Flughafen Rostock-Laage (Foto: Marcus Sümnick).
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Zukunft des Flughafens Rostock-Laage ungewiß: Verkauf wirft Fragen zur Rolle im Tourismus auf

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Der Verkauf des Flughafens Rostock-Laage durch die Zeitfracht-Gruppe an die Berliner Industriebeteiligungsgesellschaft Crisp Partners hat in Mecklenburg-Vorpommern eine Debatte über die künftige Rolle des Luftverkehrs für den Tourismus entfacht.

Während Touristiker die dringende Notwendigkeit betonen, den Flughafen für den zivilen Betrieb zu erhalten, um Gäste aus dem von Hitzewellen geplagten Südeuropa anzuziehen und den Kreuzfahrttourismus auszubauen, prüft die Bundeswehr ihrerseits die Auswirkungen des Eigentümerwechsels auf die militärische Nutzung. Die Zukunft des Flughafens, der schon in der Vergangenheit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, hängt nun von einem komplexen Geflecht aus wirtschaftlichen Interessen, touristischen Hoffnungen und den strategischen Plänen des deutschen Militärs ab.

Ein neuer Eigentümer und die Hoffnungen der Tourismusbranche

Nach turbulenten Jahren und häufigen Eigentümerwechseln steht der Flughafen Rostock-Laage erneut vor einer ungewissen Zukunft. Die Zeitfracht-Gruppe, die den Flughafen seit 2019 betrieben hatte, gab den Verkauf an die Berliner Investmentgesellschaft Crisp Partners bekannt. Dieser Schritt löste in der regionalen Tourismusbranche umgehend Reaktionen aus. Die Stimmen sind sich einig: Der Flughafen müsse als unverzichtbare Infrastruktur für den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern gesichert werden.

Kai Otto, der Chef des Reiseveranstalters PTI Panoramica in Roggentin, faßte die Sorgen und Hoffnungen in einem Brief an die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Wirtschaftsminister Wolfgang Blank zusammen. Er argumentiert, daß der Norden Europas für Reisende aus südlichen Regionen zunehmend attraktiver werde, da die Menschen den extremen Sommerhitzen entfliehen wollten. In diesem Kontext sei der Flughafen ein entscheidender Ankunftsort für Urlauber, der einen „deutlichen Incoming-Zuwachs“ generieren könnte. Als Vorbild nannte Otto die skandinavischen Märkte, die bereits seit Jahren von solchen Entwicklungen profitierten.

Diese Ansicht wird auch vom Landeschef des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Lars Schwarz, geteilt. Wie die „Ostsee-Zeitung“ berichtete, sieht Schwarz das Land in der Pflicht, sich stärker für den Flughafen einzusetzen. Er bezeichnete die gescheiterte Privatisierung als „große vergebene Chance und vergebenes Potenzial“ und betonte, daß das „Tourismusland Nummer eins“ noch immer weit davon entfernt sei, ausländische Gäste im großen Maße anzuziehen.

Die Zahlen des Wirtschaftsministers Blank stützen diese Aussage. Laut seinen Angaben lag der Anteil ausländischer Touristen an den Gesamtübernachtungen im Jahre 2024 bei lediglich rund 983.000 Übernachtungen, was etwa drei Prozent der insgesamt 32,9 Millionen Übernachtungen entspricht. Blank sieht hierin ein großes, noch ungenutztes Potential.

Die ungewisse Rolle der Bundeswehr am Standort

Der Flughafen Rostock-Laage ist ein sogenannter „Dual-Use“-Flughafen, das heißt, er wird sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Ein großer Teil des Areals wird vom Taktischen Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ der Bundeswehr verwendet, das als einziger Verband der deutschen Luftwaffe mit dem Kampfflugzeug Eurofighter Typhoon beheimatet ist. Die zivile Nutzung des Flugplatzes ist vertraglich geregelt, wobei der zivile Teil des Flugplatzes, über den der zivile Flugverkehr abgewickelt wird, im Eigentum des Bundes steht.

Auf Anfrage erklärte eine Sprecherin der Bundeswehr, daß der Eigentümerwechsel der zivilen Betreibergesellschaft eine Überprüfung der Auswirkungen auf die militärische Nutzung nach sich ziehe. Dabei stehe vor allem die Frage im Raum, ob und in welcher Form die bestehende zivil-gewerbliche Mitbenutzung fortgeführt werden kann. Diese Prüfung ist von entscheidender Bedeutung, da sie die Grundlage für die künftige Arbeit des neuen Eigentümers bildet. Die militärischen Interessen der Bundeswehr haben hier Priorität, was die Planungen für den zivilen Teil des Flughafens erheblich einschränken könnte.

Die Militärbasis in Laage ist strategisch wichtig für die deutsche Luftwaffe, insbesondere für die Pilotenausbildung und die Luftsicherheit über Norddeutschland. Die enge Verzahnung von ziviler und militärischer Nutzung birgt immer ein gewisses Konfliktpotential und stellt den Flughafen vor besondere Herausforderungen. Ohne eine klare Einigung und vertragliche Absicherung mit der Bundeswehr können Investitionen in den zivilen Teil des Flughafens kaum getätigt werden, was die Entwicklungschancen stark einschränkt.

Ein Flughafen mit bewegter Geschichte und geringer Wirtschaftlichkeit

Die Geschichte des Flughafens Rostock-Laage als ziviler Standort ist von finanziellen Problemen geprägt. Er wurde Ende der 1980er Jahre als Militärflugplatz eröffnet und erst nach der Wiedervereinigung für den zivilen Luftverkehr freigegeben. Jahrzehntelang wurde der Flughafen von einer Gesellschaft betrieben, an der unter anderem die Stadt Rostock und der Landkreis Rostock beteiligt waren. Der Mangel an rentablen Flugverbindungen und die hohen Betriebskosten führten jedoch regelmäßig zu Verlusten, die von den öffentlichen Gesellschaftern ausgeglichen werden mußten.

Der Verkauf an die Zeitfracht-Gruppe im Jahre 2019 sollte eine neue Ära der Privatisierung einleiten. Doch die Hoffnungen auf einen Aufschwung wurden nicht erfüllt. Die Zahl der Flugverbindungen blieb überschaubar. Vorwiegend saisonale Charterflüge zu Urlaubszielen am Mittelmeer und gelegentliche Städtereisen waren im Flugplan zu finden. Der Ausbruch der Coronapandemie verschärfte die Situation zusätzlich und ließ die Passagierzahlen auf ein Minimum sinken. Die fehlende ganzjährige Rentabilität des zivilen Flugbetriebs und die Abhängigkeit von wenigen touristischen Strecken ließen das Privatisierungsmodell in den Augen von Kritikern als gescheitert erscheinen.

Die neue Eigentümerin, Crisp Partners, übernimmt nun einen Flughafen mit geringen Passagierzahlen, aber mit großem Potential, das es erst zu erschließen gilt. Das Unternehmen muß in den kommenden Monaten einen Weg finden, um den Flughafen wirtschaftlich zu betreiben, ohne die finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite in Anspruch nehmen zu müssen.

Das Potential als Drehkreuz für den Kreuzfahrthafen Warnemünde

Ein zentrales Argument der Befürworter eines Ausbaus des zivilen Flugverkehrs in Laage ist der Kreuzfahrttourismus in Rostock-Warnemünde. Der Hafen gehört zu den wichtigsten Kreuzfahrtdestinationen Deutschlands. Die meisten Passagiere reisen jedoch auf dem Landweg an.

  • Ein gut angebundener Flughafen in unmittelbarer Nähe zum Kreuzfahrthafen könnte eine strategische Brücke für internationale Passagiere schaffen.
  • Insbesondere für Gäste aus Großbritannien, Frankreich oder den skandinavischen Ländern wäre eine schnelle Anreise per Flugzeug von Vorteil.
  • Ein verstärkter Flugverkehr könnte dazu beitragen, daß die Region anstatt nur als Durchgangsstation für die Kreuzfahrtschiffe auch als attraktive Destination für einen längeren Aufenthalt wahrgenommen wird.

Kreuzfahrttouristen sind in der Regel einkommensstarke Reisende, die zusätzliche Einnahmen für die lokale Hotellerie, Gastronomie und den Einzelhandel generieren. Die Vision der Touristiker ist es, eine nahtlose Reisekette zu schaffen, die von der Ankunft am Flughafen bis zum Einschiffen am Kreuzfahrtschiff reicht. Die Verwirklichung dieser Pläne hängt jedoch entscheidend von der künftigen Ausrichtung des neuen Eigentümers ab.

Neue Eigentümer, neue Pläne? Die Rolle von Crisp Partners

Die Crisp Partners GmbH ist eine Berliner Beteiligungsgesellschaft, die sich auf Investitionen in Unternehmen mit Entwicklungspotential spezialisiert hat. Im Gegensatz zur Zeitfracht-Gruppe, die aus dem Logistiksektor stammt, hat Crisp Partners bisher keine ausgewiesene Erfahrung im Management von Flughäfen. Ihr Fokus liegt eher auf der Sanierung und Neuausrichtung von Geschäftsmodellen. Dies könnte bedeuten, daß der neue Eigentümer einen radikalen Kurswechsel anstrebt, um den Flughafen profitabel zu machen.

Mögliche Szenarien für die Zukunft sind vielfältig.

  • Der neue Eigentümer könnte den Fokus auf den Frachtverkehr legen, der in der Vergangenheit nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat.
  • Es ist auch denkbar, daß Crisp Partners den Flughafen als reine Gewerbefläche betrachtet, auf der sich andere Unternehmen ansiedeln könnten.
  • Eine Weiterentwicklung als ziviler Flughafen, wie von den Touristikern erhofft, würde hohe Investitionen erfordern, um ein attraktives Streckennetz aufzubauen und die notwendige Infrastruktur zu modernisieren.

Der neue Eigentümer muß in den kommenden Monaten klären, wie er die vielfältigen Anforderungen und Interessen in Einklang bringen will. Dabei spielt die Verhandlung mit der Bundeswehr eine Schlüsselrolle. Die Entscheidung wird nicht nur die Zukunft des Flughafens bestimmen, sondern auch die touristische Entwicklung einer ganzen Region maßgeblich beeinflussen.

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1 Comment

  • Marlin , 16. August 2025 @ 13:27

    Der erste Satz ist an Schizophrenie und Wahnsinn kaum zu überbieten.

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