Der europäische Ultra-Low-Cost-Carrier Wizz Air mit Hauptsitz in Budapest, Ungarn, hat eine tiefgreifende Überarbeitung seiner Flotten- und Expansionsstrategie angekündigt. Bis zum Jahr 2033 plant die Fluggesellschaft, eine nahezu homogene Flotte aus 368 Flugzeugen des Typs Airbus A321neo zu betreiben. Dieser strategische Kurswechsel beinhaltet die Reduzierung der Bestellungen für das Langstreckenmodell A321XLR und eine klare geographische Neuausrichtung hin zu den Kernmärkten in Zentral- und Osteuropa sowie im Kaukasus. Im Zuge dieser Konsolidierung zieht sich Wizz Air von Stützpunkten an Hochkostenstandorten wie Wien und Abu Dhabi zurück.
Die Entscheidung, die Flotte fast vollständig auf den A321neo umzustellen, zielt auf die Maximierung der Betriebseffizienz ab. Der A321neo, das größte Modell der A320-Familie, ermöglicht Wizz Air die Steigerung der Kapazität pro Flug und die Senkung der Stückkosten. Mit aktuell über 240 Flugzeugen, betrieben unter Gesellschaften wie Wizz Air Malta und Wizz Air UK, bedient der Carrier bereits Ziele in weiten Teilen Europas, Nordafrika, dem Nahen Osten sowie in Süd- und Zentralasien. Die neue Strategie soll das Wachstumspotenzial in den historisch starken Märkten der Airline festigen.
Der Fahrplan zur reinen A321neo-Flotte
Die geplante Flottenumstellung ist ein mehrstufiger Prozess, der bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts abgeschlossen sein soll. Wie Aviation Week berichtete, sieht der Plan vor, ältere Flugzeuge, darunter einen Großteil der kleineren Airbus A320 sowie ältere A321-Modelle, bis zum Ende des Geschäftsjahres 2029 aus dem aktiven Dienst zu nehmen. Lediglich neuere A320neo und A320 könnten dem überarbeiteten Plan zufolge noch bis 2033 in der Flotte verbleiben.
Der Fokus liegt klar auf dem A321neo: Mit 368 fest eingeplanten Einheiten dieses Typs wird Wizz Air die Konsolidierung hin zu einem einzigen, maximal kapazitätsstarken Schmalrumpfflugzeug vorantreiben. Ursprünglich verfolgte die Fluggesellschaft das Ziel, bis 2030 eine Flottengröße von 500 Flugzeugen zu erreichen. Dieses quantitative Ziel tritt nun hinter der strategischen Qualitäts- und Effizienzvorgabe einer reinen A321-Flotte zurück.
Die Entscheidung für den A321neo ist typisch für Ultra-Low-Cost-Carrier, da das Flugzeug die höchste Anzahl an Sitzen bei minimalem Pilotierungs- und Wartungsaufwand bietet. Die Homogenität der Flotte, die bis auf elf strategische A321XLR-Jets reduziert wird, führt zu erheblichen Einsparungen bei der Schulung des Personals, der Wartung und der Ersatzteilhaltung.
Geographische Neuausrichtung und Rückzug aus Hochkostenstandorten
Die neue Strategie von Wizz Air beinhaltet einen klaren geographischen Fokus. Die Airline kehrt zu ihren Wurzeln zurück und konzentriert sich auf die Märkte in Zentral- und Osteuropa sowie der Kaukasusregion, in denen sie historisch gesehen eine starke Marktposition innehat.
Dieser Strategiewechsel beinhaltet den Rückzug von Flugzeugen aus Hochkostenstandorten. Wizz Air hat angekündigt, Basen in Wien und Abu Dhabi aufzugeben, um sich auf Regionen zu konzentrieren, in denen sie 75 Prozent ihrer gesamten Geschäftstätigkeit unterhält. Der Rückzug aus Wien zielt darauf ab, Ressourcen aus dem stark umkämpften westeuropäischen Markt abzuziehen.
Die Einstellung des Betriebs von Wizz Air Abu Dhabi im September 2024, einem Joint Venture, das 2019 in Partnerschaft mit der Abu Dhabi Developmental Holding Company (mit 51 Prozent Beteiligung) gegründet wurde, ist ein weiteres Indiz für die Konsolidierung. Obwohl Wizz Air Abu Dhabi Routen in Europa, Ägypten, Bahrain, Irak, Israel, Kasachstan, Kirgisistan, Malediven, Oman, Russland und Usbekistan bediente, erwies sich das Projekt als nicht nachhaltig im Sinne der neuen Unternehmensstrategie. Zwar bleiben Flüge nach Abu Dhabi von europäischen Basen wie Budapest, Katowice und Sofia weiterhin im Programm, aber die dortige Basis wird aufgelöst.
Im Gegenzug plant Wizz Air die Errichtung neuer Basen an strategisch wichtigen Orten in Osteuropa und den angrenzenden Regionen:
- Polen: Warschau Modlin (neue Basis)
- Bosnien & Herzegowina: Tuzla
- Armenien: Eriwan (Yerevan)
- Slowakei: Bratislava
Darüber hinaus werden zusätzliche Flugzeuge an bestehenden Basen in Albanien (Tirana), Bulgarien (Sofia), Mazedonien (Skopje), Moldawien (Chisinau) und Polen (Katowice, Wroclaw, Krakau, Danzig) stationiert. Wizz Air erwartet, dass diese neuen Basen bereits ab 2027 kostenneutral arbeiten werden.
Reduzierte Langstreckenambitionen und stabiles Wachstum
Ein auffälliges Element der neuen Flottenplanung ist die erhebliche Reduzierung der Bestellungen für den Langstrecken-Schmalrumpfjet Airbus A321XLR. Wizz Air hat einen Großteil dieser Bestellungen in A321neo-Modelle umgewandelt und die Auslieferungspläne in das nächste Jahrzehnt verschoben. Nur elf A321XLR verbleiben in der Bestellung, was die ursprünglichen Transatlantik- oder Asien-Ambitionen stark relativiert. Der Fokus liegt nun primär auf der Verdichtung und Stärkung des kontinentalen europäischen und regionalen Nahost-Netzwerks.
Trotz der Verschiebung von Auslieferungen und der Reduzierung der Flottenziele geht Wizz Air von einem jährlichen Kapazitäts- und Sitzwachstum von 10 bis 12 Prozent bis zum Ende des Jahres 2030 aus. Dieses Wachstum soll durch die Nutzung der höheren Kapazität des A321neo auf den profitabelsten Routen im osteuropäischen Kerngeschäft erreicht werden.
Wizz Air agiert in Konkurrenz zu anderen europäischen Low-Cost-Carriern wie Ryanair und easyJet und hat, wie diese, den Flugverkehr in Europa revolutioniert. Der Erfolg basiert auf dem No-Frills-Ansatz, der Sitzplätze zum reinen Basispreis anbietet, während Zusatzleistungen wie aufgegebenes Gepäck, Mahlzeiten oder Sitzplatzauswahl kostenpflichtig hinzugebucht werden müssen. Durch die Nutzung sekundärer Flughäfen können diese Fluggesellschaften kostensensitive Reisende mit extrem wettbewerbsfähigen Tarifen anziehen und ihnen die Möglichkeit geben, weite Teile des Kontinents zu bereisen.