Flugtickets um 9,99 Euro sind seit einigen Jahren der Hauptangriffspunkt von Umweltschützern gegen die Luftfahrt. Auch Lufthansa-Manager argumentieren regelmäßig dagegen. Eigentlich sind derartige Flugscheine sogar teuer, denn Ryanair und Wizz Air bieten häufig Tickets für noch weniger Geld an.
Ryanair-Group-CEO Michael O’Leary kritisierte erst vor wenigen Wochen die Flugscheinpreise des von ihm geleiteten Konzerns und meinte, dass es absurd wäre, dass eine Fahrkarte von Stansted nach London mehr kostet als der Flug zum drittgrößten Airport der britischen Hauptstadt. Nun meinte der Manager im Gespräch mit dem Radiosender BBC 4, dass es in den nächsten Jahren keinen Spielraum für ultrabillige Flugscheine zwischen einem und zehn Euro geben würde.
Derzeit würde der durchschnittliche Ticketpreis bei Ryanair bei etwa 40 Euro liegen. Michael O’Leary rechnet damit, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Steigerung auf etwa 50 Euro erfolgen würde. Ursächlich dafür wäre insbesondere der stark gestiegene Ölpreis. Momentan profitiert Ryanair davon, dass man im Gegensatz zum Mitbewerber Wizz Air umfangreiches Fuel Hedging betrieben hat.
Doch auch beim pinkfarbenen Konkurrenten geht man davon aus, dass die durchschnittlichen Preise steigen werden. Wizz-Air-Präsident Robert Carey erklärte dazu unter anderem, dass es ein paar Euro nach oben gehen wird. Allerdings unterscheiden sich die Strategien von Ryanair und Wizz Air ein wenig.
Mitbewerber Wizz Air setzt auf teurere Extraleistungen
Der irische Billigflieger will die reinen Flugscheinpreise leicht erhöhen, während man beim Mitbewerber weiterhin davon ausgeht, dass es auch in Zukunft sehr günstige Einstiegsangebote geben wird. Wizz Air hat bereits die Preise für Zusatzleistungen wie zweites Handgepäckstück, Aufgabegepäck und Sitzplatzreservierungen angehoben. Zum Teil fallen die Kosten für die Zusatzleistungen, die von vielen Passagieren in Anspruch genommen werden, deutlich höher aus als beispielsweise im Vorjahr. Bei Ryanair sind diese eher konstant geblieben bzw. bewegen sich etwaige Erhöhungen in einem nicht so offensichtlichen Ausmaß.
Unabhängig davon: Egal, ob ein Flugschein für einen Euro, 9,99 Euro oder 19,99 Euro verkauft wird: Die Airline verdient nur dann Geld, wenn Passagiere Zusatzleistungen wie beispielsweise Sitzplatzreservierungen, Aufgabegepäck oder ein zusätzliches Handgepäckstück kaufen. In vielen Fällen kommt es vor, dass der Koffer teurer mitfliegt als der Passagier. Das ist kein Zufall, denn erst durch die Addition der Zusatzkäufe verdient die Fluggesellschaft Geld. Kauft ein Passagier nichts hinzu und vergisst auch nicht auf den Online-Check-in, dann macht der Carrier bei solchen Billigangeboten Verluste. Die Flughafengebühren sind an fast allen europäischen Airports deutlich höher als 9,99 Euro.
Nicht unterschätzen darf man in der Gesamtkalkulation No-Show-Fluggäste. Diese buchen zumeist lange im Voraus und nutzen ihr Ticket dann nicht. Nur den wenigsten ist bekannt, dass man zumindest die Steuern und Gebühren zurückfordern kann. Selbstverständlich machen es die Airlines so kompliziert wie möglich, denn ein nicht-fliegender Passagier, der die Taxen nicht zurückbekommt, bringt netto mehr ein als ein Reisender, der fliegt, aber nichts dazu kauft.
Alles hat ein Ende: Auch Ryanair wird im kommenden Jahr mehr Geld für Treibstoff ausgeben müssen
Unabhängig von der Kalkulation gerät auch Ryanair zunehmen unter Druck. Noch profitiert man vom Fuel Hedging und dem dadurch vergleichsweise niedrigen Treibstoffpreis. Der Mitbewerber Wizz Air hat derartige Geschäfte während der Corona-Pandemie eingestellt und viel zu spät wieder aufgenommen. Das Resultat ist, dass der pinkfarbene Billigflieger einen horrenden Quartalsverlust verkünden musste, denn beim Treibstoff gilt derzeit noch, dass der tagesaktuelle Pumpenpreis bezahlt werden muss.
Da Hedging-Geschäfte immer auf Zeit abgeschlossen werden, kommt im nächsten Jahr auch der Tag X, ab dem Ryanair mehr für das Kerosin bezahlen muss. Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass eine dauerhafte Erholung auf dem Ölmarkt eintreten können. Das bedeutet, dass auch der irische Lowcoster im kommenden Jahr mehr Geld für das Kerosin ausgegeben muss. Die Gestehungskosten werden sich deutlich erhöhen, so dass Michael O’Leary den Markt darauf vorbereitet, dass Ticketpreise im einstelligen Eurobereich verschwinden können. Allerdings hat dieser Manager schon sehr viel angekündigt und dann etwas gänzlich anderes umgesetzt. Vorstellbar ist auch, dass es Aktionen geben könnte und rein zufälligerweise steigen dann die Kosten für Extraleistungen wie Aufgabegepäck. Klassische Lockvogelangebote eben.
„Ich denke, die Leute werden noch viel empfindlicher für Preise werden und daher ist es meine Sicht, dass viele Millionen nach günstigeren Tarifen Ausschau halten werden“, so Michael O’Leary, der auch kritisiert, dass zahlreiche britische Flughäfen ihre Personalprobleme noch immer nicht in den Griff bekommen haben. Er selbst ist der Ansicht, dass sich Ryanair richtig auf den Sommer 2022 vorbereitet habe, denn inmitten der Omikron-Welle habe man mit Schulungen begonnen und könne nun einen stabilen Flugbetrieb anbieten.