Die ungarische Billigfluggesellschaft Wizz Air baut ihre Präsenz in Rumänien weiter aus und eröffnet am Flughafen Brașov-Ghimbav eine neue Basis. Dazu stationiert der Anbieter ein Flugzeug des Typs Airbus A321neo fest an dem im Juni 2023 eröffneten transsilvanischen Flughafen.
Es handelt sich um den zehnten Stützpunkt der Fluggesellschaft auf rumänischem Gebiet. Im Zuge der Stationierung erweitert Wizz Air das Streckennetz ab Brașov ab Dezember um vier neue Flugverbindungen nach Karlsruhe/Baden-Baden, Chișinău, Barcelona und Madrid. Zudem wird die im Sommer ausgesetzte Flugroute nach Nürnberg ab dem 26. Oktober wieder aufgenommen.
Seit der Aufnahme der ersten Linienflüge im August 2023 beförderte Wizz Air nach eigenen Unternehmensangaben über 800.000 Passagiere an dem neuen Standort. Durch die angekündigte Flugplaneskalation erhöht sich das Netz des Anbieters in Brașov auf insgesamt 15 Direktverbindungen. Der Flughafen Brașov-Ghimbav ist der erste in den vergangenen 50 Jahren neu erbaute Verkehrsflughafen Rumäniens und nimmt eine zentrale Rolle bei der verkehrstechnischen Erschließung der Region Transsilvanien ein.
Branchenbeobachter werten die Aufstockung der Flugkapazitäten als Reaktion auf die steigende Nachfrage nach Punkt-zu-Punkt-Verbindungen für Arbeitsmigranten und den Regionaltourismus. Allerdings verweisen Marktkenner auch auf verkehrsinfrastrukturelle Herausforderungen des Standorts. Die anfänglichen Beschränkungen der Betriebszeiten sowie die Abstimmung der Fluglotsenkapazitäten durch die rumänische Flugsicherung ROMATSA hatten in der Startphase des Flughafens für betriebliche Engpässe gesorgt. Auch das Geschäftsmodell von Wizz Air, das stark auf dezentrale Flughäfen setzt, bleibt anfällig für rasche Streckenanpassungen oder -einstellungen bei unzureichender Ertragslage.
Die Positionierung in Brașov verstärkt zudem den Wettbewerb im rumänischen Luftverkehrsmarkt, in dem Wizz Air Marktführer ist. Während traditionelle Netzwerkanbieter wie Tarom mit strukturellen Problemen kämpfen, festigen Billigflieger ihre Marktanteile auf Strecken nach Westeuropa. Die langfristige Auslastung und Rentabilität der neuen Verbindungen nach Deutschland und Spanien wird sich im Zuge der kommenden Winterflugplanperiode erweisen müssen.