Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine verzeichnet die Bundeswehr eine anhaltend hohe Zahl von Drohnensichtungen über militärischen Einrichtungen in Deutschland. Wie ein Sprecher des Operativen Führungskommandos mitteilte, wurden in den vergangenen Jahren mehrere Hundert mutmaßliche Überflüge erfasst.
Das Meldeaufkommen betrifft vorrangig einzelne Unbemannte Luftfahrzeuge, in Einzelfällen wurden jedoch auch Formationen mehrerer Drohnen registriert. Die Bundeswehr ordnet diese Vorfälle in das erweiterte Spektrum hybrider Bedrohungen wie Spionage, Sabotage und Cyberangriffe ein.
Die jüngsten Vorfälle verdeutlichen die anhaltende Sicherheitsrelevanz der Thematik. Über einem Militärstützpunkt im nordrhein-westfälischen Mechernich wurden zwei unidentifizierte Drohnen gesichtet, woraufhin die Bundeswehr die Ermittlungen an die zuständigen Polizeibehörden übergab. Zudem sorgte der Fund einer mit Sprengstoff und Zünder bestückten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle für Aufsehen. Der Fundort lag in zeitlicher und räumlicher Nähe zu ukrainischen Transportflugzeugen. Aufgrund des Verdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen in diesem Fall übernommen.
Sicherheitsexperten und Militäranalysten weisen darauf hin, dass die Abwehr von Kleindrohnen für die Streitkräfte und zivile Sicherheitsbehörden weiterhin eine erhebliche technische und rechtliche Herausforderung darstellt. Zwar veranlassten die zuständigen Stellen verstärkte Schutzmaßnahmen und den Einsatz moderner Detektionssysteme, jedoch erschweren unklare Zuständigkeiten zwischen Polizei, Bundespolizei und Bundeswehr im Inlandsbereich oft ein schnelles Durchgreifen. Kritiker mahnen daher eine zügigere Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Drohnenabschuss über kritischer Infrastruktur an.
Zusätzlich zur militärischen Spionagegefahr beeinträchtigen unbefugte Überflüge zunehmend den Betrieb von Flughäfen und logistischen Drehkreuzen. Die systematische Erfassung und Auswertung von Drohnensichtungen erfordert eine engere Vernetzung der Nachrichtendienste und Ermittlungsbehörden auf Bundes- und Landesebene. Wie die Auswertung der bisherigen Vorfälle zeigt, bleibt das Risiko von gezielten Stör- und Ausspähaktionen an sensiblen Standorten in Deutschland bis auf Weiteres hoch.