AUA-Rettung: Bundesländer fühlen sich abgehängt

Flughafen Klagenfurt (Foto: René Steuer).
Flughafen Klagenfurt (Foto: René Steuer).

AUA-Rettung: Bundesländer fühlen sich abgehängt

Flughafen Klagenfurt (Foto: René Steuer).
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Die AUA ist gerettet, doch die Verbindungen von Wien nach Salzburg, Graz und Klagenfurt sind nicht in trockenen Tüchern. Das stört die Wirtschaftskammer.

In den Bundesländern sorgt der Umstand, dass Austrian Airlines insbesondere einige Ultrakurzstrecken-Flüge innerhalb Österreichs aufgeben muss bzw. diese mit einer horrenden Steuer belegt werden, nicht gerade für Begeisterung. So kritisieren die Wirtschaftskammern Kärntens und der Steiermark die Vorgehensweise der Regierung. Ganze Regionen würde man regelrecht von der Außenwelt abhängen, so der Tenor aus der Wirtschaft.

„Ich freue mich, dass es der Bundesregierung gelungen ist, die AUA und den Flughafen Wien langfristig abzusichern. Ich erwarte mir aber auch, dass damit auch der innerösterreichische Flugverkehr wiederaufgenommen wird. Der Lebensstandort Kärnten braucht den Airport und die Anbindung an internationale Hubs“, erklärte heute dazu Kärntens Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl. Aus wirtschaftlicher Sicht, im Interesse des Tourismuslandes, aber auch als identitätsstiftende regionale Infrastruktur sei der Flughafen Klagenfurt und seine Einbindung in das Streckennetz der AUA unverzichtbar.

Auch fordert der WKO-Funktionär, dass die AUA ihre Schulden bei den Reisebüros begleichen solle: „Hier wurden rund 200 Millionen Euro von den heimischen Reisebüros für später wegen der Coronakrise abgesagte Flüge angezahlt und von der AUA einbehalten, obwohl die Reisebüros ihrerseits die Anzahlungen der Kunden rückerstattet haben. Dieses Geld muss unverzüglich an die Reisebüros zurückfließen, deren Lage wegen der anhaltenden Reisebeschränkungen ohnehin schwierig genug ist.“

WKO: Wegfall der AUA-Verbindung nach Wien schwächt die Steiermark und Salzburg

In der Steiermark kritisieren WKO-Präsident Josef Herk und IV-Vorsitzender Georg Knill den bevorstehenden Wegfall der Anbindung von Graz an das Austrian-Airlines-Drehkreuz Wien heftig. „Das Wegfallen der Verbindung in die Bundeshauptstadt schwächt den Wirtschaftsstandort Steiermark und letztlich die gesamte Region Südösterreich“, betont Herk.

„Ab dem Jahr 2027 wird dies wohl vermehrt über die Hubs in München und Frankfurt geschehen müssen. Dies widerspricht der geplanten Strategie, Wien als Langstrecken-Drehscheibe zu sichern und ist im Sinne der Ökologie bestenfalls unwirksam”, unterstreicht Knill.

„Statt die Südbahn-Strecke für die Stärkung des gemeinsamen Wirtschaftsraums Südösterreich zu nutzen, ist die kommende Streichung der Wien-Verbindung als Schritt in die falsche Richtung in der internationalen Ausrichtung der Steiermark zu bewerten“, so die beiden steirischen Funktionäre.

„Das AUA-Rettungspaket war notwendig und ist für den Standort Österreich und den Flughafen Schwechat wichtig, aber es geht zu Lasten des Standortes Salzburg und anderer Bundesländer“, kritisiert WKO-Salzburg-Präsident Peter Buchmüller. „Klimaschutz ist wichtig, der Salzburg Airport ist das aber auch. Jetzt muss wenigstens Schluss sein mit der ewigen Debatte um den Airport Salzburg. Ich fordere alle politischen Kräfte inklusive der Grünen in Stadt und Land Salzburg auf, die Zukunft des Flughafens aktiv zu sichern. Es braucht einen Schulterschluss für den Airport Salzburg!“

FPÖ-Politiker orten Schlupfloch im Vertragswerk

„Wenn die großen Infrastrukturprojekte Koralmbahn und Semmering-Basistunnel fertig gestellt sind, bedeutet diese Auflage auch den Wegfall der AUA-Anbindung für den Flughafen Graz“, so FPÖ-Landesparteisekretär Stefan Hermann. „An unseren heimischen Flughäfen hängen aberhunderte Arbeitsplätze, die Einstellung der Fluganbindung der AUA wäre nicht nur für den Flughafen Graz selbst, sondern auch für die zahlreichen Industrie- und Zulieferunternehmen im Grazer Umland ein schwerer Schlag. Die Landesregierung wäre gut beraten, ihre Kontakte in Wien spielen zu lassen, um diesen drohenden Schaden von der Grünen Mark abzuwenden. Nicht zuletzt rufen wir den steirischen Vizekanzler auf, seiner Umweltministerin ins Gewissen zu reden und hoffen, dass rationale wirtschaftliche Interessen sich gegen die grünen Umweltfantasien durchsetzen“.

Die Salzburger FPÖ-Obfrau Marle Svazek rechnet ebenfalls mit Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort: „Mit dem Verlust der Fluganbindung Salzburg – Wien stehen nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze im Bereich der Flugabwicklung auf dem Spiel. Diese Maßnahme beeinträchtigt die Attraktivität Salzburgs als Tourismus-Hotspot enorm. Für zahlreiche Geschäftsreisende und Touristen wird das Flug/Bahn-Umsteigeangebot im Inland außerdem zu wenig attraktiv sein. Deshalb könnten Reisende künftig grenznahen Ausweichflughäfen den Vorzug geben. Während wir Salzburg opfern, knallen in München die Sektkorken“

Der ehemalige Verkehrsminister und heutige FPÖ-Obmann Norbert Hofer fiel in den letzten Wochen wiederholt durch äußerst widersprüchliche Statements im Zusammenhang mit der Rettung von Austrian Airlines auf. Nun vermutet er, dass Lufthansa ein Schlupfloch im Vertragswerk, das mit der Republik Österreich geschlossen wurde, ausnutzen könnte: „Nun ist die nächste Verhandlungspanne der Bundesregierung rund um die millionenschwere Unterstützung für die AUA bekannt geworden. So darf die AUA künftig keine Kurzstrecken – beispielsweise von Salzburg oder Graz nach Wien – fliegen, sehr wohl aber die AUA-Mutter Lufthansa. Das bedeutet nichts anderes als eine Konkurrenzierung der Austrian Airlines durch die eigene Mutter. Auch andere Airlines dürfen selbstverständlich diese Strecken bedienen. Der Umwelt ist damit nicht geholfen, der Wettbewerb wird aber damit verzerrt und die Wirtschaftsregionen rund um Salzburg und Graz geschwächt. Damit zeigt sich einmal mehr, dass die nicht gerade luftfahrtaffinen Verhandler aufseiten Österreichs von Lufthansa-Chef Carsten Spohr nach Strich und Faden über den Tisch gezogen wurden. Die Standortgarantie für die AUA Basis in Wien gilt zudem lediglich zehn Jahre. Dann wird dieser Unternehmensstandort wohl leider Geschichte sein.“

Sozialistischer Jugend gehen Umweltauflagen nicht weit genug

Komplett anders als die Funktionäre der Wirtschaftskammern und die Oppositionspolitiker sieht man die Angelegenheit bei der Sozialistischen Jugend. Diese malte aus Protest in der Nacht von Montag auf Dienstag ihren Unmut mit abwaschbarer Kreide vor das Bundeskanzleramt. Der SJ gehen die Umweltauflagen, die Austrian Airlines im Zuge der Staatshilfe zu akzeptieren hatte, offensichtlich nicht weit genug.

„Während tausende Betriebe und Selbstständige über die unzureichende Corona-Hilfe der Regierung klagt, macht Kurz für die Pleite-Fluglinie AUA einfach so fast 450 Millionen Euro an Steuergeld locker“, kritisiert Paul Stich, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend. „Österreich verfehlt ein Klima-Ziel nach dem anderen. Während die Regierung unwillig ist, die notwendigen Maßnahmen zu setzen, müssen sich Millionen Menschen auf eine Zukunft in der Klimakatastrophe einstellen. Statt etwa endlich massiv klimaschädliche Kurzstrecken- und Inlandsflüge flächendeckend abzuschaffen, wird jetzt auch noch eine Fluglinie direkt mit Steuergeld subventioniert. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller jungen Menschen, die sich im vergangenen Jahr für Klima- und Umweltschutz engagiert haben. Wann wird unsere Zukunft endlich wichtiger sein, als die Profite von Konzernen? Die Prioritäten der Bundesregierung stehen auf dem Kopf. Während dringend notwendige Investitionen ins Gesundheits- und Pflegesystem trotz Corona ausbleiben, ist Kurz offenbar kein Steuer-Euro zu teuer, um ihn einem Konzern nachzuwerfen. Auch aus wirtschaftspolitischer Sicht ist der Deal ein Skandal. Hier werden wieder einmal Verluste von Konzernen vergesellschaftet und Gewinne privatisiert.“

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