Flughafen Dresden (Foto: Flughafen Dresden GmbH, Michael Weimer)
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Wirtschaftlicher Druck in Sachsen: Lufthansa zieht Bodenpersonal aus Leipzig und Dresden ab

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Die Lufthansa-Gruppe vollzieht einen harten Einschnitt an den sächsischen Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden und entläßt ihr gesamtes Bodenpersonal an diesen Standorten. Von der Maßnahme sind rund 130 Mitarbeiter der Konzerntöchter Airport Services Leipzig GmbH (ASL) und Airport Services Dresden GmbH (ASD) betroffen.

Als Hauptgrund nannte die Fluggesellschaft die wirtschaftlich unrentable Situation, welche durch hohe Betriebskosten und eine unzureichende Erholung des innerdeutschen Flugverkehrs nach den Belastungen der vergangenen Jahre bedingt sei. Mit dem Wechsel zum Winterflugplan Ende Oktober sollen die Aufgaben der Lufthansa-Tochterfirmen an zwei Unternehmen der Mitteldeutsche Flughafen AG übergehen. Der Schritt wirft ein Schlaglicht auf die kritischen Rahmenbedingungen des Luftverkehrsstandortes Deutschland.

130 Mitarbeiter vor dem Verlust des Arbeitsplatzes

Die Entscheidung der Lufthansa, das Bodenpersonal an den beiden sächsischen Airports abzuziehen, wurde von der Konzernsprecherin Anja Lindenstein bestätigt, nachdem bereits regionale Zeitungen wie die „Leipziger Volkszeitung“ und die „Sächsische Zeitung“ darüber berichtet hatten. Die betroffenen Angestellten der ASL und ASD waren bisher für die Abfertigung der Lufthansa-Maschinen sowie für die Flugzeuge der Konzerngeschwister Eurowings, Austrian Airlines und Swiss zuständig. Diese Dienstleistungen umfaßten unter anderem die Gepäckabfertigung, die Einweisung der Flugzeuge und verschiedene logistische Aufgaben auf dem Rollfeld.

Der Verlust von rund 130 Arbeitsplätzen in der Region ist ein empfindlicher Schlag für die betroffenen Familien und die lokale Wirtschaft. Die Lufthansa hat zwar zugesichert, daß für die betroffenen Beschäftigten ein „sozial fairer und überdurchschnittlicher Ausgleich für den Verlust ihrer Arbeitsplätze“ vereinbart wurde. Zudem bestehe die Möglichkeit, sich auf freie Stellen innerhalb des Lufthansa-Konzerns zu bewerben, was laut Lindenstein bereits in Teilen geschehe. Dennoch bedeutet die Maßnahme eine Zäsur für die Mitarbeiter, die oft langjährig in der Luftfahrtbranche tätig waren.

Verschlechterte Rahmenbedingungen und hohe Abgaben

Die Lufthansa begründet den drastischen Schritt mit den „sich seit Jahren verschlechternden Rahmenbedingungen am Luftverkehrsstandort Deutschland“. Ein zentraler Kritikpunkt der Airline sind die unverhältnismäßig hohen staatlichen Abgaben, welche das Fliegen innerhalb Deutschlands erheblich verteuerten. Zu diesen Abgaben zählen beispielsweise die Luftverkehrsteuer und verschiedene Gebühren, die den Fluggesellschaften auferlegt werden. Die Lufthansa und andere deutsche Fluggesellschaften führen seit geraumer Zeit Klage darüber, daß diese staatlichen Belastungen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Flughäfen im europäischen Vergleich schwächten.

Besonders der innerdeutsche Flugverkehr habe sich nach den tiefgreifenden Einschränkungen der vergangenen Jahre nicht ausreichend erholt, um die Kostenstruktur der Lufthansa-Töchter in Sachsen zu tragen. Die ASL und ASD konnten demnach zuletzt keine positiven Ergebnisse mehr erwirtschaften, was die Konzernführung zur Konsolidierung zwang.

Die Lufthansa-Gruppe, als eine der führenden Luftverkehrsgesellschaften Europas, steht unter permanentem Kostendruck, insbesondere im Segment der Kurz- und Mittelstreckenflüge, wo sie in direktem Wettbewerb mit europäischen Billigfliegern steht. Diese Low-Cost-Carrier agieren oft mit schlankeren Kostenstrukturen und nutzen Flughäfen mit geringeren Gebühren.

Die Zukunft der Bodendienste in Sachsen

Mit dem Rückzug der Lufthansa-Tochterfirmen übernehmen zwei Dienstleister der Mitteldeutsche Flughafen AG die Bodenabfertigungsdienste für die Lufthansa-Gruppe in Leipzig/Halle und Dresden. Die Mitteldeutsche Flughafen AG, welche die Flughäfen betreibt, wird somit eine noch zentralere Rolle in der Abwicklung des Flugverkehrs an diesen Standorten einnehmen. Die Übertragung der Dienstleistungen auf die flughafeneigenen Tochterfirmen ist ein gängiger Weg in der Luftfahrt, um Kosteneffizienz zu gewährleisten und betriebliche Synergien zu nutzen.

Die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden sind für die sächsische Wirtschaft und den Tourismus von Bedeutung. Die Kontinuität der Bodenabfertigungsdienste ist daher für die Aufrechterhaltung des Flugplans unerläßlich. Die Lufthansa-Entscheidung sendet jedoch ein klares Signal an die Politik und die Flughafenbetreiber: Die wirtschaftliche Basis des regionalen Flugverkehrs in Deutschland ist fragil und erfordert eine Überprüfung der Gebühren- und Abgabenstruktur, um die Rentabilität für die Fluggesellschaften zu sichern und Arbeitsplätze zu erhalten.

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