
Richtungsentscheidung in der europäischen Luftfahrtindustrie durch die Flottenplanung der Lufthansa
Lufthansa bereitet eine weitreichende Flottenentscheidung vor, die das Kräfteverhältnis zwischen den beiden weltweit führenden Flugzeugherstellern Airbus und Boeing im Segment der Großraumflugzeuge nachhaltig beeinflussen könnte. Wie aus Unternehmenskreisen und internen Mitarbeiterversammlungen hervorgeht, plant der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr für das Frühjahr 2027 eine gezielte Ausschreibung für Langstreckenflugzeuge, die ab dem Jahr 2033 ausgeliefert werden sollen. Im Zentrum dieses industriellen Wettbewerbs stehen zwei Modelle der neuesten Generation: die amerikanische Boeing 777-9 und der europäische Airbus A350-1000. Ungewöhnlich an dieser Ausschreibung ist die klare Vorgabe des Managements, den Auftrag im Topsegment exklusiv an nur ein einziges der beiden Flugzeugmuster zu vergeben. Bislang verfolgte die Fluggesellschaft eine Strategie, bei der Großbestellungen oft auf beide Hersteller aufgeteilt wurden, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Diese Neuausrichtung wird in der Fachwelt als direktes Signal an das unter erheblichem Druck stehende 777X-Programm von Boeing gewertet. Die Vorgeschichte der Lieferverzögerungen und der Wandel der Flottenstruktur Die Notwendigkeit einer derart zugespitzten Ausschreibung resultiert im Wesentlichen aus den jahrelangen industriellen Problemen bei Boeing. Das 777X-Programm, bei dem die Lufthansa als einer der Erstkunden fungiert, leidet unter massiven Verzögerungen. Ursprünglich war die Auslieferung der ersten Maschinen für das Jahr 2020 vorgesehen. Durch Verzögerungen im Zertifizierungsprozess der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration sowie durch technische Probleme bei der Flugerprobung hat sich der Zeitplan um mindestens sieben Jahre nach hinten verschoben. Aktuell visiert der amerikanische Hersteller die ersten Übergaben an Kunden für das erste Quartal 2027 an. Der erste Produktionsflieger im Lufthansa-Design absolvierte im Mai 2026 seinen Erstflug in Seattle. Diese kontinuierlichen Verschiebungen zwangen die Planer








