Bis dato hat die Billigfluggesellschaft Wizz Air, die in der Vorwoche die Schließung ihrer Basis Wien angekündigt hat, den Verkauf von Flugscheinen nach Mitte März 2026 noch nicht eingestellt. Ist dies ein Indiz dafür, dass Wien doch im Streckennetz bleiben könnte? Die eigene Zukunft sieht man jedenfalls in Bratislava.
Momentan werden die Wien-Routen von Wizz Air Malta und Wizz Air Hungary bedient. Die zuerst genannte Airline hat einige Maschinen auf dem Flughafen Wien-Schwechat stationiert. Allerdings nicht mehr lange, denn im Oktober 2025 beginnt der Abzug, der mit Ende der Winterflugplanperiode 2025/26 abgeschlossen sein soll. Dann ist die Wizz-Basis in der Hauptstadt Österreichs Geschichte.
Auf der Homepage des Anbieters werden aber auch für Termine nach dem angekündigten Abzug Tickets verkauft. Zum Beispiel auf der Route Eriwan-Wien-Eriwan. Bis tief in den Oktober 2026 hinein kann man bei Wizz Air für zahlreiche Routen Tickets kaufen. Was der Carrier während dem Buchungsvorgang verschweigt: Man hat gar nicht die Absicht diese Flüge durchzuführen, denn mit der Schließung der Basis Wien soll auch der komplette Abzug aus der österreichischen Hauptstadt einhergehen. Wien wird künftig nicht mehr im Streckennetz von Wizz Air enthalten sein.
Wizz Air bestätigt: „Keine Wizz-Flüge ab Wien nach dem 15. März 2026“
Rechtlich ist der Umstand, dass man Flugscheine für Termine, an denen der Carrier bereits heute weiß, dass man nicht fliegen wird, problematisch. In Australien kassierte Qantas wegen solcher „Phantomflüge“ eine saftige Geldstrafe. Reisende, die nun gutgläubig bei Wizz Air für Termine nach Mitte März 2026 buchen, haben jedenfalls das Recht auf eine Ersatzbeförderung von/nach Wien und sollten sich nicht mit Wizz-Credits oder „Ersatzflügen“ ab Budapest oder Bratislava abspeisen lassen.
Doch was sagt eigentlich Wizz Air dazu? Wird nur die Basis Wien geschlossen, aber jene Flüge, die mit Maschinen, die ihre Basis woanders haben bleiben? Dazu ein Sprecher des Billigfliegers: „Wir können bestätigen, dass Wizz Air seine Basis in Wien schließen und sämtliche Flüge ab Wien einstellen wird. Der Rückzug erfolgt schrittweise und wird mit 15. März 2026 abgeschlossen sein. Dass aktuell noch einige Verbindungen über diesen Zeitpunkt hinaus auf der Website buchbar erscheinen, liegt an der schrittweisen Umsetzung der Anpassungen im Buchungssystem. Diese Verbindungen werden derzeit sukzessive aus dem Verkauf genommen. Nach dem 15. März 2026 wird Wizz Air keine Flüge mehr ab Wien anbieten.“
Wizz Air hofft auf Zukunft in Bratislava
Erst kürzlich hat Wizz Air angekündigt, dass man in Bratislava eine Basis eröffnen wird. Zunächst will man zwei Maschinen stationieren und behält sich vor eventuell aufzustocken. Blickt man auf das Streckennetz, so werden durchaus Parallelen zur Anfangszeit in Wien – vor etwa sieben Jahren – deutlich. Destinationen wie Athen, Palermo, Neapel und Oslo hatte der Konzern in der Vergangenheit ab Wien im Portfolio, stand jedoch in scharfem Wettbewerb mit Ryanair. Sukzessive ist Wizz Air diesem Wettbewerb „aus dem Weg gegangen“ und hat das Streckennetz so umgestellt, dass es nur noch wenige Überschneidungen gibt. Den Rückzug aus Wien begründet man offiziell mit hohen Standortkosten, allerdings hat sich der pinkfarbene Lowcoster den jahrelangen Preiskampf mit dem irischen Konkurrenten auch viel Geld kosten lassen.
In Bratislava ist Ryanair der Platzhirsch. Zwar hat Wizz Air den slowakischen Airport bereits heute im Streckennetz, jedoch hat man keine Flugzeuge stationiert. Es ist durchaus damit zu rechnen, dass die Iren reagieren werden und sich der einst harte Wiener Preiskampf nach Bratislava verschieben könnte. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass Wizz Air bereits vor einigen Jahren eine Basis in der slowakischen Hauptstadt hatte, diese jedoch geschlossen hat und zeitweise komplett aus Bratislava abgeflogen war. Wie lange der pinkfarbene Billigflieger diesmal präsent sein wird, gilt es abzuwarten.
Die Erwartung von Wizz Air, dass Reisende, die bislang ab Wien-Schwechat geflogen sind, im großen Stil nach Bratislava fahren werden, dürfte durchaus naiv sein. Es mag sein, dass dies in den ersten Jahren der Skyeurope durchaus gelungen ist, aber dies war mit kostenlosen Shuttlebussen, kostenfreiem Parken und unrentablen Dumpingpreisen gepaart mit dem für Lowcost-Operation eigentlich ungeeignetem Muster Embraer 120 teuer erkauft. Zu einem späteren Zeitpunkt „doppelte“ Skyeurope gar die Basis. Damit ist gemeint, dass viele Routen sowohl ab Wien als auch ab Bratislava angeboten wurden, was letztlich dazu führte, dass man einen Preiskampf gegen sich selbst geführt führt. Das Ende ist bekannt.