
Nur nicht Italien!
Zugegeben: Die Überschrift klingt etwas seltsam. Gilt Italien doch völlig zurecht aus vielen Gründen als eines der beliebtesten Reiseländer. Vor mehr als zweihundert Jahren sah die Sache jedoch etwas anders aus. Im 18. Jahrhundert kam es im Bildungsbürgertum und Adel in Mode, eine „Grand Tour“ nach Italien zu unternehmen, man hatte sich ja ausführlich mit antiker Kultur und lateinischer Sprache beschäftigt. Johann Wolfgang von Goethe war neben zahlreichen anderen Schriftstellern, Malern und jungen englischen Lords der prominenteste Italienreisende. Sein ab 1813 in mehreren Teilen erschienener Bericht „Italienische Reise“ ermunterte viele, ebenfalls dorthin aufzubrechen. Doch da gab es einige nicht unwesentliche Unterschiede: Goethe konnte es sich dank Gehaltsfortzahlungen aus Weimar leisten, ziemlich lange unterwegs zu sein (von September 1786 bis Mai 1788), er sprach gut Italienisch und sah über kleine und große Widerwertigkeiten meist großzügig hinweg, denn Italien war seine langersehnte Auszeit von der stressigen Arbeit in Weimar. Manchmal ging es aber auch Goethe zu weit, dann sprach er in einem Brief an seinen Freund Johann Gottfried Herder in Weimar vom „Sauleben dieser Nation“. Anlass zum Ärger gab es oft: Ständig wurde irgendeine Hand für Trinkgelder aufgehalten, es gab unzählige Straßen- und Brückenmauten, Übernachtungen waren am Morgen plötzlich viel teurer als am Abend vereinbart, viele günstigere Unterkünfte waren unter jeder Kritik, das Essen oft ebenso (besonders für Ausländer). Und damals wie heute gilt: Wer großzügig zahlt, ist der Chef, wer kleinlich die Münzen zählt, ist unten durch. Nochmals zu Herder: Von Goethes doch überwiegend positiven Erzählungen aus Rom beeinflusst, wollte er








