Die griechische Charmeoffensive: Im Sky Express A320neo von Athen nach Rhodos

Airbus A320neo (Foto: Steffen Lorenz).
Airbus A320neo (Foto: Steffen Lorenz).

Die griechische Charmeoffensive: Im Sky Express A320neo von Athen nach Rhodos

Airbus A320neo (Foto: Steffen Lorenz).
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Als im Jahr 2006 die Nachricht die Runde machte, dass der erste russische Billigflieger “SkyExpress” in Kürze den Linienbetrieb zwischen Moskau und Sotschi aufnehmen werde, war mehr als ein Jahr zuvor eine ganz andere Airline gleichen Namens bereits einen Schritt weiter.

Auf der sonnigen Insel Kreta als “The Airline of Crete” gegründet, startete Sky Express Greece bereits seine Dienste. In den vergangenen 15 Jahren blieb man sich in einer Sache treu, eine Vielzahl griechischer Inseln mit Propellerflugzeugen zu verbinden. Dazwischen gab es kleinere Ausflüge. So setzte man 2006 kurzzeitig einen einzelnen Boeing 747-200 Frachter ein und stieg 2009 mit zwei ehemals an Austrian Airlines ausgelieferten MD-83 kurzfristig ins Chartergeschäft ein, um diesen Ausflug bald wieder zu beenden.

Anschließend konzentrierte man sich erneut über mehrere Jahre auf die ATR42/72 Operation innerhalb Griechenlands und an den Wochenenden verschlug es die Propeller-Flotte hin und wieder sogar nach Österreich, unter anderem auf Charterflügen ab Skiathos. Inmitten der Corona-Pandemie im Herbst 2020 überraschte Airbus dann mit einer Ankündigung, dass mit Sky Express ein völlig neuer Airbus-Betreiber gewonnen werden konnte. Bereits wenige Wochen später startete der erste fabrikneue A320neo in Richtung Griechenland. Während Airlines aus aller Welt ihre Bestellungen auf die lange Bank schoben oder gänzlich cancelten, wählte man bei der privaten griechischen Airline den gegenteiligen Weg, frei nach dem Motto “Angriff ist die beste Verteidigung”.

Mit einer völlig überarbeiteten, frischen Lackierung und Corporate Identity und einem neuem Tarifsystem steuert man inzwischen 39 nationale und internationale Ziele an. An den deutschen Flughäfen Hamburg und Dortmund sind die spritsparenden Neo’s inzwischen regelmäßig zu Gast. Auf den neuen Linienflügen von Athen nach London, Paris, Rom oder Brüssel scheut man auch den direkten und teils hart umkämpften Wettbewerb mit der etablierten Konkurrenz nicht und steuert hierbei die großen und internationalen Airports wie Heathrow oder Charles de Gaulle an.

Doch was genau bietet der “neue Mitspieler” außer einem neuen Flugzeug? Immerhin hat Griechenland mit „Aegean“ bereits eine im letzten Jahrzehnt mehrfach als “beste Regionalfluggesellschaft Europas” ausgezeichnete Fluggesellschaft. Da mich mein Scoot Dreamliner Flug ohnehin bereits nach Athen führen sollte, suche ich also in der Reisevorbereitung bereits nach Möglichkeiten zur Weiterreise. Insbesondere auf den Routen von Athen nach Heraklion, Thessaloniki , Larnaca und Rhodos kommen bis auf wenige Ausnahmen täglich die neuen A320neos zum Einsatz. Während der Sommersaison werden auch die angesagten Inseln Santorini oder Mykonos mit den deutlich größeren Jets bedient.

Die Anreise

Anders als bei den letzten Trip Reports möchte ich etwas weniger auf die im Test beflogene Route „ATH-RHO“ eingehen, als auf Sky Express an sich. In der diesjährigen Sommersaison war die A320neo-Flotte über Nacht zu großen Teilen am Flughafen Athen sowie insbesondere an den Wochenenden auf Kreta stationiert.

So wurden ab Heraklion die Flughäfen Hamburg und Dortmund im „DACH“-Gebiet angeflogen, eine Bedienung dieser zwei Destinationen ist (saisonal bedingt) im jetzt laufenden Winterflugplan 21/22 nicht vorgesehen. Ab Athen werden derzeit international die Flughäfen London-LHR, Paris-CDG, Rom-FCO, Brüssel-BRU sowie Larnaca angeflogen, zusätzlich werden in Kürze auch A320neo am Flughafen Thessaloniki stationiert.

Mein Abflug fand allerdings vom Eleftherios Venizelos Airport in Athen statt, welcher im vorliegenden Winterflugplan von 11 Abflughäfen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz regelmäßig angeflogen wird. Ich hatte mich hierbei für die Scoot 787-Variante ab Berlin entschieden, ein ausführlicher Trip Report findet sich unter diesem Link.

Der Check-In / die Lounge in Athen

Für die Inlandsroute von Athen nach Rhodos funktionierte der Web Check-In auf der Homepage tadellos und zügig. Dank diesem Umstand blieb mir zumindest dieses Mal der Gang zum Schalter erspart. Derzeit verfügt Sky Express über keine eigene App, dafür über eine moderne und klar strukturierte Homepage und einen sehr einfach zu handhabenden Web-Check In. Anzumerken ist, dass sich in ALLEN(!) Tarifen sowohl die Fast-Lane in Athen, als auch die „Executive Lounge“ zu einem fairen Aufpreis hinzufügen lässt. Die vom griechischen Bodendienstleister „SkyServe“ betriebene Lounge befindet sich hinter der Sicherheitskontrolle des Athener Flughafens, Tür an Tür zu den Lounges der Mitbewerber.

Bei einem derart günstigen Einstiegpreis war meine Erwartungshaltung niedrig und um ehrlich zu sein, hatte ich eher mit einer Art, (wer sich noch erinnert) „exklusivem Wartebereich“, wie seinerzeit bei Air Berlin der Fall, gerechnet. Das tatsächliche Angebot liegt leicht darüber. Angeboten wird eine eingeschränkte Auswahl an Softdrinks in Flaschen (Wasser, Orangensaft), ein paar süße oder salzige Snacks sowie eine Sorte Sandwich, welches sehr einfach gehalten war. Etwas versteckt (vermutlich absichtlich) waren auch einige Dosen kaltes, griechisches Bier vorhanden. Daneben gibt es bequeme Ledersessel und Sofas und kostenfreies Wifi. Alles in allem ließ sich meine sehr großzügige Wartezeit hier aber in einem sehr angenehmen Rahmen absitzen und war für mich jeden Cent wert. Wer hier allerdings puren Luxus erwartet, sollte sein Geld lieber sparen, es handelt sich, wie erwähnt um ein sehr einfach gehaltenes Angebot.

Das Boarding

Für den Samstagabend-Flug von Athen auf die griechische Insel hatte unser Flugzeug eine Außenposition erhalten. Am Abend startet eine Art „Drehkreuzwelle“, so dass, nahezu parallel, 8 SkyExpress-Flüge binnen 20 Minuten geplant waren. So wurden die Flüge unter anderem nach Korfu, Alexandroupolis, Mytilene, Heraklion oder eben Rhodos nebeneinander geboardet. Nach meinen 4 Stunden Wartezeit freute ich mich auf den Weiterflug und diese „neue“ Airline auf meiner persönlichen Bucketlist.

Während ich also aufmerksam in der Skyserve Lounge den Abfertigungsstand auf der Abflugtafel verfolgte, musste ich feststellen, dass mein Flieger als Letzter mit dem Boarding anfing und ich machte mich daher gemächlich in Richtung der Rolltreppe zum Untergeschoss auf den Weg. Das Boarding für meinen Flieger hatte bereits einige Minuten vorher begonnen und als ich an der Reihe war zum Vorzeigen von Bordkarte, Impfnachweis und ID-Dokument, antwortete die offensichtlich hinter ihrer Maske grinsende Ground Staff Mitarbeiterin in perfektem Deutsch: „Aus Deutschland? Das haben wir hier nicht oft, schönen Flug wünsche ich Ihnen.“

Da der Busfahrer 4 Mitreisende vor mir das Band zum nächsten freien Bus gespannt hatte, blieb Zeit für einen kurzen Plausch, in welchem sich herausstellte, dass die ältere Dame Familie aus der Region Stuttgart hatte und auch ein paar Jahre beruflich dort verbrachte. Alles in allem ein sehr effektiver, entspannter und freundlicher Boardingprozess mit vielen Bussen und kleineren Gruppen (ich hatte den Eindruck von max. 20 Personen je Bus) und daher in Covid-19-Zeiten sehr konform.

Der Sitz und die Kabine

Der am Testtag eingesetzte Airbus mit der Kennung „SX-NIG“ und der MSN9456 ist der „älteste“ der bisher 6 übernommenen Neo´s. Bei diesem A320 handelt es sich allerdings abweichend um einen Sonderling, weshalb eine genaue Einschätzung der Standard Sky Express Kabine nicht möglich ist. Dieser war ursprünglich für die mexikanische Interjet vorgesehen und verfügt über 174 Sitze in einer unspektakulären und branchenüblichen All-Economy-Bestuhlung. Die für den mexikanischen Billigflieger ursprünglich vorgesehene und offensichtlich bereits verbaute Kabine wurde dabei 1:1 übernommen.

Bemerkbar macht sich dies in erster Linie an dem abweichenden hellgrauen Lederbezug der Sitze und den 12 weniger verbauten Sitzen in der Kabine, welche sich, bedingt durch die gewählte Galley- und Lavatory Konfiguration, auch nicht ohne weiteres auf die regulär gewählten 186 Sitze ändern lässt. Etwas ungewöhnlich ist hierbei allerdings der verbaute „mobile Class-Divider“ zur räumlichen Abtrennung der Kabine mit blauen Vorhängen, welcher zwischen den Reihen 3 und 4 angebracht war. Dies ermöglicht es Sky Express, theoretisch, auch kurzfristig ein kontinentales Premium Economy oder Business Class Konzept anzubieten und zu verkaufen. Der hier verbaute Sitz verfügte über USB-Anschlüsse unterhalb der Sitze, welche allerdings auf dem Flug nicht aktiviert waren.
Der Service an Bord (Wifi / Entertainment)

Direkt nach dem Start erfolgte eine ausführliche Serviceansage auf Griechisch und Englisch, in welcher über den kostenfreien Service an Bord aufgeklärt wurde. Parallel dazu reichte die Cabin Crew ein Desinfektionstuch, um die Klapptische noch einmal selbstständig abwischen zu können, sofern gewünscht. Direkt im Anschluss erfolgte der Service, welcher aus alkoholfreien Kalt- sowie Heißgetränken bestand, dazu wurde ein kleiner, griechischer Snack, eine süße Köstlichkeit aus Kreta, gereicht.

Der Airbus war an diesem Abend geschätzt zu 2/3 gebucht, in den vorderen 3 Reihen waren lediglich die Mittelsitze frei geblieben, welche übrigens bereits während des Buchungsprozesses und auch beim Web-Check-In als geblockt angezeigt wurden. Im restlichen Flieger nahm ich lediglich eine sehr überschaubare Anzahl an freigeblieben Sitzen wahr. Bei einer überschaubaren Flugzeit, welche zuvor mit 45 Minuten angegeben worden war, ist dies erfahrungsgemäß ein etwas streßigerer Flug für die Crew, auch bedingt durch die Freiabgabe von Snacks und Getränken. Während des Fluges meldete sich der italienische Kapitän, welcher mit vollem Stolz die Umweltbilanz des A320neo hervorhob sowie „sein wunderschönes Flugzeug an diesem Abend“ ausführlich vorstellte und eine um lediglich 5 Minuten verspätete Ankunft auf der Insel bei immer noch angenehmen 22 Grad am Abend ankündigte.

Zur Zeit des Testfluges Mitte September führte Sky Express außerdem noch ein Gewinnspiel durch, bei dem ein zufällig an Bord ausgeloster Gewinner einen Gutschein für lokale griechische Spezialitäten oder Fluggutscheine verschiedener Höhe erhalten konnte. Dieser Gewinner wurde ebenfalls durch den Kapitän angesagt und führte in den hinteren Reihen in welchen der „Gewinner“ saß, zu spontanem Applaus. Dank eines knackigen Anfluges und direkter Freigabe landeten wir am Ende nach lediglich 37 Minuten und damit 2 Minuten früher als geplant am an diesem Abend erstaunlich leeren Flughafen der griechischen Insel, nach einem kurzen aber schönen Flug.

Der Preis sowie der gewählte Tarif

Sky Express bietet 3 verschiedene Tarife an. „Joy“ – entspricht dem gängigen Economy „Light Tarif“ und beinhaltet die reine Beförderung inklusive eines Handgepäcks von maximal 8 Kilo sowie, als kleines Benefit, zusätzlich ein kostenfreies „Personal Item“. „Joy+“ – entspricht einem Economy „Classic“ Tarif und beinhaltet ein Checked-In-Baggage über 15 Kilo sowie einige Zusatzleistungen im Bereich einer möglichen Umbuchung oder Stornierung. Der Aufpreis gegenüber dem Basis Tarif bei Domestic-Flügen beträgt derzeit lediglich 7€ (One-Way). Wirklich interessant ist aber der dritte Angebote Tarif mit dem Namen „EnJoy“.

Dieser entspricht in erster Linie einem sehr umfangreichen Economy „Flex“ Ticket. Der wirkliche Clou ist aber, dass für einen nahezu lächerlichen Aufpreis von 24,95€ gegenüber einer Buchung zum Einstiegspreis, zum Teil Zusatzleistungen enthalten sind, welche im europäischen Branchenstandard einem Business Class Produkt und/oder Tarif gleichzusetzen sind. Neben einem 8-Kilo Handgepäck und einem persönlichen Gegenstand ist auch ein Checked In Baggage von 23kg inkludiert, daneben eine kostenfreie Sitzplatzreservierung (alle Sitzreihen, alle Sitze gratis wählbar), Fast Lane Security Nutzung oder auch der Loungezutritt am Flughafen Athen.

Das Gesamtpaket lag hier am Tag der Buchung bei einem Preis von 66,94€ für den EnJoy Tarif inklusive sämtlicher Zusatzleistungen, der Einstiegspreis in „Joy“ hätte mich am Tag der Buchung 41,99€ gekostet, in Joy+ 48,99€. Absolut keine Frage, wie meine Wahl getroffen wurde.

Das Fazit des Autors:

Selbstverständlich handelt es sich, wie immer bei einem Tripreport, um eine Momentaufnahme. Müsste ich jedoch meine Sky Express Erfahrung mit einem Wort zusammenfassen, wäre es: HERVORRAGEND! Die Mischung aus einer professionellen, überaus aufmerksamen und freundlichen Crew, kombiniert mit einem hochmodernen Produkt zum absolut niedrigen Einstiegspreis ist eine Bereicherung für Südosteuropa und den dazugehörigen Markt. Anders als beim Hauptrivalen auf innergriechischen Flügen „Aegean“, hat man bei Sky Express derzeit auch ohne Vielfliegerstatus oder einem deutlich teureren Business Class Ticket die Möglichkeit, komfortabel und zum günstigen Preis zu ausgewählten Destinationen in den spritsparenden und leisen A320neos zu reisen.

Mit dem frischen Corporate Design auf Homepage und Jets braucht sich diese „neue“ Sky Express keinesfalls zu verstecken. Wünschenswert wären weitere Schnittpunkte in der „DACH“-Region für diese ECHTE griechische Alternative.

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