Ein schwerer Zwischenfall im nepalesischen Flugverkehr hat am 2. Jänner 2026 den Flughafen Bhadrapur im Osten des Landes erschüttert. Eine Maschine des Typs ATR 72 der führenden privaten Fluggesellschaft Buddha Air kam bei der Landung nicht rechtzeitig zum Stillstand und schoss weit über das Ende der befestigten Piste hinaus.
An Bord des Fluges mit der Nummer 901 befanden sich insgesamt 51 Passagiere sowie vier Besatzungsmitglieder. Während das Flugzeug erst kurz vor einem Flussbett zum Erliegen kam, meldeten die örtlichen Behörden mehrere Leichtverletzte unter den Insassen. Der Vorfall führt erneut zu einer Debatte über die anspruchsvollen Bedingungen im nepalesischen Luftraum und die Sicherheitsstandards auf regionalen Flughäfen, die oft durch schwierige geografische Gegebenheiten und wechselhafte Witterung geprägt sind.
Der Flug Buddha Air 901 war am Morgen planmäßig in der Hauptstadt Kathmandu gestartet. Ziel der Reise war Bhadrapur, ein wichtiger Knotenpunkt für den Handel und Reiseverkehr im Distrikt Jhapa, nahe der indischen Grenze. Die Maschine, eine ATR 72-500 mit der Registrierung 9N-AMF, gilt als das Rückgrat der regionalen Luftfahrt in Nepal. Bis zum Anflug auf den Zielflughafen verlief die Reise ohne gemeldete Unregelmäßigkeiten. Gegen Mittag setzte das Flugzeug auf der Landebahn in Bhadrapur auf, konnte jedoch trotz eingeleiteter Bremsmanöver die Geschwindigkeit nicht ausreichend verringern.
A Buddha Air plane carrying 51 passengers and 4 crew members veered off the runway while attempting to land at Bhadrapur airport in Nepal. The aircraft, registered as 9N-AMF and tracked as an ATR 72-500 turboprop, did not result in any injuries. Authorities confirmed that all… pic.twitter.com/GZ1boDWu8k
— News9 (@News9Tweets) January 3, 2026
Ereignisse am Boden und Bergungsmaßnahmen
Augenzeugen und erste Medienberichte aus Nepal beschreiben dramatische Szenen am Ende der Rollbahn. Die Maschine durchbrach die Begrenzung und rutschte rund 200 Meter über das Pistenende hinaus in unwegsames Gelände. Erst unmittelbar vor der Böschung eines angrenzenden Flussbettes kam das Wrack zum Stillstand. Die Rettungskräfte des Flughafens waren binnen weniger Minuten am Unfallort, um die Evakuierung der Passagiere einzuleiten. Da die Maschine stabil blieb und kein Feuer ausbrach, konnten alle 55 Personen das Flugzeug verlassen.
Mehrere Insassen erlitten durch die Wucht des Aufpralls und das abrupte Stoppen im Gelände leichte Verletzungen, vorwiegend Prellungen und Schnittwunden sowie Anzeichen von Schocksymptomen. Sie wurden zur medizinischen Erstversorgung in umliegende Krankenhäuser gebracht. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich schwierig, da das schwere Fluggerät im weichen Boden nahe des Flussbetts feststeckte und schweres Gerät herangeschafft werden musste, um die Maschine zu sichern und weitere Schäden zu vermeiden. Der Flughafen Bhadrapur wurde für den weiteren Flugbetrieb vorübergehend gesperrt.
Analyse der Flugbedingungen in Nepal
Die Luftfahrt in Nepal gilt aufgrund der topografischen Lage als eine der herausforderndsten weltweit. Bhadrapur liegt zwar in der Terai-Ebene und damit nicht in den extremen Hochgebirgsregionen des Himalaya, doch auch hier sorgen klimatische Faktoren wie plötzliche Scherwinde oder eine verringerte Reibung auf der Landebahn durch Feuchtigkeit oft für riskante Situationen. Die Landebahn in Bhadrapur ist im Vergleich zu internationalen Standards begrenzt, was den Piloten wenig Spielraum für Fehler beim Aufsetzpunkt lässt.
Die ATR 72-500 ist für kurze Start- und Landebahnen ausgelegt, doch bei einer Überschreitung des Pistenendes um 200 Meter müssen Experten untersuchen, ob technische Defekte an den Bremsanlagen oder den Schubumkehrsystemen vorlagen oder ob menschliches Versagen eine Rolle spielte. Die nepalesische Zivilluftfahrtbehörde (CAAN) hat unmittelbar nach dem Vorfall eine Untersuchungskommission eingesetzt. Diese wird unter anderem die Flugschreiber auswerten, um die genauen Parameter des Landeanflugs zu rekonstruieren.
Technische Details zum Flugzeugtyp
Die betroffene Maschine mit dem Kennzeichen 9N-AMF ist seit mehreren Jahren für Buddha Air im Einsatz. Die ATR 72 ist ein bewährtes Turboprop-Verkehrsflugzeug, das für Kurzstrecken optimiert ist. In Nepal wird dieser Typ aufgrund seiner Wirtschaftlichkeit und der Fähigkeit, auf regionalen Flugplätzen zu operieren, von fast allen großen Gesellschaften bevorzugt. Buddha Air selbst verfügt über eine der modernsten Flotten des Landes und hat in der Vergangenheit stark in die Ausbildung ihrer Piloten und technisches Bodenpersonal investiert.
Dennoch steht die Luftfahrtindustrie in Nepal unter ständiger Beobachtung durch internationale Aufsichtsbehörden. Aufgrund einer Serie von Unfällen in der Vergangenheit stehen nepalesische Fluggesellschaften weiterhin auf der Sicherheitsliste der Europäischen Union, was ihnen den Einflug in den europäischen Luftraum untersagt. Vorfälle wie jener in Bhadrapur werfen Fragen auf, inwieweit die Infrastruktur der regionalen Flughäfen mit der steigenden Anzahl an Flugbewegungen und der Größe der eingesetzten Flugzeuge Schritt halten kann.
Herausforderungen für die regionale Infrastruktur
Der Flughafen Bhadrapur hat in den letzten Jahren ein signifikantes Wachstum der Passagierzahlen erlebt. Als Tor zum Osten Nepals und wichtiger Transitpunkt nach Indien ist die Auslastung der Flüge von und nach Kathmandu konstant hoch. Die Erweiterung und Modernisierung der Start- und Landebahnen sowie der Sicherheitszonen am Ende der Pisten, sogenannte Runway End Safety Areas (RESA), ist ein zentrales Thema der nationalen Verkehrsplanung. Der aktuelle Zwischenfall zeigt deutlich, dass diese Sicherheitszonen über Leben und Tod entscheiden können, wenn eine Maschine die Bahn verlässt.
Die Ermittler werden in den kommenden Wochen prüfen müssen, ob die meteorologischen Bedingungen zum Zeitpunkt der Landung innerhalb der zulässigen Grenzwerte lagen. Nebel und Dunst sind in den Wintermonaten im Osten Nepals keine Seltenheit und können die Sichtweite sowie die Einschätzung der Pistenbeschaffenheit massiv beeinträchtigen. Sollte sich herausstellen, dass die Sicht für eine sichere Landung nicht ausreichend war, könnte dies Konsequenzen für die Anflugprotokolle an regionalen Standorten haben.
Wirtschaftliche Folgen für Buddha Air und den lokalen Markt
Für Buddha Air bedeutet der Vorfall nicht nur einen materiellen Verlust durch die Beschädigung eines ihrer Flugzeuge, sondern auch einen Vertrauensverlust bei den Reisenden. Die Airline hat sich über Jahrzehnte den Ruf erarbeitet, eine der sichersten Optionen im Land zu sein. Ein Unfall dieser Größenordnung führt zwangsläufig zu internen Revisionen der Sicherheitsabläufe. Der wirtschaftliche Schaden durch die Sperrung des Flughafens und die aufwendige Bergung der ATR 72 belastet zudem die regionale Logistikkette, da Bhadrapur ein essenzieller Versorgungsknoten ist.
Branchenexperten fordern nun verstärkt Investitionen in moderne Instrumentenlandesysteme (ILS) für Nepals Regionalflughäfen. Während der internationale Flughafen in Kathmandu über entsprechende Technik verfügt, sind viele kleinere Plätze auf Sichtanflüge angewiesen. Dies erhöht die Fehleranfälligkeit bei schwierigen Wetterlagen. Die Modernisierung dieser Standorte ist eine kostspielige Angelegenheit, wird aber angesichts der Bedeutung des Tourismus und des Handels für die nepalesische Wirtschaft als alternativlos angesehen.
Unfalluntersuchung und internationale Standards
Die Untersuchung durch die nepalesischen Behörden wird voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Dabei wird auch die Zusammenarbeit mit dem Hersteller der ATR-Maschinen in Frankreich gesucht, um mechanische Ursachen auszuschließen. Es ist Standard, dass bei solchen Unfällen auch die Wartungshistorie des betroffenen Flugzeugs akribisch geprüft wird. Die 9N-AMF war bis dato als zuverlässiges Fluggerät bekannt.
Sollten die Ermittlungen ergeben, dass die Bremswirkung auf der Piste durch unzureichende Drainage oder Ablagerungen beeinträchtigt war, stünde die Flughafenleitung in der Kritik. Die Instandhaltung der Oberflächenbeschaffenheit von Landebahnen ist ein kritischer Faktor der Flugsicherheit. In Nepal wird oft bemängelt, dass die finanziellen Mittel für eine kontinuierliche Überprüfung und Sanierung der Asphaltbeläufe an peripheren Standorten nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.
Sicherheitsprotokolle und Evakuierungserfolg
Positiv hervorzuheben ist bei diesem Unglück das Funktionieren der Evakuierungsprotokolle. Trotz der Panik an Bord gelang es der vierköpfigen Besatzung, die Passagiere geordnet aus der Maschine zu führen. Dies verhinderte schwerere Verletzungen, die oft erst nach dem Stillstand des Flugzeugs durch unkoordiniertes Verhalten der Insassen entstehen. Das Training des Kabinenpersonals scheint in diesem Fall gegriffen zu haben, was als Beleg für die Professionalität der Besatzungen von Buddha Air gewertet werden kann.
Die kommenden Tage werden im Zeichen der Bergung des Wracks und der Wiedereröffnung des Flughafens stehen. Für die betroffenen Passagiere bleibt die Erinnerung an einen Moment, in dem eine gewöhnliche Landung in einer Katastrophe hätte enden können. Für die nepalesische Luftfahrt bleibt die Erkenntnis, dass trotz technischer Fortschritte das Risiko im Flugbetrieb allgegenwärtig ist und eine stetige Verbesserung der Infrastruktur und der Pilotenausbildung erfordert. Die Ergebnisse des Untersuchungsberichts werden mit Spannung erwartet, da sie die Richtung für künftige Sicherheitsinvestitionen in der Region vorgeben könnten.