünf österreichischen Regional Flughäfen aus Ziele im Umkreis von bis zu rund 1000km regelmäßig anzufliegen.
    Nur ist da noch niemand drauf gekommen.Die Preise für Flugscheine könnte man auch so anpassen, dass auch bei geringer Auslastung von 50% man keine Verluste macht, wäre mein Gedankengang

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