Kommentar: Klagenfurt am Weg zurück zur politischen Abwirtschaftung

Flughafen Klagenfurt (Foto: René Steuer).
Flughafen Klagenfurt (Foto: René Steuer).

Kommentar: Klagenfurt am Weg zurück zur politischen Abwirtschaftung

Flughafen Klagenfurt (Foto: René Steuer).
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Der Niedergang des Flughafens Klagenfurt hat bereits vor vielen Jahren seinen Anfang genommen, denn unter der Eigentümerschaft von Stadt Klagenfurt und Land Kärnten wurde nicht nur regelrecht abgewirtschaftet, sondern mit zum Teil dubiosen Subventionen sowie Charter-Deals hat man dem Airport einen bis heute zweifelhaften Ruf eingebracht.

Zur Mitte der 2000er Jahre war in Klagenfurt durchaus viel Betrieb, denn Hapag-Llyod Express (später Tuifly und Air Berlin) waren mit mehreren Strecken präsent. Auch Ryanair hatte einige Routen ab dem Kärntner Flughafen. Die Präsenz war jedoch teuer erkauft, denn den Luftfahrtunternehmen wurde viel Geld gegeben damit diese überhaupt ab Klagenfurt fliegen. Jahre später wurden die Subventionen vom Europäischen Gerichtshof für illegal erklärt.

Kaum floss kein Geld mehr an Air Berlin bzw. Ryanair, verabschiedeten sich die beiden Carrier. Das deutsche Unternehmen forderte damals sogar öffentlich, dass die Subventionen fortgeführt werden müssen oder man alle Strecken einstellen wird. Der irische Konkurrent bezeichnete das Vorgehen in Kärnten als “unverschähmte Gebührenerhöhung” und machte die Fliege.

Das politisch eingesetzte Management meinte mit dem Chartern einer Boeing 757 von Condor eine Lösung für die Deutschland-Flüge gefunden zu haben. Eigens wurde eine neue GmbH gegründet, über die die Tickets verkauft wurden. Der einzige Gewinner dieser Aktion war Condor, denn die deutsche Airline hatte keinerlei Risiko. Egal wie viele Passagiere an Bord waren, Condor bekam die vereinbarten Charterraten. Dass der Maschinentyp Boeing 757 für die Routen nach Hamburg und Berlin viel zu groß war, war eher dem Größenwahnsinn des damaligen Managements geschuldet. Unter der Haider-Landesregierung versenkte man gar einige Millionen Euro in der insolventen Styrian Spirit, deren Präsenz in Klagenfurt eher eine Kurzzeitfliege war.

Die stümperhaften Aktivitäten der Landespolitik und der Umstand, dass die lokale Touristik völlig unfähig ist gemeinsam an einem Strang zu ziehen, haben tiefe Spuren hinterlassen. Bei Fluggesellschaften gilt so das Credo “wo es einmal Geld gibt, geht man nur rein, wenn man auch was bekommt”. Darunter leidet Klagenfurt seit vielen Jahren, denn ohne Zuschüsse will kaum ein Carrier ins Risiko gehen. Dazu kommt, dass der Airport laut Gebührenordnung exorbitant teuer ist und somit unattraktiv für kostspielige Experimente mit neuen Routen ist.

Nachdem man auch in der Landespolitik erkannt hatte, dass der Airport abgewirtschaftet und aufgrund definitiv nicht nachhaltiger Subventionen auch an den Rand des Ruins getrieben wurde, sollte ein Privater alles besser machen. Das Problem an der Sache: Die Politik hat nicht begriffen, dass die öffentliche Hand nicht mehr Mehrheitseigentümer ist und meint weiterhin sich in so ziemlich jedes Projekt einmischen zu müssen.

Lilihill will gerade die ÖVP einen regelrechten Strick daraus drehen, dass aufgrund der Corona-Pandemie nur wenig bis gar nichts vorangeschritten ist. Dabei blendet man aber aus, dass auf Bundesebene genau diese Partei in Zusammenarbeit mit Gesundheitsministern, die sich regelrecht die Türklinke gegeben haben, dafür verantwortlich ist, dass Menschen verängstigt wurden bzw. aufgrund kaum erfüllbarer Einreisebestimmungen gar nicht fliegen konnten. Die in Klagenfurt tätigen Airlines Eurowings und AUA haben ihre Angebote immer wieder aussetzen müssen, was letztlich zum drastischen Einbruch der Passagierzahlen geführt hat. An anderen Flughäfen in Europa, abgesehen von Pristina, war es vergleichbar.

ÖVP-Landesrat Martin Gruber und seine Parteikollegen wollen unbedingt Franz Orasch und seine Lilihill Group, die Rückendeckung von SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser hat, loswerden. Man ist der Ansicht, dass es das Land Kärnten besser kann und daher müsse man den Flughafen zurückkaufen. Kann es die öffentliche Hand wirklich besser? Ein Blick in die Vergangenheit lässt berechtigte Zweifel aufkommen, denn das Abwirtschaften wurde nicht von Lilihill begonnen, sondern eben vom Land Kärnten und der Stadt Klagenfurt. Den Ruf als “Airport, von dem man nur fliegt, wenn es Geld dafür gibt” hat der Kärntner Flughafen noch immer aus der “politischen Ära” am Hals und wird diesen so schnell auch nicht loswerden.

Solange die Kärntner Politik nicht erkennt, dass ein Airport kein politischer Spielball, sondern eine wichtige Infrastruktur mit viel Potential zur Weiterentwicklung ist, hat der Airport leider keine Chance. Sollte auch noch der Landtag den jüngsten Beschluss des KBV-Aufsichtsrats bestätigen, ist erst recht mit Stillstand zu rechnen, denn Lilihill wird sich wohl kaum “wegen Corona” die Mehrheitseigentümerschaft einfach so wegnehmen lassen. Es ist mit jahrelangen Rechtsstreitigkeiten durch alle Instanzen zu rechnen. Egal wie es ausgeht: Die Verlierer sind der Flughafen, der Kärntner Tourismus, aber auch Geschäftsreisende und Outgoing-Urlauber.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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