Wien: Viele Wizzair-Flugbegleiter verdienen derzeit nur 755,71 Euro (brutto)

Airbus A320 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
Airbus A320 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).

Wien: Viele Wizzair-Flugbegleiter verdienen derzeit nur 755,71 Euro (brutto)

Airbus A320 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
Werbung

Bei der ungarischen Billigfluggesellschaft Wizz Air leiden derzeit Flugbegleiter der Basis Wien mangels Flugstunden unter äußerst geringem Einkommen. Da der Carrier momentan nur einen Umlauf pro Woche durchführt, bekommen viele Stewards und Stewardessen nur das niedrige Grundgehalt, das bei den Juniors bei 755,71 Euro (brutto) liegt, ausbezahlt.

Das Gehaltschema bei Wizz Air sieht vor, dass das Kabinenpersonal, je nach Einstufung, ein vergleichweise sehr geringes Grundgehalt bekommt. On-Top kommt eine Vergütung, die sich unternehmensintern „Sector Payment“ nennt. Für Verkäufe, die an Bord getätigt werden, erhalten die Mitarbeiter eine Provision. In normalen Zeiten kommen bei den Wiener Wizz-Air-Flugbegleitern zwar keine Traumlöhne, jedoch auch keine „schlechten“ Löhne am Monatsende heraus. Der Umstand, dass der größte Teil des Bezuges leistungsabhängig ist, erweist sich jetzt für das Wiener Wizz-Air-Personal extrem nachteilig.

Das hat zur Folge, dass der Monatslohn, der zur Auszahlung kommt bei Junior-Flugbegleitern bei etwa 755,71 Euro brutto liegt. Davon werden noch die Sozialabgaben abgezogen, so dass rund 641,45 Euro netto zu Überweisung kommen. Die Summe kann leicht nach oben und unten variieren, je nach Einzelfall, der sich aus gesetzlichen Gründen ergeben kann.

Die Folge daraus ist, dass die finanzielle Situation bei manchen Wizz-Air-Flugbegleitern der Basis Wien derzeit extrem angespannt ist. Mit lediglich knapp über 600 Euro pro Monat kommt man schwer über die Runden, wenn man bedenkt, dass davon auch Wohnungsmiete und Fixkosten bestritten werden müssen.

Die Fluggesellschaft Wizz Air bestätigte gegenüber Aviation Direct, dass das in Wien stationierte fliegende Personal derzeit nur das Grundgehalt erhält. Man betont allerdings, dass man sich bemüht möglichst viele Flugstunden zu ermöglichen, die dann auch bezahlt werden. Weiters  bestätigte der Carrier, dass den Crews unbezahlte Urlaube angeboten werden. Diese könnten laut einem Sprecher freiwillig in Anspruch genommen werden. Andernfalls werde das Grundgehalt laut Vertrag bezahlt. Auf die Frage warum für die Wizz-Air-Basis Wien keine Kurzarbeit angemeldet wird, antwortete der Medienreferent: „Wir haben ein Modell entwickelt, das netzwerkweit gleich ist. In vielen Ländern gibt es keine Kurzarbeit. Da wir streckennetzweit den Beschäftigten die gleichen Möglichkeiten – unbezahlter Urlaub oder Grundgehalt – anbieten, ist es keine Option für uns. Wir bemühen uns unseren Besatzungen so viele Flugstunden wie möglich geben zu können“.

Gewerkschaft: „Wizz Air wält das unternehmerische Risiko fast zur Gänze auf die Beschäftigten ab“

Kurzarbeit würde für die Flugbegleiter der Wizz-Air-Basis Wien übrigens keine Verbesserung, sondern gar eine finanzielle Verschlechterung bedeuten. Das hat damit zu tun, dass bei der Kurzarbeit ausschließlich das Grundgehalt berücksichtigt wird, denn die variablen Gehaltsbestandteile sind nicht von der Kurzarbeit umfasst. Weiters ist das Kurzarbeitergeld niedriger als das reguläre Gehalt. Auch bei Austrian Airlines bringt dies insbesondere Flugbegleiter, die auch dort eine Kombination aus Fixum und Flugstundenvergütung erhalten, finanziell unter Druck. Die Gewerkschaft Vida warnte in den letzten Jahren wiederholt vor dem Problem und sieht sich nun in allen Befürchtungen bestätigt.

„Offenbar hat sich Wizz Air mit der Zahlung von solchen Hungerlöhnen ein Beispiel an Laudamotion/Ryanair genommen“, zeigt sich Daniel Liebhart, Vorsitzender für Luftfahrt in der Gewerkschaft, gegenüber Aviation Direct entsetzt. „Gerade in der Corona-Krise wird wieder deutlich wie groß die Schieflage bei den Gehältern des fliegenden Personals verschiedener Airlines ist. Das unternehmerische Risiko wird fast zur Gänze auf die Beschäftigten abgewälzt. Diesem Umstand kann man in Österreich nur mit einem Branchenkollektivvertrag für das fliegende Personal entgegenwirken. Dieser würde für alle Airlines gelten, die fliegendes Personal in Österreich stationieren und würde dann auch Lost-Cost-Carrier wie Wizz Air umfassen.“

Wizz Air bezahlt extrem niedrige Grundlöhne

Doch wie viel verdient ein Wizz-Air-Flugbegleiter eigentlich? Das hängt primär von der Einstufung ab. Der ungarische Carrier unterscheidet zwischen Junior Cabin Attendant, Cabin Attendant und Senior Cabin Attendant. Die Brutto-Jahres-Grundgehälter sind in der nachstehenden Tabelle dargestellt und inkludieren die Sonderzahlungen für Weihnachts- und Urlaubsgeld:

 Jahresgrundgehalt
Junior Cabin Attendant10.580 Euro p.A.
Cabin Attendant11.550 Euro p.A.
Senior Cabin Attendant14.266 Euro p.A.

Das oben dargestellte Jahres-Grundgehalt ist den Flugbegleitern der Wizzair-Basis Wien auch dann garantiert, wenn diese keine einzige Stunde in der Luft sind. Alle Flugstunden werden nach einem so genannten „Sector-Pay“-System bezahlt. Dieses ist in der nachstehenden Tabelle dargestellt:

 0-119 Min.120-164 Min.165-239 Minüber 240 Min.
Junior Cabin Attendant25 Euro
(~12,5 Euro/h)
30 Euro
(~10,99 Euro/h)
37,50 Euro
(~9,37 Euro/h)
45 Euro
(max. ~11,25 Euro/h)
Cabin Attendant30 Euro
(~15 Euro/h)
36 Euro
(~13,19 Euro/h)
45 Euro
(~11,25 Euro/h)
54 Euro
(max. ~13,50 Euro/h)
Senior Cabin Attendant44 Euro
(~22 Euro/h)
52,80 Euro
(~19,34 Euro/h)
66 Euro
(~16,50 Euro/h)
79,20 Euro
(max. ~19,80 Euro/h)

Wizz Air betonte im Gespräch mit Aviation Direct, dass man sich der momentan schwierigen Situation bewusst ist und hofft darauf, dass möglichst viele Flugbegleiter beim Unternehmen bleiben werden. Im Gegensatz zum ersten Lockdown will man diesmal an der Basis Wien keine Kündigungen aussprechen.

Betroffene Flugbegleiter berichten von unbezahlten „Zwangsurlauben“ – Carrier dementiert

Einige Flugbegleiter der Wizz-Air-Basis Wien erhoben gegenüber Aviation Direct auch den Vorwurf, dass das Unternehmen sie tage- und gar wochenweise in unbezahlte Urlaube drängen würde. Wie bereits erwähnt: Ein Sprecher sagt, dass man dies den Mitarbeitern anbieten würde, falls diese das jedoch nicht wollen, würde man das reguläre Grundgehalt bezahlen. Die Schilderungen von Betroffenen lassen die zumindest nicht unbegründete Vermutung zu, dass die von Wizz Air hervorgehobene Freiwilligkeit dann doch nicht so ganz freiwillig sein könnte.

Ein Sprecher des Billigfliegers nimmt damit konfrontiert wie folgt Stellung „Wizz Air weist die Vorwürfe zurück und hält fest, dass keiner ihrer Mitarbeiter gezwungen wird unbezahlten Urlaub zu nehmen. Aufgrund der aktuellen Situation der Luftfahrtbranche, die durch die diversen auferlegten Reisebeschränkungen verschiedener Länder stark eingeschränkt ist, finden in der Wintersaison deutlich weniger Flüge statt als erwartet. Wizz Air setzt sich für die Weiterbeschäftigung all ihrer Mitarbeiter ein. Die Mitarbeiter erhalten ihr Grundgehalt und soweit es der Flugplan zulässt auch die Möglichkeit Flüge durchzuführen. Für Mitarbeiter, die damit nicht zufrieden sind, bietet Wizz Air die Möglichkeit während der Wintersaison unbezahlten Urlaub zu nehmen, damit diese einer befristeten Erwerbstätigkeit bis zur Sommersaison nachgehen können. Als eine der stabilsten Fluggesellschaften der Branche rechnet Wizz Air damit, dass in der Ferienzeit die Kapazität bereits 45 Prozent betragen wird und erwartet eine noch höhere Kapazität für Sommer 2021. Wizz Air möchte nochmals wiederholen, dass alle Angestellten der Basis in Wien der Fluggesellschaft nach dem österreichischen Arbeitsgesetz mit Arbeitsverträgen beschäftigt sind. Die Mitarbeiter werden ermutigt, bei der Fluggesellschaft zu bleiben und jeder Mitarbeiter – unterhalb der Führungsebene – erhält in diesem Jahr einen Bonus als Anerkennung des Managements für die unglaubliche Arbeit, die sie alle in diesem Jahr geleistet haben, um Wizz Air zu einer so hervorragenden Fluggesellschaft zu machen. Der diesjährige Bonus ist zusätzlich zum Weihnachts- und Urlaubsgeld 2020 für in Österreich beschäftigte Besatzungsmitglieder. Auch 2021 wird gemäß den lokalen Bestimmungen Weihnachts- und Urlaubsgeld ausgezahlt. Wizz Air ist davon überzeugt, dass Wizz Air aufgrund ihres agilen Ansatzes, ihres ULCC-Geschäftsmodells sowie ihrer fantastischen Kollegen, als ein Gewinner dieser Krise hervorgehen wird und ähnlich wie im Jahr 2020 auch in den kommenden Jahren andere Airlines übertreffen wird“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Redakteur dieses Artikels:

Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

Paywalls mag niemand
– auch Aviation.Direct nicht!

Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee Kaffee einladen.

Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.

Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Verbesserungsvorschläge wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.

Ihr
Aviation.Direct-Team
Paywalls
mag niemand!

Über den Redakteur

Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

Paywalls mag niemand
– auch Aviation.Direct nicht!

Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee Kaffee einladen.

Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.

Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Verbesserungsvorschläge wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.

Ihr
Aviation.Direct-Team
Paywalls
mag niemand!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Werbung