Das Wiener Familienunternehmen Ströck führt im März 2026 zum neunten Mal sein Projekt „Lehrlingswoche“ durch. Im Rahmen dieser Initiative übernehmen Lehrlinge für den Zeitraum einer Woche die vollständige Leitung einer stark frequentierten Filiale in der Bundeshauptstadt.
Die Nachwuchskräfte besetzen dabei sämtliche Schlüsselpositionen – von der Backstube über den Verkauf bis hin zum operativen Management und der Personaleinteilung. Ziel des Projekts ist es, den jungen Talenten frühzeitig unternehmerische Verantwortung zu übertragen und sie praxisnah auf spätere Führungspositionen im Unternehmen vorzubereiten. Das 1970 gegründete Unternehmen beschäftigt aktuell über 1.600 Mitarbeiter und betreibt rund 80 Standorte in Wien und Umgebung.
Derzeit befinden sich bei der Großbäckerei durchschnittlich 45 Jugendliche in Ausbildung, die auf vier verschiedene Lehrberufe verteilt sind. Jährlich werden etwa 15 neue Auszubildende aufgenommen. Während der Projektwoche liegt der Fokus neben dem klassischen Handwerk besonders auf dem Gästeservice und der betriebswirtschaftlichen Organisation hinter den Kulissen. Um den Anreiz für Kunden zu erhöhen, die von den Lehrlingen geführte Filiale zu besuchen, wurden spezielle Aktionsangebote konzipiert. In diesem Jahr liegt der kulinarische Schwerpunkt auf mediterranen Focaccia-Variationen, die im Paket mit kostenlosen Getränken ausgegeben werden. Die Personalabteilung des Unternehmens betont, dass dieser Gestaltungsspielraum essenziell sei, um das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten der jungen Belegschaft zu stärken.
Zusätzliche Branchenanalysen unterstreichen die Bedeutung solcher Projekte im Angesicht des anhaltenden Fachkräftemangels im österreichischen Lebensmittelhandwerk. Ströck investiert massiv in die Bindung des Personals und setzt auf eine hohe Übernahmequote nach Abschluss der Lehrzeit. Die Produktion konzentriert sich auf zwei Standorte im 22. Wiener Gemeindebezirk, wobei das Unternehmen zunehmend auch gastronomische Konzepte wie die „Ströck-Feierabend“-Restaurants integriert. Diese Strategie dient der Diversifizierung des Geschäftsmodells und bietet den Lehrlingen Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Gastronomie und Systemgastronomie. Das Getreide für die Backwaren wird laut Unternehmensangaben zu 100 Prozent aus Österreich bezogen, was die regionale Wertschöpfungskette stützt.
Wirtschaftlich betrachtet ist die Lehrlingswoche ein Instrument des Employer Brandings, um sich auf dem umkämpften Lehrstellenmarkt als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Durch die Verknüpfung von traditionellem Backhandwerk mit modernen Managementmethoden versucht die Bäckerei, das Image des Bäckerberufs zu modernisieren. Die Geschäftsführung sieht in der ehrlichen Feedbackkultur, die während dieser Woche zwischen den Generationen entsteht, einen wichtigen Impulsgeber für künftige Unternehmensentscheidungen. Die operative Leitung während der Lehrlingswoche wird engmaschig von erfahrenen Mentoren begleitet, um die Einhaltung der Qualitätsstandards in der hochfrequentierten Filiale sicherzustellen, ohne dabei den Lerneffekt der Eigenverantwortung zu schmälern.