Embraer 175 (Foto: Ken Iwelumo).
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Zunehmende Fälle von unruhigem Passagierverhalten: Ein Vorfall auf American Airlines und die steigende Problematik

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Am 10. März 2025 erlebte American Airlines auf einem Flug von Savannah, Georgia, nach Miami, Florida, einen erschütternden Vorfall. Ein Passagier zeigte ungewöhnliches und aggressives Verhalten, das letztlich zu einem Zwischenfall führte, bei dem eine Flugbegleiterin körperlich angegriffen wurde. Der Vorfall ist der jüngste in einer Reihe von Zwischenfällen, die das zunehmende Problem des unruhigen und gewalttätigen Passagierverhaltens in der Luftfahrtbranche verdeutlichen.

Der Vorfall ereignete sich auf einem American Eagle-Flug, der mit einer Embraer E175 von Savannah/Hilton Head International Airport (SAV) nach Miami International Airport (MIA) unterwegs war. Laut einem von der „WPLG Local 10“-Nachrichtensender veröffentlichten FBI-Bericht begann der Passagier, der mit seiner Schwester reiste, ungewöhnliches Verhalten zu zeigen, als er an Bord des Flugzeugs war. Der Mann forderte seine Schwester auf, „die Augen zu schließen und zu beten, weil die Jünger Satans sie auf den Flug begleitet hätten“.

Ungefähr nach dem Start eskalierte die Situation. Mehrere Passagiere berichteten, dass sie besorgt wurden, als der Mann scheinbar einen epileptischen Anfall hatte. Er solle laut Zeugenaussagen „schreien, stampfen und zittern“ – Verhaltensweisen, die die Besatzung alarmierten. Eine Flugbegleiterin ging daraufhin zu dem Passagier, um ihn zu überprüfen. Doch anstatt zu kooperieren, drehte sich der Passagier um und trat der Flugbegleiterin mit voller Wucht in die Brust. In der Folge begann der Mann, die Sitzlehne vor ihm zu treten und zu schlagen, was dazu führte, dass der Passagier, der in dem Sitz saß, aufstand, um sich in Sicherheit zu bringen.

Notwendige Flugumkehr nach Savannah

Die Situation verschärfte sich weiter, und die Piloten beschlossen, den Flug umzuleiten. Das Flugzeug kehrte zurück nach Savannah, um dort zu landen. Als das Flugzeug den Flughafen wieder erreichte, stürmte der Passagier in Richtung der Ausstiegstür und versuchte, eine weitere Flugbegleiterin zu schlagen. Letztlich wurde er von anderen Passagieren überwältigt, die versuchten, die Situation zu beruhigen.

Bei der anschließenden Befragung durch die Behörden erklärten der Mann und seine Schwester, dass sie nach Haiti reisen würden, um „spirituelle Angriffe“ zu entkommen. Die Schwester des Mannes gab an, dass ihr Bruder „die Rosenkranzperlen geschluckt habe, weil diese eine Waffe der Stärke im spirituellen Krieg darstellen“.

Ein weiteres gewalttätiges Verhalten innerhalb weniger Tage

Der Vorfall auf dem Flug von Savannah nach Miami war bereits der zweite Vorfall innerhalb weniger Tage. Am 5. März 2023 ereignete sich ein ähnlicher Vorfall auf einem American Eagle-Flug von Wichita nach Washington, D.C. Ein Passagier, der an Bord des Fluges war, begann ohne ersichtlichen Grund, verbal aggressiv zu werden, als der Flug kurz vor der Landung war. Der Passagier, dessen Verhalten sich schnell verschärfte, ging auf eine Flugbegleiterin zu, drohte ihr und griff einen anderen Passagier an, der mit seinem Handy filmte.

Anstieg von unruhigem Passagierverhalten

Solche Vorfälle sind in den letzten Jahren nicht ungewöhnlich. Berichte über aggressive oder gewalttätige Passagiere, die sich in der Luft nicht an die Vorschriften halten und die Ordnung stören, nehmen zu. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) definiert einen „unruhigen Passagier“ als jemanden, der sich weigert, die Regeln am Flughafen oder an Bord eines Flugzeugs zu respektieren oder den Anweisungen der Flugbegleiter und des Bodenpersonals zu folgen. Dies umfasst unter anderem verbale oder körperliche Auseinandersetzungen, Bedrohungen für die Sicherheit des Flugzeugs oder der Passagiere, sowie sexuelle Belästigung oder die Weigerung, Sicherheitsanweisungen zu befolgen.

Die Pandemie führte zu einem Anstieg solcher Vorfälle, als die Belastungen und Unsicherheiten aufgrund der Gesundheitskrise zu einem psychischen Druck für viele Passagiere führten. Doch auch in den letzten Monaten scheint sich das Problem zu verschärfen. Faktoren wie die zunehmend stressige Atmosphäre in Flughäfen, lange Warteschlangen, Ängste beim Fliegen, sowie der Konsum von Alkohol oder Drogen könnten zu dieser steigenden Zahl von Zwischenfällen beitragen.

Ursachen für unruhiges Passagierverhalten

Es ist schwierig, eine einzelne Ursache für den Anstieg von gewalttätigem und unruhigem Verhalten zu benennen. Luftfahrt ist ein Bereich, der naturgemäß mit vielen Stressfaktoren verbunden ist – von den langen Wartezeiten am Flughafen bis hin zu den physischen und psychischen Anforderungen eines Fluges. Diese Faktoren können dazu führen, dass sich die Passagiere während des Flugs unsicher oder unwohl fühlen, was unter bestimmten Umständen zu aggressivem Verhalten führen kann. Zudem können Alkohol oder Drogen eine Rolle spielen, indem sie das Verhalten von Passagieren weiter destabilisieren.

Die psychischen Belastungen, die mit der aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheit und den steigenden Ticketpreisen einhergehen, könnten ebenfalls einen Teil der Ursache für diese Vorfälle darstellen. Der Druck, der durch die fortgesetzte Unsicherheit in der Reisebranche entsteht, kombiniert mit den typischen Stressfaktoren des Flugreiseerlebnisses, könnte zu einer Zunahme von Vorfällen in der Luftfahrt führen.

Umgang mit unruhigen Passagieren in der Luft

Obwohl die Zahl der Vorfälle zunimmt, sind die Fluggesellschaften gut darauf vorbereitet, mit solchen Situationen umzugehen. Flugbegleiter und Piloten sind speziell darin geschult, unruhige Passagiere zu beruhigen und, wenn nötig, die Situation zu deeskalieren. In vielen Fällen gelingt es der Besatzung, das Verhalten noch an Bord des Flugzeugs zu kontrollieren, ohne dass es zu größeren Störungen kommt. In schwerwiegenderen Fällen – wie auch in den beiden beschriebenen Vorfällen – wird das Flugzeug umgeleitet, um das Problem schnell zu lösen und die Sicherheit aller an Bord zu gewährleisten.

Die steigende Zahl der Vorfälle könnte jedoch auch zu einer verstärkten Diskussion darüber führen, wie Fluggesellschaften und Behörden in Zukunft mit solchen Vorfällen umgehen sollen. Einige Experten schlagen vor, dass strengere Vorschriften und zusätzliche Maßnahmen zur Vermeidung von Gewalt in der Luft eingeführt werden sollten, um sowohl das Wohl der Passagiere als auch das der Crew zu schützen.

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