Der Vorstandsvorsitzende der ungarischen Billigfluggesellschaft Wizz Air, József Váradi, hat öffentlich Interesse an einer Übernahme des Inlandsstreckennetzes der staatlichen rumänischen Fluggesellschaft Tarom gezeigt.
In einem Interview mit dem rumänischen Nachrichtenportal „Hot News“ stellte Váradi die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit einer staatlichen Sanierung des Verlust trächtigen Staatscarriers infrage. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei eine Einstellung des Flugbetriebs von Tarom die logische Konsequenz, da die Airline seit Jahren auf staatliche Beihilfen angewiesen sei. Váradi räumte jedoch ein, dass dafür derzeit der politische Wille in Bukarest fehle.
Die Äußerungen markieren einen strategischen Kursschwenk bei Wizz Air. Noch im Jahr 2025 hatte die Unternehmensführung ein Engagement auf rumänischen Inlandsrouten ausgeschlossen und dies mit der zu hohen Sitzplatzkapazität ihrer Flugzeuge vom Typ Airbus A321 begründet. Nun zieht die Airline den Einsatz des kleineren Airbus A320 für innerrumänische Verbindungen in Betracht. Ähnliche Inlandsnetze betreibt Wizz Air bereits in Italien sowie ab Ende 2026 in Spanien. Zusammen mit der Tochtergesellschaft Wizz Air Malta betreibt die Airline derzeit zehn Basen in Rumänien und strebt einen weiteren Ausbau ihrer Marktposition an.
Die Führung von Tarom wies den Vorstoß von Wizz Air umgehend als unstrukturiert und unseriös zurück. Der rumänische Staatscarrier verwies auf zahlreiche kurzfristige Streckenstreichungen, die Wizz Air in den vergangenen Jahren auf dem rumänischen Markt vorgenommen habe. Tarom betonte, dass eine dominante Stellung der ungarischen Low-Cost-Airline im Falle einer Auflösung des Staatsunternehmens keine verlässliche Anbindung für die Bevölkerung garantiere. Die Fluggesellschaft befindet sich aktuell in einem von der Europäischen Kommission genehmigten Umstrukturierungsprozess und rechnet nach Umsetzung des Sanierungsplans mit der Rückkehr in die Gewinnzone.
Luftfahrtexperten bewerten den Vorstoß von Wizz Air als gezielten Druckversuch auf den rumänischen Luftverkehrsmarkt. Während die europäische Beihilfekontrolle staatliche Stützungsaktionen für defizitäre Fluggesellschaften streng limitiert, nutzen finanzstarke Billigfluggesellschaften die Konsolidierungsphase, um Marktanteile in Osteuropa zu besetzen. Ob Wizz Air tatsächlich in den rumänischen Inlandsverkehr einsteigt, hängt maßgeblich davon ab, wie konsequent die rumänische Regierung den Sanierungskurs bei Tarom durchzieht und ob regulatorische Hürden für den Inlandsmarkt angepasst werden.