Boeing 787-8 (Foto: Riik@mctr).
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Zu Gunsten von Gatwick: Tui Airways schließt Basis Luton

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Der internationale Reisekonzern Tui strukturiert seine Bases in Großbritannien neu. Das Unternehmen wird sein einziges am London Luton Airport (LTN) stationiertes Flugzeug bis zum kommenden Sommer (2026) vollständig an den London Gatwick Airport (LGW) verlagern. Tui begründet diesen strategischen Schritt mit der deutlich höheren Nachfrage am Flughafen Gatwick und der Notwendigkeit, die langfristige Strategie zur Stärkung der Kerngeschäftsaktivitäten umzusetzen.

Obwohl der Konzern seinen operativen Flugbetrieb in Luton reduziert, bekräftigt er seine Verpflichtung zum Standort, an dem weiterhin die britische Konzernzentrale und ein wichtiger Wartungshangar angesiedelt sind. Die Verlagerung führt jedoch zu Veränderungen für das Kabinenpersonal und die gebuchten Passagiere, deren Flüge nun entweder über Partner-Airlines oder von anderen Flughäfen aus durchgeführt werden.

Strategische Gründe für die Verlagerung

Die Entscheidung zur Verlegung der Basis von Luton nach Gatwick ist Ausdruck einer klaren Prioritätensetzung im britischen Markt. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, dass die höhere Nachfrage und die Notwendigkeit, die Kernaktivitäten zu stärken, ausschlaggebend gewesen seien. Gatwick ist nach London Heathrow der zweitgrößte Flughafen des Vereinigten Königreichs und dient bereits als bedeutendes Drehkreuz für Tui. Durch die Konzentration der eigenen Flugkapazitäten auf den volumenstärkeren Standort Gatwick kann Tui mutmaßlich eine höhere Auslastung und eine effizientere operative Steuerung der Flugzeuge erzielen.

Die Verlegung des Flugzeugs steht im Kontext der globalen Strategie großer Reiseveranstalter, die eigenen Kapazitäten an den Orten zu bündeln, an denen sie die größten Passagierzahlen und die beste Infrastruktur vorfinden. London Gatwick bietet hierbei größere Synergieeffekte und eine höhere Flexibilität für die Streckenplanung, insbesondere im stark umkämpften Charter- und Urlaubsflugsegment.

Die strategische Bedeutung Lutons für Tui bleibt jedoch aufgrund der administrativen und technischen Funktionen bestehen: Dort befindet sich der britische Hauptsitz in Wigmore House sowie ein wesentlicher Wartungshangar der Fluggesellschaft. Obwohl der operative Flugbetrieb mit eigenen Flugzeugen eingestellt wird, betont Tui, dass man dem Standort Luton weiterhin verpflichtet bleibe.

Auswirkungen auf Passagiere und Personal

Die Verlagerung hat unmittelbare Konsequenzen für Passagiere, die bereits Reisen mit Tui ab Luton gebucht haben, sowie für das dort stationierte Kabinenpersonal.

Für die Passagiere: Tui wird weiterhin Reisen ab Luton anbieten, diese jedoch in Zukunft über Partner-Airlines abwickeln. Es wurde bestätigt, dass gebuchte Urlauber, die Flüge ab Luton haben, nun mit Fluggesellschaften wie easyJet und Ryanair reisen werden, die selbst eine starke Präsenz in Luton haben. Alternativ behält sich Tui vor, Passagiere auf Abflüge von anderen Flughäfen umzubuchen, was für Reisende, die auf den Standort Luton angewiesen sind, möglicherweise eine längere Anreise bedeutet. Eine einzige Tui-Flugverbindung nach Palma de Mallorca wird die Verbindung aufrechterhalten, indem sie auf dem Hin- und Rückflug in Luton einen Zwischenstopp einlegt, um Passagiere aufzunehmen oder abzusetzen. Diese Teillösung dient der Aufrechterhaltung einer direkten Tui-Präsenz für eine der wichtigsten Urlaubsrouten.

Für das Personal: Das Kabinenpersonal, das bisher in Luton stationiert war, ist von der Entscheidung direkt betroffen. Das Unternehmen führt derzeit Konsultationen mit der betroffenen Belegschaft. Mitarbeitern wurde die Möglichkeit angeboten, an andere Flughäfen zu wechseln, an denen Tui eigene Flugzeuge stationiert hat (beispielsweise Gatwick, Manchester, Birmingham), oder eine Abfindungsregelung in Anspruch zu nehmen. Angestellte, die in der britischen Konzernzentrale in Wigmore House arbeiten, sind von den operativen Änderungen im Flugbetrieb nicht betroffen. Die Zentrale selbst plant ohnehin einen Umzug in das nahegelegene Capability Green, da der Mietvertrag für Wigmore House ausläuft.

Der historische Kontext des Standorts Luton

Die Reduzierung des Tui-eigenen Flugbetriebs in Luton ist bemerkenswert, da der Flughafen historisch tief mit der Vorgängergesellschaft des Konzerns verwurzelt ist. Die Fluggesellschaft, die Tui im Rahmen der Übernahme der Thomson Travel Group im Jahr 2000 erwarb, war die Britannia Airways. Britannia Airways wurde ursprünglich 1961 als Euravia in Luton gegründet und entwickelte sich zur damals größten Ferienfluggesellschaft der Welt.

Dieser historische Bezug macht die heutige Entscheidung, die eigene Flugbasis zu verlegen, zu einem symbolischen Wendepunkt. Trotz der Umbenennung der Britannia Airways in Thomsonfly im Jahr 2004 und der späteren Integration in die Tui-Marke wird die Verbindung zur Historie weiterhin in der Luftfahrtlogistik gepflegt: Tui-Flüge verwenden bis heute das Kürzel TOM, ein Vermächtnis der Thomson Travel Group. Die physische Präsenz der Konzernzentrale und des Wartungshangars in Luton sichert jedoch, dass der Flughafen weiterhin eine wichtige Rolle in der Unternehmensstruktur spielt, wenn auch primär in der Verwaltung und Wartung statt im Linienflugbetrieb.

Marktentwicklungen und die Rolle von London Gatwick

Die Verlagerung zugunsten von Gatwick spiegelt die anhaltende Konsolidierung des Charterflugmarktes wider. Gatwick, mit seiner besseren Anbindung an London und das gesamte südöstliche Großbritannien, bietet eine höhere Dichte an potenziellen Passagieren und eine bessere Wettbewerbsfähigkeit. Tui reagiert damit auf die Marktdynamik, die von einem harten Preiskampf und dem Bedarf an effizienter Nutzung der Flugzeuge geprägt ist.

Durch die Konzentration der eigenen Ressourcen auf einen großen Flughafen kann Tui die Skaleneffekte besser nutzen. Gleichzeitig erlaubt die Nutzung von Partner-Airlines wie easyJet und Ryanair in Luton, die Nachfrage an diesem regional wichtigen Flughafen weiterhin zu bedienen, ohne die eigenen knappen Flugkapazitäten dort binden zu müssen. Diese Hybridstrategie, eigene Kapazitäten an den wichtigsten Drehkreuzen zu bündeln und regionale Nachfrage über Partner abzuwickeln, wird zunehmend von großen Reiseveranstaltern verfolgt, um die operative Flexibilität zu maximieren.

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