Wizz Air am Flughafen Luqa (Foto: Jan Gruber).
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Wizz Air setzt auf Kundenorientierung und meldet deutliche Fortschritte

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Die Billigfluggesellschaft Wizz Air hat, sechs Monate nach der Einführung ihrer neuen kundenorientierten Strategie „Customer First Compass“, ermutigende Erfolge gemeldet. Auf einer Unternehmensveranstaltung in London am 28. Oktober 2025 verkündete die Airline, dass die umfassende, mit 14 Milliarden Euro dotierte Initiative zu einer Verbesserung der Kundenzufriedenheit um 10% geführt habe. Diese positiven Ergebnisse signalisieren eine strategische Neuausrichtung des sogenannten Ultra-Low-Cost-Carrier-(ULCC)-Modells, weg von der reinen Fokussierung auf den Preis hin zu einer stärkeren Betonung der betrieblichen Effizienz und des Kundenerlebnisses.

Trotz einer signifikanten Ausweitung des Flugbetriebs, mit einer Steigerung der Flüge um 7% im Vergleich zum Vorjahr und einer Spitze von 1.000 Flügen täglich im Sommer, konnte Wizz Air eine durchschnittliche Flugdurchführungsrate von 99,5% erreichen. Diese operative Stärke ist besonders bemerkenswert angesichts der branchenweiten Herausforderungen bei der Verfügbarkeit von Flugzeugen. Mit der neuen Strategie reagiert das Unternehmen auf frühere Kritik und strebt eine Neudefinition des ULCC-Gedankens an, bei dem „incredibly efficient“ (unglaublich effizient) an die Stelle von „cheap“ (billig) treten soll.

Strategische Neuausrichtung und operative Stärke

Die Einführung von „Customer First Compass“ im April 2025 war die Antwort des Unternehmens auf eine Phase nach der globalen Pandemie, in der Wizz Air, wie der Chief Commercial Officer (CCO) Michael Delehant einräumte, „nicht auf seinem besten Niveau“ agierte und „viele enttäuschte Kunden“ verzeichnete. Delehant hob in seiner Rede die positive Reaktion der Mitarbeiter und die Auszahlung der Investitionen hervor, die zu „einem der besten Sommer aller Zeiten“ für Wizz Air und gleichzeitig „einem der besten Sommer in der gesamten Branche“ geführt habe.

Die beeindruckende Steigerung der Flugdurchführungsrate auf 99,5% unterstreicht die verbesserte operative Disziplin. In der Luftfahrtbranche ist eine hohe Completion Rate ein entscheidender Indikator für Zuverlässigkeit und trägt direkt zur Reduzierung von Verspätungen und Annullierungen bei. Angesichts der stark gestiegenen Zahl von Flügen, die im Sommer ihren Höhepunkt erreichten, zeugen diese Zahlen von einer erfolgreichen Bewältigung der logistischen Herausforderungen in der Hochsaison.

Motorenprobleme und Flottenausbau: Der Umgang mit Engpässen

Ein zentrales und weiterhin bestehendes Problem ist die Beeinträchtigung der Flotte durch technische Mängel bei den Triebwerken. Seit 2023 kämpft Wizz Air, ebenso wie andere Betreiber der Airbus A320neo-Familie, mit Pulvermetall-Defekten in den Pratt & Whitney GTF-Triebwerken. Diese Probleme erfordern aufwendige und langwierige Inspektionen, was zur Stilllegung zahlreicher Maschinen führt.

Laut CCO Delehant sind derzeit etwa 41 Flugzeuge bei Wizz Air aufgrund dieser Triebwerksprobleme gegroundet. Die Herausforderung wird durch die stark verlängerten Wartungszeiten verschärft: Während Triebwerke früher in weniger als 100 Tagen repariert werden konnten, kann die Rückkehr einer Maschine aus der Wartung nun bis zu einem Jahr dauern. Zum Höhepunkt der Krise waren mehr als 50 Flugzeuge betroffen. Delehant zeigte sich jedoch optimistisch und erwartet, dass die Zahl der gegroundeten Flugzeuge im nächsten Jahr unter 40 sinken und bis März 2028 auf null reduziert werden kann.

Trotz dieser Schwierigkeiten unterstrich Wizz Air die Wichtigkeit des Flottenausbaus. Die Airline wird im November 2025 einen Meilenstein von 250 Flugzeugen erreichen. Die Flotte besteht hauptsächlich aus modernen Airbus A320- und A321-Maschinen, die als besonders treibstoffeffizient gelten und somit eine grundlegende Säule der Kosteneffizienz im ULCC-Modell bilden.

Fokus auf Osteuropa und schwierige Marktanpassungen

Die geografische Strategie von Wizz Air bleibt primär auf Mittel- und Osteuropa ausgerichtet. Delehant bezeichnete diese Region als den Kernmarkt der Fluggesellschaft, betonte aber gleichzeitig die kritische Bedeutung ausgewählter westlicher Standorte wie London. Insbesondere Polen wurde als ein äußerst wichtiger Kundenmarkt mit einer schnell wachsenden Wirtschaft und einer zunehmend flugbereiten Bevölkerung hervorgehoben.

Allerdings führte die Strategie des konsequenten Kostenmanagements zu schmerzhaften Rückzügen. Als Beispiel nannte Delehant die Einstellung der Flüge von Wien, da sich die Betriebskosten in Österreich in den letzten fünf Jahren im Wesentlichen verdoppelt und damit das ULCC-Modell unrentabel gemacht hätten. Trotz hoher Betriebskosten am London-Gatwick Airport (LGW) versicherte der CCO, dass das Unternehmen „nicht von dort zurücktreten“ werde. Dies verdeutlicht die selektive und flexible Standortstrategie der Airline, die sich nach den strikten Maßstäben der Kosteneffizienz richtet.

Neue Produktinitiativen: Wizz Class und digitale Angebote

Als Teil der kundenorientierten Initiative kündigte Wizz Air die Erprobung neuer Produkte und Dienstleistungen an, die das Angebot über den reinen Flug hinaus erweitern sollen. Zu den Neuerungen gehört „Wizz Play“, ein WLAN-System an Bord, das derzeit auf fünf in Großbritannien stationierten Flugzeugen getestet wird. Das „leichtgewichtige“ Konnektivitätsangebot soll Passagieren Messaging-Dienste und leichtes Streaming ermöglichen, wobei zunächst eine Gebühr für den Internetzugang erhoben werden soll. Ein möglicher vollständiger Rollout der digitalen Bordbestellung und des WLAN-Systems soll in den kommenden Monaten entschieden werden.

Eine weitere Innovation ist die „Wizz Class“, ein neues Geschäftsitzprodukt, das ebenfalls erprobt wird. Gegen einen Aufpreis können Kunden hier den Mittelsitz freihalten, was mehr Platz und Komfort bietet. Dies ist ein Versuch, das ULCC-Modell durch zusätzliche Einnahmequellen zu ergänzen und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Passagiere einzugehen.

Darüber hinaus kündigte Wizz Air eine dritte Welle von Mitgliedschaften für ihr „All You Can Fly“-Programm an. Für 499 Euro pro Jahr wird Kunden in 34 Ländern die Möglichkeit geboten, gegen eine geringe Buchungsgebühr von 9,99 Euro eine große Anzahl von Flügen im gesamten Netzwerk der Fluggesellschaft wahrzunehmen. Mit 10.000 neuen Mitgliedschaften stärkt das Unternehmen seine Kundenbindung und sichert sich im Voraus Einnahmen.

Die Erfolge von „Customer First Compass“ deuten auf eine wichtige Wende in der strategischen Ausrichtung von Wizz Air hin. Durch die Kombination von gesteigerter operativer Zuverlässigkeit, konsequentem Kostenmanagement und der Einführung neuer, ertragsstarker Produkte versucht Wizz Air, die Herausforderungen des Marktes und die Einschränkungen der Triebwerksprobleme zu bewältigen und seine Position als führender Akteur in Mittel- und Osteuropa zu festigen. Die erhöhte Kundenzufriedenheit scheint dabei ein entscheidender Faktor für den weiteren Erfolg zu sein.

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