Heckflossen von Air Europa am Flughafen Madrid (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Zwischenfall bei der Landung in Palma de Mallorca: Air Europa Maschine verliert Rad auf der Landebahn

Werbung

Ein Flugzeug des Typs Boeing 737-800 der spanischen Fluggesellschaft Air Europa ist am Freitagabend auf dem Flughafen Palma de Mallorca in eine gefährliche Situation geraten. Bei der Landung der aus Madrid kommenden Maschine mit der Registrierung EC-OBP löste sich nach ersten Erkenntnissen eines der Räder des Hauptfahrwerks, woraufhin das Flugzeug in Schräglage auf der Piste zum Stillstand kam.

Der Vorfall ereignete sich gegen 20:20 Uhr und löste umgehend einen Großeinsatz der Rettungskräfte aus. Da das Flugzeug die Landebahn blockierte und aufgrund der Neigung ein sicheres Verlassen über die herkömmlichen Treppen zunächst nicht möglich war, mussten spezielle Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet werden. An Bord befand sich eine beachtliche Anzahl an Passagieren, darunter prominente Vertreter der mallorquinischen Tourismusbranche, die auf dem Rückweg von Terminen in der spanischen Hauptstadt waren. Während die genaue Ursache für den technischen Defekt noch Gegenstand laufender Untersuchungen durch die staatlichen Luftfahrtbehörden ist, blieb der Flughafenbetrieb für mehrere Stunden erheblich beeinträchtigt.

Details zum Unfallhergang und die Reaktion der Rettungskräfte

Der Flug UX6097 befand sich im Endanflug auf die Baleareninsel, als es beim Aufsetzen auf der Landebahn zu dem folgenschweren Defekt kam. Augenzeugen und Passagiere berichteten von einem ungewöhnlich harten Schlag und metallischen Geräuschen unmittelbar nach dem Kontakt mit dem Boden. Das Fahrwerk hielt der Belastung durch das fehlende Rad nicht vollständig stand, wodurch die Boeing 737 zur Seite sackte. Die Piloten schafften es jedoch, die Maschine auf der Bahn zu halten und sicher zum Stillstand zu bringen, bevor sie unkontrolliert ausbrechen konnte. Sofort nach dem Stillstand wurde Alarm ausgelöst, woraufhin die Flughafenfeuerwehr sowie zahlreiche medizinische Teams zum Flugzeug eilten.

Die Feuerwehr sicherte die Maschine umgehend gegen einen möglichen Brandausbruch, da durch die Reibung der Fahrwerksteile auf dem Asphalt hohe Temperaturen und Funkenflug entstanden waren. Nachdem die Experten der Feuerwehr Entwarnung hinsichtlich einer Brandgefahr gegeben hatten, begann die koordinierte Evakuierung. Da die Maschine in einer instabilen Schräglage verharrte, mussten die Passagiere unter größter Vorsicht über das verbleibende Fahrwerk und mobile Rampen aus dem Flugzeug geführt werden. Der Einsatz am Boden wurde durch die einsetzende Dunkelheit erschwert, verlief jedoch laut ersten Berichten der Flughafenbetreibergesellschaft AENA ohne Panik unter den Reisenden.

Besondere Aufmerksamkeit erregte der Vorfall auch aufgrund der Passagierliste. Da der Flug UX6097 eine wichtige Verbindung zwischen der Hauptstadt Madrid und dem touristischen Zentrum Mallorca darstellt, befanden sich zahlreiche Entscheidungsträger aus dem Hotelsektor und der Reisebranche an Bord. Viele von ihnen waren zuvor in Madrid zu Verhandlungen und Branchenveranstaltungen zusammengekommen. In ersten Stellungnahmen zeigten sich die Betroffenen erleichtert über den glimpflichen Ausgang. Es wurden keine schweren Verletzungen gemeldet, wenngleich einige Passagiere wegen leichter Schocksymptome oder kleinerer Prellungen durch das medizinische Personal vor Ort betreut werden mussten. Die Fluggesellschaft Air Europa hat die Betreuung der Fluggäste im Terminal übernommen und kümmerte sich um den Weitertransport sowie das Gepäck, das aufgrund der Lage des Flugzeugs erst mit Verzögerung entladen werden konnte.

Auswirkungen auf den internationalen Flugverkehr

Der Flughafen Palma de Mallorca gehört zu den meistfrequentierten Drehkreuzen im Mittelmeerraum. Da die beschädigte Boeing 737-800 eine der Hauptlandebahnen blockierte, kam es unmittelbar zu Auswirkungen auf den gesamten Flugplan. Zahlreiche ankommende Flüge mussten in Warteschleifen verharren oder zu Ausweichflughäfen wie Menorca, Ibiza oder Barcelona umgeleitet werden. Auch bei den Abflügen kam es zu massiven Verspätungen, da die Kapazitäten des Flughafens durch die Sperrung der Piste zeitweise halbiert waren.

Die Bergung des Flugzeugs gestaltete sich als technisch anspruchsvoll. Da ein Rad fehlte und die Achse teilweise auf dem Boden auflag, musste schweres Gerät angefordert werden, um die Maschine anzuheben und auf einen speziellen Transporter zu hieven. Erst nachdem die Piste von Trümmerteilen gereinigt und die Asphaltfläche auf Schäden untersucht worden war, konnte der reguläre Betrieb in vollem Umfang wieder aufgenommen werden. Die Flughafenleitung riet Reisenden, sich vorab über den Status ihrer Flüge zu informieren, da sich die Verzögerungen bis in den nächsten Vormittag zogen.

Untersuchung der technischen Ursachen

Die spanische Kommission zur Untersuchung von Unfällen in der Zivilluftfahrt (CIAIAC) hat die Ermittlungen aufgenommen. Im Fokus steht dabei die Wartungshistorie der Maschine mit dem Kennzeichen EC-OBP. Ein Radverlust beim Aufsetzen ist in der modernen Luftfahrt ein seltenes Ereignis und deutet entweder auf einen Materialfehler, eine fehlerhafte Montage beim letzten Reifenwechsel oder eine extreme mechanische Überbeanspruchung hin. Die Ermittler haben das verlorene Rad sowie die Überreste des Fahrwerks sichergestellt, um metallurgische Untersuchungen durchzuführen.

Auch die Daten des Flugdatenschreibers sowie des Stimmenrekorders im Cockpit werden ausgewertet, um festzustellen, ob es bereits während des Fluges oder im Anflug Anzeichen für Probleme gab. Zudem wird geprüft, ob die Landung unter besonders schwierigen Wetterbedingungen stattfand, die eine harte Landung provoziert haben könnten. Air Europa betonte in einer ersten Presseerklärung, dass das Unternehmen vollumfänglich mit den Behörden kooperiere und die Sicherheit der Fluggäste zu jedem Zeitpunkt oberste Priorität habe. Die Boeing 737-800 ist als zuverlässiges Flugzeugmuster bekannt, weshalb dieser spezifische Defekt weltweit das Interesse von Sicherheitsexperten weckt.

Der Vorfall rückt die strengen Wartungsprotokolle der europäischen Luftfahrt erneut in das Licht der Öffentlichkeit. Jedes Bauteil eines Fahrwerks unterliegt präzisen Inspektionsintervallen. Die Untersuchung wird klären müssen, ob diese Intervalle eingehalten wurden und ob bei der letzten Inspektion Anzeichen von Materialermüdung übersehen wurden. Da das Hauptfahrwerk beim Aufsetzen einer Boeing 737 tonnenschwere Lasten innerhalb von Sekundenbruchteilen abfangen muss, führen kleinste Risse oder lockere Bolzen unweigerlich zu strukturellem Versagen. Brancheninsider weisen darauf hin, dass die Fluggesellschaften unter einem hohen Kostendruck stehen, die Sicherheitsstandards in der EU jedoch so engmaschig sind, dass solche Zwischenfälle im Regelfall durch präventive Maßnahmen verhindert werden. Der Ausgang dieses Falls könnte weitreichende Empfehlungen für andere Betreiber dieses Flugzeugtyps zur Folge haben.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung