
Debatte um die Reform der EU-Fluggastrechte: Mitgliedstaaten erteilen Mandat für Verhandlungen über die Verordnung EG 261
In der europäischen Luftverkehrspolitik bahnt sich eine grundlegende Weichenstellung an, die das Verhältnis zwischen Fluggesellschaften und Reisenden nachhaltig verändern könnte. Am 18. März 2026 haben die EU-Mitgliedstaaten der Ratspräsidentschaft das Mandat erteilt, offizielle Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament über eine umfassende Reform der Fluggastrechteverordnung (EG) Nr. 261/2004 aufzunehmen. Diese seit über zwei Jahrzehnten bestehende Regelung gilt international als Maßstab für den Verbraucherschutz im Luftraum. Die nun zur Debatte stehenden Vorschläge des Rates sehen jedoch signifikante Einschnitte vor: So soll die Schwelle für Entschädigungszahlungen bei Verspätungen von bisher drei auf vier Stunden angehoben werden. Zudem steht eine Deckelung der Ausgleichszahlungen auf pauschal 300 Euro im Raum, unabhängig von der tatsächlich zurückgelegten Flugstrecke. Während Befürworter der Reform auf eine notwendige Modernisierung und wirtschaftliche Entlastung der Luftfahrtbranche verweisen, warnen Passagierschutzorganisationen und Rechtswissenschaftler vor einer drastischen Aufweichung bewährter Schutzstandards. Die Verhandlungen starten zudem unter schwierigen Vorzeichen, da innerhalb des Rates keine Einigkeit über die Kernelemente der Reform herrscht und Schwergewichte wie Deutschland ihre Zustimmung zum Verhandlungsmandat ausdrücklich nicht als inhaltliches Einverständnis mit den vorgeschlagenen Kürzungen verstanden wissen wollen. Hintergrund und historische Bedeutung der Verordnung 261 Die Verordnung (EG) Nr. 261/2004 wurde ursprünglich eingeführt, um ein hohes Schutzniveau für Fluggäste sicherzustellen und die Unannehmlichkeiten durch Nichtbeförderung, Annullierung oder große Verspätungen zu minimieren. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich diese Rechtsnorm zu einem effektiven Steuerungsinstrument entwickelt. Laut Expertenmeinungen hat die Androhung von Ausgleichszahlungen in Höhe von bis zu 600 Euro pro Passagier dazu geführt, dass Fluggesellschaften ihre operativen Abläufe optimiert haben, um Verspätungen zu vermeiden.








