Airbus A321neo (Foto: Steffen Lorenz).
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Wizz Air fordert radikalen Kurswechsel in der Luftfahrtbranche

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Die ungarische Billigfluggesellschaft Wizz Air hat sich am 22. März 2025 in einem öffentlichen Auftritt in Budapest mit eindringlichen Worten an Politik und Industrie gewandt. Der Anlass war die Vorstellung ihres Zukunftsplans zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen bis zum Jahr 2050. Unter dem Titel „Flying Towards Net Zero“ legte das Unternehmen einen ambitionierten Fahrplan vor, der auf fünf tragenden Säulen beruht. Die Airline, die sich selbst als Pionierin im europäischen Luftverkehr bezeichnet, sieht sich dabei nicht nur als Vorreiterin, sondern auch als Mahnerin.

Die internationale Luftfahrtindustrie hatte sich im Rahmen der Ziele der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) bereits vor Jahren darauf verständigt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Doch laut Wizz Air sei von diesem Ziel derzeit wenig zu spüren. Im Gegenteil: Die Fortschritte in der Emissionsminderung seien ins Stocken geraten. Schuld daran sei laut Unternehmensangaben insbesondere die schleppende industrielle Entwicklung und Verfügbarkeit von nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF), der als Schlüsseltechnologie für eine emissionsärmere Zukunft gelte.

„Alle sprechen über SAF als den vielversprechendsten Weg zur Reduktion von Emissionen, aber die Wahrheit ist: Es gibt einfach nicht genug davon. Und was verfügbar ist, ist viel zu teuer“, erklärte Yvonne Moynihan, ESG- und Unternehmensverantwortliche bei Wizz Air. Die Erwartungen der Branche seien von einer zu optimistischen Einschätzung der Produktionskapazitäten ausgegangen.

Die fünf Pfeiler des Fahrplans

Wizz Air stützt ihren „Net Zero“-Plan auf fünf konkrete Maßnahmen:

  1. 53 Prozent Emissionsminderung durch SAF
    Der größte Beitrag soll durch den Einsatz von nachhaltigem Flugkraftstoff erzielt werden. Doch dafür bedarf es nach Ansicht des Unternehmens eines massiven Ausbaus der Produktionsinfrastruktur sowie gezielter staatlicher Förderung.
  2. 21 Prozent durch technologische Innovationen
    Fortschritte in der Entwicklung von Flugzeugen und Triebwerken sollen laut Plan ebenfalls zur Emissionsminderung beitragen. Besonders effizientere Turbinen und aerodynamisch verbesserte Rumpfdesigns stehen dabei im Fokus.
  3. 7 Prozent durch Flottenerneuerung
    Die kontinuierliche Modernisierung der eigenen Flotte, etwa durch den Austausch älterer Modelle gegen den treibstoffsparenderen Airbus A321neo, ist ein weiterer Bestandteil des Konzepts.
  4. 4 Prozent durch Reformen des Luftverkehrsmanagements
    Durch effizientere Flugroutenführung und bessere Koordination im europäischen Luftraum ließe sich laut Wizz Air ebenfalls ein erheblicher Anteil an Emissionen einsparen.
  5. 2 Prozent durch betriebliche Optimierungen
    Darunter fallen Maßnahmen wie reduzierte Bodenlaufzeiten, optimierte Beladung und wartungstechnische Verbesserungen.

Beteiligungen und strategische Partnerschaften

Um den geplanten Einsatz von SAF zu ermöglichen, hat Wizz Air bereits langfristige Kooperationen geschlossen. Dazu zählt eine Vereinbarung mit dem britischen Unternehmen Firefly Green Fuels, das beabsichtigt, eine Produktionsstätte in Essex aufzubauen. Aus dieser Anlage soll Wizz Air über 15 Jahre hinweg bis zu 525.000 Tonnen SAF beziehen. Zudem existiert eine Partnerschaft mit dem finnischen Produzenten Neste, der jährlich 36.000 Tonnen liefern soll.

Diese Verträge zeigen, dass Wizz Air bereit ist, in Vorleistung zu treten. Doch allein könne eine Airline diese Umwälzung nicht stemmen, so der Tenor der Veranstaltung.

Europäische Regulierung unter Beschuss

Ein zentraler Kritikpunkt des Unternehmens richtet sich gegen die gegenwärtige europäische Regulierungspolitik. Diese belaste die Fluggesellschaften finanziell erheblich und verhindere durch überbordende Bürokratie notwendige Innovationssprünge. Wizz Air fordert daher von Regierungen und Regulierungsbehörden eine grundlegende Reform der Rahmenbedingungen.

„Wir brauchen keine wohlklingenden Absichtserklärungen mehr. Es ist an der Zeit zu handeln. Die Politik muß begreifen, daß die Zukunft der Luftfahrt nicht durch Vorschriften, sondern durch gezielte Förderung gesichert wird“, betonte Moynihan.

Flottenpolitik mit Weitblick

Im Jahre 2023 hatte Wizz Air insgesamt 32 neue Airbus A321neo in Dienst gestellt – Maschinen, die nicht nur moderner, sondern auch verbrauchsärmer sind. Dank dieser Investitionen konnte das Unternehmen die durchschnittlichen Emissionen pro Passagierkilometer auf 51,5 Gramm senken. Dies entspricht einem Rückgang von fast sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Airbus A321neo gilt als eines der effizientesten Flugzeuge seiner Klasse und bietet bei gleicher Passagierkapazität eine deutlich verbesserte Treibstoffbilanz. In Verbindung mit einer Optimierung der Auslastung und digitalen Planungsinstrumenten sollen weitere Fortschritte erzielt werden.

Kritik aus der Branche

Die ambitionierten Pläne von Wizz Air stossen jedoch nicht überall auf Zustimmung. Einige Konkurrenten werfen dem Unternehmen vor, mit überzogenen Versprechen von den gegenwärtigen Herausforderungen abzulenken. Brancheninsider mahnen zudem, daß technische Innovationen allein nicht ausreichen würden, solange der Flugverkehr weiter wachse.

Dennoch wird Wizz Airs Engagement allgemein als wegweisend betrachtet. Der Wille, Verantwortung zu übernehmen, und der Versuch, mit konkreten Maßnahmen die Debatte anzustoßen, werden anerkannt.

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