Boeing 737-Max-10 (Rendering: Boeing).
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Zuversicht in Dublin: Ryanair rechnet mit termingerechter Auslieferung der Boeing 737 Max 10

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Der Chef der Ryanair-Gruppe, Michael O’Leary, hat seine bisherige Skepsis revidiert und rechnet nun fest mit der planmäßigen Auslieferung der ersten Boeing 737 Max 10 im Frühjahr 2027. Seine gesteigerte Zuversicht basiert auf einer schriftlichen Zusicherung seitens des US-amerikanischen Flugzeugherstellers Boeing.

Die Zusage erfolgte durch die Chefin von Boeing Commercial Airplanes, Stephanie Pope, und steht im Kontext anhaltender Verzögerungen bei der Zertifizierung der größten Variante der 737 Max-Familie durch die US-Luftfahrtbehörde FAA. Die Max 10 ist für Ryanair von entscheidender Bedeutung, da sie eine zentrale Rolle in der Expansions- und Flottenstrategie des irischen Low-Cost-Riesen spielt.

O’Learys Kehrtwende in der Prognose

Noch im Vormonat hatte Michael O’Leary seine Erwartungen bezüglich der Erstauslieferung der Max 10 an seine Airline als „optimistisch, aber nicht zuversichtlich“ beschrieben. Diese vorsichtige Haltung spiegelte die generelle Besorgnis in der Luftfahrtindustrie wider, die in den letzten Jahren wiederholt mit Verzögerungen bei der 737 Max-Familie konfrontiert war.

Auf einer kürzlich abgehaltenen Pressekonferenz präsentierte O’Leary jedoch eine klare Kehrtwende. „Sie haben uns schriftlich bestätigt, daß sie erwarten, diese Max 10 im Frühjahr 2027 an uns zu liefern. Wir glauben nicht, daß es irgendwelche Verzögerungen bei unserer ersten Auslieferung geben wird“, erklärte der irische Manager. Als Grundlage für diese neue Sicherheit nannte O’Leary ein persönliches Gespräch mit Boeing Commercial Airplanes-Chefin Stephanie Pope, in dessen Folge die Zusage schriftlich fixiert worden sei. Boeing strebe demnach die endgültige Zertifizierung der Max 10 bis zum dritten Quartal 2026 an.

Die Zertifizierung als größte Hürde

Die optimistischen Zeitpläne von Boeing stehen im direkten Zusammenhang mit den langwierigen und komplexen Zertifizierungsprozessen der FAA nach den zwei verheerenden Unfällen der 737 Max 8 in den Jahren 2018 und 2019. Die US-Luftfahrtbehörde hat ihre Prüfstandards seitdem deutlich verschärft.

Die 737 Max 10 und die kleinere Max 7 sind die letzten beiden Varianten der Max-Familie, deren Zulassung noch aussteht. Nach dem derzeitigen Plan wird erwartet, daß die FAA zuerst die Max 7 zuläßt, bevor die finale Freigabe für die größere Max 10 erfolgen kann. Die Max 10 erfordert aufgrund ihrer Länge und der damit verbundenen neuen Systeme, insbesondere in Bezug auf die Flugsicherheit, eine besonders gründliche Prüfung.

Die ursprünglichen Pläne Boeings, die Max 10 bereits vor Jahren in Dienst zu stellen, wurden durch die Sicherheitskrise und die daraus resultierenden Verzögerungen durchkreuzt. Berichte aus der Branche deuteten immer wieder auf eine Verschiebung der Erstauslieferung bis in das Jahr 2027 oder sogar darüber hinaus hin. Die nun erfolgte schriftliche Zusage an Ryanair zeigt den enormen Druck, unter dem Boeing steht, um die versprochenen Lieferzeiten für einen seiner wichtigsten Großkunden einzuhalten.

Strategische Bedeutung der Max 10 für Ryanair

Für die Ryanair-Gruppe ist die pünktliche Auslieferung der Max 10 von elementarer Bedeutung. Der Low-Cost-Carrier hat eine massive Bestellung für dieses Flugzeug aufgegeben, das in seiner Flotte das Rückgrat des künftigen Wachstums bilden soll. Die Max 10 bietet eine höhere Sitzplatzkapazität als die bisherigen Max 8-Modelle, was perfekt zur Ryanair-Strategie paßt, die Betriebskosten pro Sitzplatz kontinuierlich zu senken. Die höhere Kapazität ermöglicht es der Airline, mit geringfügig mehr Treibstoff und Personal deutlich mehr Passagiere zu befördern.

Ryanair ist bekannt für seine Aggressivität bei der Aushandlung von Flugzeugbestellungen und für das strikte Einhalten der Lieferzeiten. Die Airline gilt als einer der härtesten Verhandlungspartner von Boeing. O’Learys öffentlicher Druck und seine frühere Skepsis waren Teil einer Taktik, um Boeing dazu zu bewegen, alle Anstrengungen zu unternehmen, die vereinbarten Zeitpläne einzuhalten.

Die gesamte Luftfahrtbranche beobachtet die Entwicklungen bei Boeing genau, da die Zuverlässigkeit des Herstellers bei der Erfüllung seiner Lieferverpflichtungen in Frage gestellt wurde. Die jüngsten Produktionsfehler bei anderen 737 Max-Varianten haben das Vertrauen in die internen Qualitätskontrollen von Boeing zusätzlich geschwächt. Die Max 10 gilt daher als ein Gradmesser für die Fähigkeit des Herstellers, die Krise zu bewältigen und zur gewohnten operativen Stabilität zurückzukehren.

Die schriftliche Bestätigung von Stephanie Pope an Ryanair kann somit als ein Versuch Boeings interpretiert werden, die Beziehung zu einem seiner Schlüsselkunden zu stabilisieren und ein Zeichen an den gesamten Markt zu senden, daß man zuversichtlich ist, die behördlichen Zulassungen in Washington zeitgerecht zu erhalten.

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