Die regionale Luftfahrt in den britischen Kanalinseln erlebt eine Zäsur. Am 13. Februar 2026 hat die staatliche Fluggesellschaft von Guernsey, Aurigny Air Services, den Betrieb ihres letzten verbliebenen Flugzeugs vom Typ Dornier 228-212(NG) eingestellt. Mit dem letzten kommerziellen Flug der Maschine mit dem Kennzeichen G-ETAC, der von Guernsey nach Manchester und zurückführte, endet eine elfjährige Ära dieses Flugzeugtyps in der Flotte des Carriers.
Bereits im Dezember 2025 wurde das Schwestermodell G-OAUR außer Dienst gestellt. Dieser Schritt markiert nicht nur das Ende eines spezifischen Flugzeugmusters, sondern unterstreicht auch die strategische Neuausrichtung der Fluggesellschaft, die nun verstärkt auf Kooperationen und moderne Turboprop-Maschinen setzt, um die anspruchsvolle Anbindung der Insel Alderney sowie wichtige Festlandverbindungen sicherzustellen.
Der Dornier 228: Ein Spezialist verlässt die Bühne
Der Dornier 228 war über ein Jahrzehnt das Rückgrat für die besonders anspruchsvollen Routen im Ärmelkanal. Das Flugzeug, bekannt für seine Kurzstart- und Landeeigenschaften (STOL), war eines der wenigen Modelle, die den Flughafen von Alderney zuverlässig bedienen konnten. Die dortige Landebahn stellt aufgrund ihrer begrenzten Länge von lediglich 877 Metern und der geringen Breite von 18 Metern massive Anforderungen an das Fluggerät. Größere Maschinen, wie die in der Hauptflotte von Aurigny eingesetzten ATR 72-600, können dort unter den aktuellen Bedingungen nicht operieren.
Die nun verabschiedete G-ETAC war mit 7,5 Jahren die jüngere der beiden Maschinen und wurde von Aurigny seit ihrer Auslieferung ab Werk betrieben. Während der Dornier 228 durch seine robuste Bauweise und Zuverlässigkeit bestach, führten wirtschaftliche Überlegungen und die Notwendigkeit einer Flottenvereinheitlichung letztlich zur Ausflottung. Die Wartung einer Kleinstflotte von nur zwei Flugzeugen eines Typs ist im Vergleich zu größeren Verbänden überproportional kostenintensiv.
Nahtloser Übergang durch Wet-Lease-Partnerschaft
Um die lebenswichtige Verbindung zwischen Guernsey, Alderney und Southampton ohne Unterbrechung aufrechtzuerhalten, hat Aurigny bereits im Vorfeld Vorsorge getroffen. Seit November 2025 wird die Route durch eine De Havilland DHC-6-300 „Twin Otter“ bedient. Diese Maschine wird im Rahmen eines Wet-Lease-Abkommens von der britischen Skybus bereitgestellt, einer Fluggesellschaft, die über jahrzehntelange Erfahrung im Inselverkehr zu den Isles of Scilly verfügt.
Aktuell kommt dabei die Maschine mit dem Kennzeichen G-ISSG zum Einsatz. Die Twin Otter gilt als das Paradebeispiel für regionale Konnektivität unter schwierigen Bedingungen. Mit ihrer Fähigkeit, auf extrem kurzen Pisten zu landen und dabei dennoch eine wirtschaftliche Nutzlast zu befördern, ist sie der ideale Nachfolger für den Dornier. Das Abkommen mit Skybus sieht vor, dass die Flugzeuge regelmäßig rotieren, um Wartungsintervalle ohne Dienstausfälle zu gewährleisten. Für die Bewohner von Alderney bedeutet dies eine Fortführung der gewohnten Kapazitäten für Passagiere, Post und medizinische Notfälle.
Infrastrukturprojekte und Zukunft der Inselflüge
Die Entscheidung für die Twin Otter ist auch eine Reaktion auf die stockenden Infrastrukturprojekte auf Alderney. Lange Zeit wurde über eine Verlängerung und Verbreiterung der dortigen Startbahn debattiert, was den Einsatz der größeren ATR 72-600 ermöglicht hätte. Da dieses Vorhaben jedoch aufgrund explodierender Kosten von ursprünglich geschätzten 24 Millionen Pfund auf über 37 Millionen Pfund vorerst reduziert wurde, muss Aurigny weiterhin auf spezialisiertes Kleinfluggerät setzen. Die aktuelle Planung sieht lediglich eine Sanierung der bestehenden Pistenbreite vor, was den Twin Otter für die kommenden Jahre alternativlos macht.
Parallel dazu festigt Aurigny seine Marktposition durch eine Modernisierung der Kernflotte. Das Unternehmen betreibt nun fünf eigene ATR 72-600, die das Rückgrat für die Verbindungen nach London-Gatwick, Southampton und zu anderen britischen Regionalflughäfen bilden. Um die operative Kapazität weiter zu steigern, wurden zuletzt erfahrene Piloten von der mittlerweile aufgelösten Blue Islands übernommen, während bisherige Dornier-Piloten auf die ATR-Flotte umgeschult werden.
Ausweitung der Kooperationen: Das Modell City Airlines und Universal Air
Ein weiterer Baustein der neuen Strategie ist die verstärkte Nutzung von Codeshare-Abkommen und die Vergabe von Aufträgen an Drittanbieter. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür ist die Verbindung von Newquay nach London-Gatwick. Diese Strecke wird im Rahmen einer gemeinwirtschaftlichen Verpflichtung (PSO) bedient. Obwohl die Flüge unter dem Code von Aurigny (GR) vermarktet werden, führt die maltesische Universal Air den operativen Betrieb mit einer De Havilland DHC-8-Q400 durch.
Diese Konstruktion ermöglicht es Aurigny, sein Streckennetz über die Kanalinseln hinaus zu erweitern, ohne die eigene Flotte mit weiteren Flugzeugtypen zu belasten. Die Partnerschaft mit Skybus geht dabei über Alderney hinaus: Ab April 2026 soll eine zusätzliche ATR 72-600 von Aurigny im Design von Skybus für weitere regionale Verbindungen eingesetzt werden. Diese Verflechtung der regionalen Akteure zeigt, dass wirtschaftliche Stabilität in der Nischenluftfahrt zunehmend durch Kooperation statt durch isolierten Eigenbetrieb erreicht wird.
Mit dem Abschied der Dornier 228 endet bei Aurigny ein Kapitel der Eigenständigkeit auf den Kleinstrouten. Die Airline wandelt sich von einem Betreiber vielfältiger Flugzeugtypen zu einem fokussierten Netzwerk-Carrier, der auf den anspruchsvollen Nebenstrecken die Expertise von Partnern wie Skybus nutzt. Für die Passagiere ändert sich wenig am Service, doch hinter den Kulissen schafft dieser Schritt die nötige finanzielle Luft, um die Hauptverbindungen nach Großbritannien und Frankreich in einem wettbewerbsintensiven Markt zu sichern. Der „Baby-Dornier“ wird den Insulanern als zuverlässiges Arbeitstier in Erinnerung bleiben, während die Twin Otter nun übernimmt, um die Distanzen im Ärmelkanal zu überbrücken.