Die österreichische Gastronomielandschaft steht vor einer weiteren Professionalisierung im Segment der italienischen Küche. Das Wiener Familienunternehmen L’Autentico, das im Jahr 2013 von den Brüdern André und Sandro Gargiulo gegründet wurde und als Mitinitiator der Renaissance neapolitanischer Pizza in der Bundeshauptstadt gilt, leitet die nächste Phase seines Unternehmenswachstums ein.
Um die Marke über das bestehende Filialnetz in Wien und Niederösterreich hinaus zu etablieren, kooperiert das Unternehmen ab sofort mit dem profilierten Franchise-Experten Bernhard Kloucek. Ziel dieser strategischen Partnerschaft ist der Aufbau eines skalierbaren und investorenfreundlichen Franchise-Systems, das sowohl auf dem österreichischen Markt als auch in ausgewählten internationalen Regionen expandieren soll. Durch die Standardisierung operativer Abläufe, die Implementierung einer zentralen Teigproduktion und die Bereitstellung flexibler Standortformate soll potenziellen Franchise-Nehmern der Einstieg in den Markt erleichtert werden. Die Gründerfamilie setzt damit auf eine strikte Trennung zwischen logistischer Systemzentrale und operativem Gastgebertum vor Ort, um die Markenqualität bei steigender Standortanzahl konsequent zu sichern.
Struktureller Aufbau und die Rolle des Franchise-Experten
Der Übergang von einem inhabergeführten Filialbetrieb zu einem standardisierten Franchise-System erfordert tiefgreifende Anpassungen der internen Unternehmensstrukturen. Während die Brüder Gargiulo mit ihren süditalienischen Wurzeln bislang vor allem für die kulinarische Authentizität und das operative Management der Bestandsfilialen verantwortlich zeichneten, bringt Bernhard Kloucek die notwendige Expertise für die Definition von Franchise-Prozessen und vertraglichen Strukturen ein. Das gemeinsame Vorhaben sieht vor, ein schlüsselfertiges Konzept zu etablieren, das für selbstständige Unternehmer als Investment- oder Betreibermodell attraktiv ist.
Kloucek verweist in diesem Zusammenhang auf das erhebliche Potenzial, das in der Kombination aus traditioneller Handwerkskunst und moderner Systemgastronomie liegt. Ein funktionierendes Franchise-System im Premium-Segment basiert maßgeblich darauf, dass komplexe Zubereitungsschritte so weit vereinfacht und dokumentiert werden, dass sie an jedem beliebigen Standort ohne Qualitätsverlust repliziert werden können. Die Aufgabenverteilung innerhalb der neuen Struktur sieht vor, dass die Systemzentrale von L’Autentico den gesamten strategischen Einkauf, die Logistikketten, das kontinuierliche Qualitätsmanagement, die Personalschulungen sowie die Weiterentwicklung der Speisekarte übernimmt. Die zukünftigen Franchise-Partner können sich dadurch vollständig auf die lokale Mitarbeiterführung, die operative Exzellenz und die Kundenbindung vor Ort konzentrieren.
Formatspezifische Flexibilität als Wachstumstreiber
Ein zentraler Aspekt der Expansionsstrategie ist die Diversifikation der angebotenen Standortmodelle. Um auf unterschiedliche Immobilienverfügbarkeiten, Frequenzen und regionale Marktgegebenheiten reagieren zu können, wurden drei flexible Betriebskonzepte entwickelt, die sich bereits im laufenden Eigenbetrieb bewährt haben. Das Spektrum reicht von großflächigen Flagship-Restaurants bis hin zu kompakten Express-Konzepten für urbane Ballungsräume.
Für Hochfrequenzlagen in Innenstädten oder Einkaufszentren wurde das Format Napolino by L’Autentico konzipiert. Dieses Modell legt den Fokus primär auf das margenstarke Mitnahme- und Liefergeschäft (Take-away und Delivery) und benötigt aufgrund reduzierter Sitzplatzkapazitäten eine deutlich geringere Nutzfläche, was die Miet- und Einrichtungskosten für Franchise-Nehmer minimiert. Demgegenüber steht das klassische Premium-Konzept, das als vollwertiges Restaurant mit hoher Aufenthaltsqualität und umfassendem Service betrieben wird. Ergänzt wird die Formatpalette durch saisonale Pop-up-Lösungen, wie sie das Unternehmen seit Jahren erfolgreich auf der Summerstage am Wiener Donaukanal praktiziert. Diese Flexibilität ermöglicht es dem Franchise-Geber, sowohl klassische Gastronomen als auch Quereinsteiger und Multi-Unit-Franchise-Nehmer anzusprechen, die mehrere Standorte parallel entwickeln möchten.
Zentrale Produktion als Garant für Standardisierung und Qualität
Die größte Herausforderung bei der Skalierung von Gastronomiekonzepten im gehobenen Segment liegt in der Aufrechterhaltung einer homogenen Produktqualität. Die neapolitanische Pizza unterliegt traditionell strengen Kriterien bezüglich der Teigführung, der Reifezeit und der Backtemperatur. Um Abweichungen durch menschliche Faktoren an den einzelnen Standorten auszuschließen, verfügt L’Autentico über eine zentrale Produktionsstätte.
In dieser Manufaktur wird der Pizzateig nach standardisierten Rezepturen zentral hergestellt, portioniert und unter kontrollierten Bedingungen an die jeweiligen Filialen ausgeliefert. Für die Franchise-Partner resultieren aus dieser zentralen Warenversorgung signifikante wirtschaftliche und operative Vorteile: Der Flächenbedarf in den einzelnen Filialen sinkt, da keine ausgedehnten Teigkühlräume oder schwere Knetmaschinen benötigt werden. Zudem verringert sich der Bedarf an hochqualifiziertem Fachpersonal in der Küche, da der kritische Prozess der Teigherstellung bereits abgeschlossen ist. Die Standardisierung der Zutaten und die lückenlose Qualitätskontrolle in der zentralen Produktion garantieren, dass dem Gast an jedem zukünftigen Standort in Westösterreich oder im benachbarten Ausland exakt dasselbe Geschmackserlebnis geboten wird wie im Wiener Stammhaus.
Die historische Entwicklung und aktuelle Marktpräsenz
Die Expansion baut auf einer über dreizehnjährigen Markthistorie auf. Seit der Eröffnung des ersten Restaurants im Jahr 2013 im 19. Wiener Gemeindebezirk hat sich das Unternehmen kontinuierlich vergrößert. Zum aktuellen Portfolio gehören neben dem Stammhaus im Döblinger Nobelviertel weitere urbane Standorte in der Schottenfeldgasse im siebten Bezirk sowie in der Türkenstraße im neunten Bezirk. Hinzu kommen Filialen in großen Konsumzentren wie der Millennium City in Wien und der Westfield Shopping City Süd in Niederösterreich sowie das eigenständige Napolino-Konzept in der Wiener Innenstadt.
Das Unternehmen hat sich durch diese strategische Platzierung sowohl im klassischen Abendgeschäft als auch im Mittags- und Shopping-Tourismus fest etabliert. Zahlreiche Prämierungen durch Fachmagazine und Siege bei Publikumswahlen dokumentieren die Markenbekanntheit im ostösterreichischen Raum. Mit der nun eingeleiteten Suche nach unternehmerischen Partnern in allen österreichischen Bundesländern läutet das Familienunternehmen die Transformation zu einem nationalen Systemgastronomen ein, der die traditionelle italienische Küchenkultur mit den wirtschaftlichen Vorzügen moderner Logistik verknüpft.