Lauda in Wien: Nur noch fünf A320 – jeder zweite Job akut in Gefahr

Airbus A320 von Lauda Europe (Foto: Jan Gruber).
Airbus A320 von Lauda Europe (Foto: Jan Gruber).

Lauda in Wien: Nur noch fünf A320 – jeder zweite Job akut in Gefahr

Airbus A320 von Lauda Europe (Foto: Jan Gruber).
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Einige Wochen war es bei der Ryanair-Tochter Lauda Europe ruhig, doch nun sorgt ein internes Rundschreiben, das von Geschäftsführer David O’Brien unterfertigt ist, wieder für Wirbel: Der Airline-Chef informierte die Belegschaft, dass Verhandlungen mit dem Flughafen Wien gescheitert sind.

Eingangs schreibt der O’Brien, der auch Geschäftsführer der Konzernschwester Malta Air ist sowie dem Vorstand von Ryanair angehört: „Ich muss leider mitteilen, dass die Verhandlungen von Ryanair mit dem Flughafen Wien über ein Programm zur Wiederherstellung und zum Wachstum des Verkehrs bisher erfolglos waren.“

In Wien sollen ab dem Sommerflugplan 2020 maximal fünf Maschinen betrieben werden. Personal beschäftigt man allerdings für deutlich mehr Flugzeuge. Aus dem vorliegenden Rundschreiben geht auch hervor, dass ein möglicherweise heftiger Stellenabbau nicht ausgeschlossen werden kann. Den will man zwar vermeiden, jedoch wird die Schuld hier für – mal wieder – bei der Regierung, Austrian Airlines und beim Flughafen Wien gesucht.

Airbus A320 von Lauda Europe (Foto: Jan Gruber).

Jeder zweite Arbeitsplatz steht auf der Kippe

„Der Flughafen Wien, einer der teuersten Flughäfen im Netz der Ryanair-Gruppe, ist in jüngster Zeit noch teurer geworden nachdem die österreichische Regierung beschlossen hat die Steuern auf europäischen Kurzstrecken zu erhöhen und gleichzeitig die Steuern auf Langstrecken zu senken. Die Austrian-Airlines-Zubringerflüge sind komplett von der Ticketsteuer befreit. Vor kurzem hat die österreichische Regierung vorgeschlagen den Fluggesellschaften das Recht auf Preisfreiheit (“Mindestpreis”) zu verweigern, um den Wettbewerb mit der vom Staat geretteten Lufthansa-Tochter AUA zu erschweren“, so David O’Brien weiters. „Angesichts dieser steigenden Kosten in Wien und der Marktmanipulation durch die österreichische Regierung kann die Ryanair-Gruppe nicht in der Lage sein Wien nach Covid-19 erhebliche Kapazitäten zuzuweisen, auch weil langsame Impfprogramme die Verbrauchernachfrage weiterhin belasten. Es ist wahrscheinlich, dass nicht mehr als fünf Flugzeuge ab Beginn des Sommerflugplans in Wien im Einsatz sein werden. Wir wissen, dass wir Besatzungsmitglieder für mindestens die doppelte Anzahl an Flugzeugen in Wien haben“.

Zu möglichem Stellenabbau schreibt Lauda-Europe-Chef David O’Brien explizit: „Wir hoffen, weitere Kündigungen vermeiden zu können, aber hohe – von der Regierung kontrollierte – Flughafenkosten und der Protektionismus der österreichischen Regierung sind eine Bedrohung für unser Geschäft. Wir können uns keine weiteren Kostensteigerungen leisten. Seit unserer Gründung im September 2020 haben uns neue Covld-Wellen und Reiseverbote auf weniger als 10 Prozent unserer normalen Kapazität beschränkt, während wir für unsere effektiv gegroundeten Besatzungen die Mindestlohnabkommen ohne staatliche Unterstützung) eingehalten haben.“

Belegschaft soll Jahresurlaub nehmen oder unbezahlte Urlaube antreten

Das fliegende Personal wird nun dazu aufgefordert, dass der Jahresurlaub vor bzw. bis inklusive Juni 2021 in Anspruch genommen werden soll. Alternativ solle man in unbezahlte Urlaube treten, um dem Arbeitgeber bei der Senkung der Kosten zu helfen.

Viele Lauda-Mitarbeiter erschienen mit ihren Kindern zur Demo (Foto: Jan Gruber).

Dazu ist im von O’Brien unterzeichneten Rundschreiben zu lesen: Wenn wir es nicht schaffen, unsere Kosten zu kontrollieren, wird es nicht möglich sein unsere Wiener Basis auf unbestimmte Zeit zu erhalten. Wir müssen es der Regierung und der EU klarmachen. dass unsere Jobs nicht zugunsten von AUA Jobs geopfert werden dürfen und dass ihre Mindestpreis-Idee auf dem freien Markt beendet werden muss. Wir tun unser Bestes, um genügend Geschäftigkeit zu gewährleisten, damit alle unsere Wiener Crews beschäftigt sind, wenn die Reisenachfrage für den Hochsommer anzieht. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten. Diejenigen, die noch keinen Jahresurlaub beantragt haben, können uns unterstützen, wenn dieser oder unbezahlter Urlaub bis einschließlich Juni 2020 in Anspruch genommen wird, so dass wir bereit sind, um später in den erholten Markt einzutreten. In der Zwischenzeit ist es wichtig, dass wir die Kosten niedrig halten“.

Düsseldorf: Dichtgemacht und alle gekündigt

Rückblick: Die Laudamotion-Basis Düsseldorf sollte eigentlich an den Nachfolger Lauda Europe übergeben werden. Auch Dienstverträge wurden bereits unterschrieben. Ryanair wurde sich dann mit dem deutschen Airport sowie dem Bodendienstleister nicht über Preisnachlässe einig. Es folgen die Schließung der Base sowie die Kündigung aller dort stationierten Mitarbeiter. Zahlreiche Prozesse sind beim Arbeitsgericht anhängig.

Aufgrund der Vorgehensweise, die in Deutschland gewählt wurde und des Umstands, dass der Vorgänger Laudamotion wiederholt die gesamte Belegschaft beim Arbeitsmarktservice Niederösterreich zur Kündigung angemeldet hat, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, ist nicht auszuschließen, dass die Wiener Lauda-Europe-Bediensten das Schicksal ihrer deutschen Kollegen teilen könnten. Vereinfacht gesagt ein zweites Düsseldorf, weil sich Ryanair und Airport hinsichtlich der Kosten nicht einig werden. Es bedarf wohl keiner näheren Erläuterung, dass in solchen Verhandlungen seitens des Billigfliegers traditionell niedrigere Preise bzw. höhere Rabatte gefordert werden.

Boeing 737-Max 200 (Foto: V1images.com / Huy Do).

In Wien ist – wie eingangs berichtet – die Verkleinerung der Flotte auf fünf Maschinen angekündigt. Laut dem Rundschreiben von David O’Brien hat man aber Personal für „mindestens die doppelte Anzahl“. So ist damit zu rechnen, dass wenn es zu keiner Einigung kommt, dass jeder zweite Job in akuter Gefahr ist. Angesichts der Vorgeschichte in Düsseldorf unter Berücksichtigung des Umstands, dass die polnische Schwester Buzz in Wien eine Basis unterhält sowie Ryanair die eigene Base Ende 2020 dicht gemacht hat, können ein vollständiger Rückzug inklusive Verlust aller Arbeitsplätze nicht ausgeschlossen werden. In Düsseldorf und Stuttgart wurde seitens Lauda demonstriert, dass man einen solchen Schritt setzt, wenn die Kosten nicht wunschgemäß sind.

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